Bilderrätsel Nr. 83

Und weiter geht’s „im Auto über Land“. Wieder kommt das Rätselfoto von Holger Petersen. Diesmal hat er mir die Lösung nicht verraten, damit ich auch mal mitmachen kann. Sinnigerweise hat er das Bild „Durchblick“ genannt – aber genau der fehlt mir im Moment (noch?). :evil:

Frage: Wohin blicken wir, wenn wir durchblicken?

Bilderrätsel Nr. 83

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Bilderrätsel Nr. 82 – Hinnekockstieg

Kappeln

Wir hatten lange kein Schilderrätsel mehr, hier ist mal wieder eines.

Frage: Wie lautet die korrekte Aufschrift auf diesem Schild?

Bilderrätsel Nr. 82


22. Februar 2012

Nach verhaltenem Beginn und einigen missglückten Rateversuchen kam am Ende gleich ein ganzes Dutzend richtiger Antworten zusammen, und zwar von Eckhard Schmidt, Heino Küster, Manfred Rakoschek, Dieter Tikovsky, Rolf Nagel, Hartmut Stäcker, Regina Wilke, Holger Detlefsen, Holger Petersen, Runa, Hartmut Hein und Peter Gille.

Die Lösung lautet: Hinnekockstieg

Kappeln - Hinnekockstieg - Foto: Manfred Rakoschek (1969)

Das Schild steht am Anfang des Wanderwegs an der Schlei, der beim ASC-Clubhaus beginnt, durch die Grünanlagen zwischen Nestle-Weg und der Schlei führt und früher bei der alten Mülldeponie – Hinnekocks „Arbeitsplatz“ – endete. Hinnekock sorgte auch in den „Anlagen“ für Ordnung und Sauberkeit und verscheuchte uns Kinder in den fünziger Jahren schimpfend und mit seinem Stock drohend, egal was wir dort trieben. Insofern decken sich meine Erinnerungen mit denen von Rolf Nagel, obwohl bei mir einiges erst durch dessen Schilderungen wieder hochgekommen ist.

Kappeln - Hinnekockstieg (1969)Dass das Schild ursprünglich zunächst einfach ohne Genehmigung aufgestellt wurde und dass Hinnekocks Frau „Schwarzwaldmädel“ genannt wurde, wusste ich allerdings noch nicht – und auch nicht, wie ich kürzlich in den Erinnerungen von Peter Hansen gelesen habe, dass seine Tochter von den anderen Kindern „Hinnekokkeline“ gerufen wurde.

Vielen Dank für die Informationen, Erinnerungen und netten Geschichten, die in euren Kommentaren enthalten sind.

Kappeln - Hinnekockstieg (2006)Erfreut habe ich festgestellt, dass es den „Wegweiser“ immer noch gibt. Anscheinend wird das handgeschnitzte Holzschild sogar liebevoll gepflegt, da es laut Eckhard Schmidt in jedem Herbst eingelagert und im Frühjahr wieder neu montiert wird. Auf seinen Internetseiten hat Eckhard das dokumentiert, und zwar 2006 und 2007. (Wenn ich eine Seite übersehen habe, bitte melden, dann ergänze ich sie.

Als „literarische“ Quelle habe ich nur eine Schilderung aus dem Kappelner Stadtarchiv gefunden:

Hinnekock, der als Kappelner Original galt, hieß eigentlich Heinrich Wilhelm Hinrichsen. Er hat von 1873 bis 1963 gelebt. Nachdem er die Tochter des Fuhrmannes Peter Koch geheiratet hatte, verkürzte man im Volksmund „Hinrichsen“ zu „Hinne“ und hängte den Geburtsnamen der Ehefrau „Kock“ hinten an. Der Fußweg an der Schlei, besonders der anschließende Müllberg war seine letzte Wirkungsstätte. Er sorgte auf seine originelle Art in dem Bereich für Ordnung.

Der Text stammt aus dem Artikel „Kappelner Persönlichkeiten in Straßennamen verewigt“ von Hans-Peter Wengel, den er anhand der Straßennamenzusammenstellung von Klaus Rethwisch verfasst hat.

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Nestlé-Werk Kappeln

Kappeln

Nach meinem Artikel über das Bekleidungswerk Liening hatte ich mir schon im vergangenen Jahr vorgenommen, mich auch einmal näher mit dem Nestlé-Werk in Kappeln zu befassen.

Wie ich schnell bemerkt habe, ist diese Materie aber ungleich komplexer, handelt es sich bei der Nestlé schließlich um eine Weltfirma, die fast auf dem ganzen Globus vertreten und deren Produktpalette kaum noch überschaubar ist. Auch vor über 80 Jahren gab es bereits in vielen Ländern der Welt Fabriken und Niederlassungen, die zur Nestlé gehörten bzw. für die Nestlé produzierten. Die meisten Tochterfirmen arbeiteten zunächst rechtlich und organisatorisch voneinander unabhängig und wurden erst ab den dreißiger Jahren über Holdings zu einem Großkonzern zusammengeführt.

Meine Ausführungen beschränken sich im Wesentlichen auf das Nestlé-Werk in Kappeln bis in die sechziger Jahre und die dort erzeugten Produkte, insbesondere den NESCAFÉ.


Viel intensiver als der häufig erwähnte morgendliche Fischräucherduft über Kappeln ist mir seit meiner Kindheit der brandige Kaffee-Geruch in der Nase hängengeblieben, der sich von der Nestlé-Fabrik häufig über ganz Dothmark und manchmal sogar über ganz Kappeln ausbreitete. Besonders intensiv „roch“ es dort, wo die Röstrückstände aus der NESCAFÉ-Produktion nach der Reinigung der Sprühtürme in die Schlei eingeleitet wurden. Ergänzt durch die weißlichen Schwaden aus den Abwässern der Milchpulverproduktion machte das Schleiwasser nicht gerade einen einladenden Eindruck, was aber einige Fischarten keineswegs störte. Sie fühlten sich in diesem Sud so wohl, dass wir Kinder vom Angeln an der Schlei gleich unterhalb der Nestlé immer eine reiche Ausbeute an Plötzen mit nach Hause brachten, die allerdings bei unseren Müttern ziemlich verpönt waren – wegen ihrer Herkunft und ihres leicht modderig-penetranten Geschmacks. Einmal fing ich sogar einen Aal, den mir meine Großmutter zubereitete – ich fand ihn nicht schlecht und habe ihn stolz verzehrt.


Milchverarbeitung an der Schlei

Bedingt durch die ausgeprägte landwirtschaftliche Struktur gab es in Angeln und Schwansen bereits im 19. Jahrhundert Bestrebungen, neben der Sicherstellung der Volksernährung auch die Vermarktung der eigenen Produkte zu verbessern. Dies betraf nicht zuletzt auch die zunehmende Milcherzeugung, die ursprünglich auf den Höfen selbst und dann in unzähligen kleinen Meiereien weiterverarbeitet wurde.

So wurde 1888 auf einer Bauernversammlung in Kappeln die „Freie Mereivereinigung Kappeln“ gegründet und der Bau einer Genossenschaftsmeierei beschlossen, in welcher Käse, Butter, Mager- und Buttermilch produziert wurden.

Zwanzig Jahre später wurde – in Konkurrenz zur genossenschaftlich geführten Meierei – vom Meiereiverband Südschleswig die privatwirtschaftliche „Trocknungsbetriebsgesellschaft Südschleswig mbH“ gegründet und der Bau eines Milchtrocknungswerkes am Standort Kappeln beschlossen, welches 1919 in Betrieb genommen wurde.

Die Meiereivereinigung Kappeln lehnte allerdings Milchlieferungen an das Trockenwerk ab, da die gesamte Milchpulverproduktion vom Hamburger Staat übernommen wurde, um mangels ausreichend verfügbarer Frischmilch die Bevölkerung der Großstadt mit Trockenmilch zu versorgen. Für die Meierei-Genossen hatte die Versorgung der heimischen Bevölkerung Vorrang.

Schon wenige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hatte sich die Versorgungslage wieder stabilisiert und der Trockenmilchabsatz brach ein. 1923 musste der Betrieb, der inzwischen an die „Milchwerke Angeln GmbH“ verkauft worden war, eingestellt werden.


Nestlé in Kappeln

1927 suchte die Nestlé-Tochterfirma „Linda-Gesellschaft für kondensierte Milch und Kindermehl mbH“ ein geeignetes Milchgebiet in Norddeutschland und pachtete das Werk in Kappeln. 1928 wurde die „Deutsche AG für Nestlé-Erzeugnisse“ gegründet, in welcher die Linda-Gesellschaft aufging. Erst Anfang 1941 wurde das Kappelner Nestlé-Werk käuflich erworben.

Nestlé - IDEAL MILCHIn den 30er- und 40-er Jahren wurden verschiedene neue Produkte und Produktionsverfahren entwickelt. Während die Herstellung von Schmelzkäse und Dosenbutter aufgrund schlechter Absatzzahlen bald wieder eingestellt wurde, war die Produktion von IDEAL-Dosenmilch sehr erfolgreich und wurde 1932 komplett nach Kappeln verlagert.

Ab 1928 wurde die Nestlé auch von der Freien Meiereivereinigung mit Milch beliefert. Weil die Aufnahme überschüssiger Milchmengen zu einer nicht unbedeutenden Marktentlastung führte, wurde stets neue Lieferverträge mit dem Nestlé-Werk abgeschlossen. So konnte eine stetig wachsende Milchmenge z. B. über die Kondensmilch dem Trinkmilchmarkt zugeführt werden. Für die absatzferne Lage Angelns und Schwansens war dieser Marktausgleich von erheblicher Bedeutung.
Nestlé - Pelargon
Wegen zunehmend rückläufiger Verfügbarkeit von Roh- und Hilfsstoffen während des zweiten Weltkriegs musste die Kondensmilchproduktion jedoch immer weiter heruntergefahren und 1945 schließlich ganz eingestellt werden.

Kappeln - Nestlé-Werk (1939)Ab 1942 wurden hauptsächlich Milchpulver und die Säuglingsnahrung Pelargon hergestellt.

Mit der über Jahre weitgehend eingehaltenen Nestlé-Tradition, nur Nahrungsmittel herzustellen, die in irgendeiner Weise Milch enthielten, wurde 1938 gebrochen: Mit dem Löslichkaffee NESCAFÉ entstand ein völlig neues Produkt.


NESCAFÉ

Ballade von den Säckeschmeißern

Oh, mich zieht ‘s nach einem fernen Lande,
Wo die schlanke Tropenpalme prangt.
In Brasilien, am Rio Grande,
Werden Kaffeesackschmeißer verlangt.
Es gibt zuviel Kaffee auf der Welt.
Und darum pro Zentner zu wenig Geld.
Drum wird, so will es das Weltgewissen,
Die halbe Ernte ins Wasser geschmissen.

In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts herrschte in Brasilien eine Kaffeeschwemme. Regelmäßig wurden große Teile der Kaffeeernte vernichtet, um die Preise und Profite künstlich hoch zu halten. Auf der Suche nach Auswegen wurde die Idee geboren, Kaffee in Konzentratform zu konservieren, um Produktionsschwankungen auszugleichen und weitere Käuferschichten zu erschließen.

Die ersten Versuche, Kaffee in Form von Bohnen- oder flüssigen Extrakten anzubieten, setzten sich aber nicht durch, da nicht nur die Löslichkeit, sondern auch Geschmack und Aroma sehr zu wünschen übrig ließen. Deshalb wandte man sich 1930 mit dem Problem, ein Kaffeekonzentrat in Würfelform herzustellen, welches das Aroma bewahrte und sich leicht in heißem Wasser auflösen ließ, an den damaligen Schweizer Nestlé-Direktor.

Nach jahrelangen Studien und Experimenten im Nestlé-Forschungslaboratorium in Vevey erzielten die Chemiker 1937 schließlich das gewünschte Ergebnis: Nescafé-Dose aus Weissblech (1938) - Foto: Alimentarium, Museum der ErnährungDie Konservierung der flüchtigen Aromastoffe erreichte man durch Beigabe von Kohlenhydraten und die Wasserlöslichkeit dadurch, dass das Kaffee-Konzentrat nicht in Würfel- sondern in Pulverform hergestellt wurde, was zudem eine beliebige Dosierung erlaubte. Der NESCAFÉ war geboren.

Nachdem die Techniker auch die Schwierigkeiten der industriellen Umsetzung des Verfahrens überwunden hatten, konnte das neue Erzeugnis in Produktion gehen. Die erste NESCAFÉ-Fabrik entstand in Orbe, und am 1. April 1938 wurde der Löslichkaffee in der Schweiz erstmals zum Verkauf angeboten.

Bald darauf wurde mit der NESCAFÉ-Fabrikation auch in Frankreich, in Großbritannien und in den USA begonnen, wo das Kaffeepulver zunächst nur schwerpunktmäßig auf den Markt gebracht wurde, um die Resonanz bei den amerikanischen Verbrauchern zu testen, die alle positiven Erwartungen übertraf.


Kriegswirtschaft

Der japanische Angriff auf Pearl Harbor 1941 führte zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten und dem damit verbundenen Aufbau einer effizienten Kriegswirtschaft, in der die Bedürfnisse der Marine und der Armee über Jahre absoluten Vorrang genossen. Massenhaft wurden Dauerlebensmittel für die Versorgung der Truppen eingekauft, unter denen der Löslichkaffee NESCAFÉ einen wichtigen Platz einnahm. Neben ungezuckerter Kondensmilch und Milchpulver trat er bald seinen „Siegeszug“ um die Welt an.

In der amerikanischen Armee wurde der Gebrauch von Löslichkaffee zur üblichen Praxis, und durch Abgabe an die Zivilbevölkerung in den befreiten europäischen Ländern, den verarmten Mittelmeerstaaten und nach dem Sieg über die Japaner in Asien wurde er zu einem allgemeinen Konsumgut.

Wie in den USA wurde spätestens ab 1941 die Konsumgüterindustrie in Deutschland ebenfalls weitestgehend in den Dienst der Rüstung gestellt. Dazu gehörte auch hierzulande die NESCAFÉ-Produktion.

Nachdem der neue Löslichkaffee bereits erfolgreich den amerikanischen Markt erobert hatte, zeigten sich die deutschen Behörden eher zögerlich. Für Berlin war dieses Konsumgut zweitrangig, da zur Herstellung des neuen Pulvers zunächst Kaffee eingekauft werden musste, wozu wiederum Devisen benötigt wurden. Außerdem wurde die Einfuhr durch die alliierte Seeblockade erschwert und kostspielig.

Schließlich war es die Wehrmacht, die im Zusammenhang mit dem Russlandfeldzug den Wert dieser Innovation erkannte und ab 1942 deren Produktion ausschließlich für ihren eigenen Gebrauch autorisierte. Anfang 1943 war die Geburtsstunde der industriellen Produktion von NESCAFÉ in Deutschland. Nachdem im Nestlé-Werk in Kappeln die erste Exraktionsanlage installiert worden war, wurde Kappeln zum Standort der NESCAFÉ-Produktion für die deutsche Wehrmacht.

Für die Sicherstellung der Kaffeeversorgung deutscher Soldaten an der Ostfront und bei der Luftwaffe wurden im Kappelner Werk auch Zwangsarbeiter eingesetzt. Im August 1943 betrug deren Quote etwa 30 Prozent der – überwiegend weiblichen – Belegschaft. Die „Ostarbeiter“ hausten in einem geschlossenen firmeneigenen Stacheldraht-gesicherten Barackenlager, das nur zur Verrichtung der ihnen zugewiesenen Arbeit verlassen werden durften. Ein Leben unter menschenwürdigen Bedingungen wurde schon durch die Belegungsdichte verhindert. Im Nestlé-Werk Kappeln wurden 38 Personen in zwei Baracken auf 59,4 Quadratmetern zusammengepfercht.

Knapp 60 Jahre später beteiligte sich Nestlé dann – auf freiwilliger Basis – an den nationalen Stiftungen Deutschlands und Österreichs zur Entschädigung von Zwangsarbeitern im Dritten Reich.

„Von einigen Unternehmen der Nestlé-Gruppe, die in den nationalsozialistisch beherrschten Ländern tätig waren, steht fest oder ist anzunehmen, dass Zwangsarbeiter beschäftigt wurden“, erklärte der Nahrungsmittelkonzern. Nestlé sei zwar damals noch nicht Eigentümerin dieser Firmen gewesen. Als Rechtsnachfolgerin nehme sie jedoch die „moralische Verantwortung wahr, einen Beitrag zur Milderung menschlichen Leidens zu leisten“.


Nachkriegszeit

Kappeln - Nestlé-Werk (1957)Kappeln - Nestlé-Werk (1958)Kappeln - Nestlé-Werk (1959)

Nach dem Endes des Zweiten Weltkriegs wurde im Nestlé-Werk Kappeln 1948 zunächst die Dosenmilch- und 1949 auch die NESCAFÉ-Produktion wieder aufgenommen und bis zur Einführung des Gefriertrocknungsverfahren Mitte der 60er-Jahre fortgeführt.

NESCAFÉ-Werbung (1952)Lebensmittel-Auslage mit IDEAL-MILCH (1951)Die Beschäftigtenzahl stieg von 170 in den ersten Nachkriegsjahren auf über 700 im Jahr 1960.

Nachdem die Pulverkaffee-Herstellung in das neue Werk für NESCAFÉ und NESQUICK in Mainz Kappeln - Nestlé-Werk - Frischmilch-Annahme und -Kontrolle (1959)verlagert worden war, wurde in Kappeln neben der Milchpulverherstellung (NIDO) die Palette im Bereich diätetischer Produkte ausgeweitet und zusätzliche Produkte wie z.B. Nestlé - NIDO-Verladung im Kappelner Hafen -  Foto von Eckhardt Schmidt aus dem Stadtarchiv KappelnFruchtgetränkepulver aufgenommen.

1970 betrug die die Zahl der Beschätigten etwa 300.

1976 wurde das Kappelner Werk in die „Allgäuer Alpenmilch AG, München“ integriert. 1998 entschied der Nestlé-Konzern, den Standort Kappeln ganz aufzugeben.

Massive Proteste der Beschäftigten und der Kappelner Bevölkerung führten jedoch dazu, dass das Werk nicht geschlossen, sondern 1999 von der CREMILK GmbH übernommen wurde, an der Nestlé mit 25% beteiligt war.

So konnten fast 200 Arbeitsplätze erhalten und die Milchverarbeitung in Kappeln mit jährlich etwa 60 Mio. kg gesichert werden. Begonnen hatte sie 1888 mit 700.000 kg Milch pro Jahr.


Kappeln - Nestlé-Werk - Abfüllanlage für NESCAFÉ in Dosen (1959)

Nestlé-Werk in Kappeln - Abfüllanlage für NESCAFÉ in Dosen (1959)


Literaturhinweise und Links

Jürgen Kube: Über 100 Jahre Milchverarbeitung in Kappeln
in: Kappeln Sechshundertfünfzig
656 Seiten, 10 €, ISBN 978-3779369189
Heimatverein der Landschaft Angeln e. V., 2007

Jean Heer: Nestlé – Hundertfünfundzwanzig Jahre von 1866 bis 1991
562 Seiten, Firmenschrift
Nestle AG, Vevey, 1991

Albert Lüthje, Robert Göttsche: 90 Jahre Zentral-Meierei eG Kappeln/Schlei
235 Seiten, Firmenschrift
Zentral-Meierei eG, Kappeln, 1978

Cremilk Kappeln – Milch in Pulverform
shz.de vom 07.05.2011

Meierei Kappeln – In sieben Jahren ging die Hälfte der Mitglieder verloren
shz.de vom 24.05.2011

General Foods greift an
DER SPIEGEL 37/1955 vom 07.09.1955 | PDF

Magd in der Tüte
DER SPIEGEL 30/1963 vom 24.07.1963 | PDF

Hitlers stille Helfer
SPIEGEL online vom 30.08.2001

Die Schweiz, der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg
Schlussbericht der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg (UEK)
600 Seiten, ISBN 3-85842-601-6
Pendo, Zürich, 2002
PDF (1,8 MB)

Nestlé beteiligt sich an Zwangsarbeiter-Stiftung
RP online vom 28.08.2000

Zwangsarbeit in Schleswig-Holstein
Forschungsgruppe „Zwangsarbeit in Schleswig-Holstein“ (FGZSH)

Ernst Busch – Lieder der Arbeiterklasse & Lieder aus dem spanischen Bürgerkrieg
CD, Pläne, ISBN-13: 4007198839876
Ballade von den Säckeschmeißern
Text: Julian Arendt / Ernst Busch; Musik: Hanns Eisler
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Bilderrätsel Nr. 81 – NESCAFÉ

Kappeln

Wieder mal ein Firmen-Rätsel!

Frage: Wo befinden wir uns und was wird hier hergestellt bzw. abgefüllt?


Bilderrätsel Nr. 81 – NESCAFÉ-Abfüllung in Kappeln

18. Februar 2012

Der Weg zur richtigen Lösung dieser Aufgabe war eine recht zähe Angelegenheit. Der Betrieb – das Nestlé-Werk in Kappeln war relativ schnell klar, aber das Produkt, um das es hier geht, nämlich NESCAFÉ, wurde trotz Hilfestellung nur sechsmal explizit als Antwort genannt, und zwar von Maren SieversHartmut Stäcker, Rolf Nagel, RunaHolger Petersen und Eckhard Schmidt.

Dass das trotz der großen Beteiligung verhältnismäßig wenige hinbekommen haben, liegt wohl daran, dass die meisten nicht (mehr) wissen, dass das Kappelner Nestlé-Werk einmal die zentrale Produktionsstätte für NESCAFÉ in Deutschland war.

Mehr zu diesem Thema findet ihr in meinem neuen Beitrag über das Nestlé-Werk Kappeln.

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Bilderrätsel Nr. 80 – Lindauhof

Nach dem Motto „Im Auto über Land“ kommt hier zum Wochenauftakt gleich die nächste Aufgabe.

Obwohl mir das Gebäude irgendwie bekannt vorkam, konnte ich mit dem Foto von Holger Petersen zunächst wenig anfangen und war eigentlich auch der Meinung, dass es als Bilderrätsel für die meisten Teilnehmer/-innen zu schwer sein könnte.

Andererseits habe ich mich mit der Einschätzung des Schwierigkeitsgrads schon einige Male vertan, und nachdem Holger mir das abgebildete Motiv erläutert und als „sehr rätselwürdig“ eingestuft hat, habe ich mich entschlossen, euch „aus gegebenem Anlass“ dieses Bild doch zum Raten anzubieten. Wenn nötig, gibt es unterwegs noch etwas Hilfestellung.

Frage: Um welches Gebäude handelt es sich?

Bilderrätsel Nr. 80 - Gut Lindauhof - Foto: Holger Petersen (2009)


15. Februar 2012

So schwer ich mich zunächst mit der Entscheidung für dieses Rätsel getan habe, geht es mir jetzt mit der Auflösung. Insgesamt gab es 9 akzeptable Antworten, aber ob die auch wirklich alle richtig waren…?

Das Rätsel hatte nämlich (eigentlich) einen Haken, der die Lösung hätte erschweren können. Hat er aber nur bedingt, und zwar ganz einfach, weil den meisten Raterinnen und Ratern dieser „Haken“ völlig wurscht war!

Der eigentliche Clou dieses Rätsel war, dass das abgebildete Gebäude nicht die „Landarzt-Praxis“ ist!
Die sieht nämlich so aus:

Gut Lindauhof - Foto: Holger Petersen (2009)

Andererseits geht es sehr wohl um das Gut Lindauhof (ganz genau: „Gut Dänisch Lindauhof“), aber nicht um das Vordergebäude aus Backstein, welches der ZDF-Serie als Filmkulisse dient, sondern um den Anbau an der Rückseite des Hauses.

Hierbei handelt es sich um ein Fachwerk-Gebäude und bei näherem Vergleich findet man auch weitere bauliche Unterschiede. Beiden Teilgebäuden gemeinsam ist jedoch die typische runde Fachwerk-Dachgaube, die wahrscheinlich einen großen Anteil am Wiedererkennungswert der „Landarzt-Praxis“ ausmacht.

Der Anbau ist übrigens über den Link auf die Ostseefjord Schlei GmbH, der bereits im Beitrag „25 Jahre Landarzt“ enthalten war, gut zu erkennen, wenn man genau hinschaut:

Ostseefjord Schlei GmbH - Termin beim Landarzt

Auf der ebenfalls schon einmal verlinkten Seite des Lindauhofs findet man auch gleich ein paar lesenswerte Erläuterungen zu dem/den Gebäude/n.

Die meisten von euch haben – wie gesagt – den Unterschied zwischen den Gebäuden nicht realisiert und trotzdem oder gerade deswegen irgendwie richtig geraten – außer dass es eben nicht die „Landarzt-Praxis“ ist! Die Beurteilung, wer jetzt wie genau mit seiner Antwort richtig lag, überlasse ich dieses Mal gern euch selbst – bevor ich (vermeidbaren) Widerspruch ernte.


Einen Aspekt fand ich noch sehr interessant: nicht nur der Tourismus allgemein hat vom „Landarzt“ profitiert, sondern besonders wohl auch das Gut Lindauhof selbst.

Gut Lindauhof - Foto: A. P. Peter Weiland  (ca. 1980)Almut Langenfeld:
Das Gut kam den Filmleuten offenbar sehr idyllisch vor, so dass sie unter den vielen Gütern Angelns und Schwansens gerade dieses ausgewählt haben. Wie gut die Filmarbeit auch Haus und Hof bekommen ist, seht Ihr an dem ca. 1980 entstandenen Photo meines Vaters, das er in seinem Buch über die Schlei veröffentlicht hat. Zu dem Zeitpunkt wirkte die Fassade doch recht renovierungsbedürftig.

Tiko:
Das Gebäude sah übrigens nicht immer so schick aus, ich schicke dir mal ein Bild aus der Vor-Landarzt-Zeit.

Tiko hat mir aber nicht nur ein Foto des Vorderhauses geschickt, sondern auch gleich noch zwei Bilder vom Anbau, bei dem das Fachwerk unter dem Anstrich durchscheint – alles aufgenommen vor 1980. Vielen Dank dafür!

Gut Lindauhof - Foto: Dieter Tikovsky  (vor 1980)

Gut Lindauhof - Foto: Dieter Tikovsky  (vor 1980)

Gut Lindauhof - Foto: Dieter Tikovsky  (vor 1980)

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Schulzeitreisen-Quiz – Auflösung

Geschafft!

Der Einsendeschluss ist vorüber!

Der Countdown ist abgelaufen.
Nach knapp drei Wochen war gestern um 24 Uhr Einsendeschluss für den

Lösungssatz:

An besonders schönen Tagen
ist der Himmel sozusagen
wie aus blauem Porzellan.

Es sind die Anfangszeilen des Gedichts »Im Auto über Land« von Erich Kästner.

Das komplette Gedicht kann ich hier aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht wiedergeben, aber im Internet ist es durchaus auffindbar – sogar als Video. Wer es lieber gedruckt nachlesen möchte, dem empfehle ich das Buch „Erich Kästner – Die Gedichte“, 432 Seiten, Haffmans Verlag, 2010.


Fragen und Antworten

Nr. Frage Antwort
1 Wie hieß der Vorgänger von Oberstudiendirektor Lassen? Wittkopp
2 Was wurde in der Fabrik von Möller & Erichsen produziert? Dachfalzziegel
3 Womit konnte man sich als Schüler bei Sander etwas Geld verdienen? Inventur
4 Welcher Lehrer hatte den Spitzname „Wuzzi“? Tech
5 Auf welchem Klassenfoto bin ich abgebildet?
(Name der Klasse)
Untertertia
6 Welchen Baustoff haben Mühle und Amtsgericht gemeinsam? Gelbstein
7 Wo wurde ein Separator benutzt? Zentralmeierei
8 In welcher Funktion war die „Seute Deern“ unterwegs? Butterdampfer
9 Wem gehörte der „Kohlenhof“? Mansen
10 In welcher Straße befand sich die Kappelner Volksschule? Reeperbahn
11 Welche Figur ziert die Fahne der Kappelner Kindergilde? Christophorus
12 Wie hieß die Firma von Hans Nissen in Arnis? HANIA
13 Womit reagiert Knallozifidium? Sauerstoff
14 Von wem stammt der Text des Kappelner Heimatliedes? Arndt
15 Wie hieß der Schlagzeuger der „Beach Birds“? Pohl
16 Von wem stammt das klassische Titelbild auf dem „Rotstift“? Nagel
17 Welche Biersorte vertrieb Karl Wiencke? Eiche
18 Wer hieß mit zweitem Vornamen „Bonnevie“? Lorentzen
19 Wann endeten bis 1966 die Schuljahre? Ostern

Wenn alles richtig erraten wurde, musste der Lösungsbogen so aussehen:

Schulzeitreisen-Quiz - Lösungen


Auslosung

Insgesamt haben 14 Teilnehmer/-innen den richtigen Lösungssatz eingesandt (in alphabetischer Reihenfolge):

Runa Borkenstein*, Hanna Gutzeit, Heino Küster, Almut Langenfeld, Holger Petersen*, Claus Poppenhusen, Dirk Heinrich Rahn, Manfred Rakoschek, Eckhard Schmidt*, Klaus-Detlef Schnoor, Hartmut Stäcker, Dieter Tikovsky*, Gadso Weiland und Regina Wilke
(* Einsendung per E-Mail, ansonsten per Kommentar)

Drei von euch haben auf die Teilnahme an der Buch-Verlosung verzichtet, die anderen habe ich von 1 bis 11 durchnummeriert.

Die Auslosung erfolgt mittels des Zufallszahlen-Genarators. Nacheinander werden Zahlen zwischen 1 und 11 „gezogen“. Wer zuerst 11-mal gezogen wurde, ist der/die Gewinner/-in.


Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?!


Hier sind die gezogenen Zahlen

5, 11, 3, 2, 11, 4, 10, 8, 6, 11, 9, 8, 6, 5, 4, 2, 10, 6, 9, 5, 6, 3, 10, 9, 10, 8, 11, 9, 11, 10, 10, 7, 5, 6, 10, 11, 4, 1, 11, 4, 7, 9, 8, 8, 11, 6, 10, 1, 8, 1, 6, 3, 8, 4, 4, 5, 3, 3, 5, 3, 9, 2, 2, 6, 11, 9, 1, 3, 9, 7, 9, 5, 8, 2, 2, 11, 8, 6, 2, 10, 1, 10, 4, 8, 7, 4, 5, 3, 10

… und hier das Ziehungs-Ergebnis:


Nr. Name Ziehungen
1 Runa Borkenstein
2 Almut Langenfeld
3 Holger Petersen
4 Claus Poppenhusen
5 Dirk Heinrich Rahn
6 Manfred Rakoschek
7 Eckhard Schmidt
8 Klaus-Detlef Schnoor
9 Hartmut Stäcker
10 Gadso Weiland
11 Regina Wilke
12 Hanna Gutzeit außer Konkurrenz
13 Heino Küster außer Konkurrenz
14 Dieter Tikovsky außer Konkurrenz

Der Gewinner ist:

Gadso Weiland

Herzlichen Glückwunsch und viel Freude mit dem Buch!

Vielen Dank an alle für’s Mitmachen! Vielleicht gibt es im Herbst ein neues Schulzeitreisen-Quiz. Bis dahin freue ich mich auf eure Beteiligung an den Bilderrätseln und alle weiteren Beiträge.


Dass Erich Kästner auch bei der heutigen Jugend noch aktuell ist, zeigt diese Gedicht-Verfilmung bei YouTube:

 Im Auto über Land

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Pasche Klüver

Klaus-Harms-Schule

Gestern erhielt ich von Anik Kähler ein Foto des Abi-Jahrgangs 1988.

Außerdem schickte sie mir einen „Text zu Ehren unseres Pasche Klüver“ aus der Abi-Zeitung von 1988.

Ich hoffe nur, dass es sich bei uns nicht allzu sehr um Küken handelt, habe ich doch gelesen, dass es in erster Linie um die 60er Jahre geht.

Ich freue mich immer sehr, wenn auch jüngere Jahrgänge (als meiner) in den Schulzeitreisen vertreten sind, aber dafür bin ich ausschließlich auf eure eigenen Beiträge angewiesen. Wenn was kommt, wird es selbstverständlich auch gebracht!

Das Bild habe ich bereits in die Klassenfoto-Galerie aufgenommen.

Den Text aus der Abi-Zeitung nehme ich direkt zum Anlass, mit einem – ohnehin geplanten – Artikel zu beginnen, den ich ich in loser Folge durch weitere Beiträge und ein paar Fotos ergänzen werde.


Oberstudiendirektor Pasche Klüver

Klaus-Harms-Schule: 1954-1988
Schulleiter: 1968-1988
Fächer: Latein, Geschichte


An den Häuptling!

von Tanja Neve (aus der Abi-Zeitung 1988)

»Wie vielleicht alle wissen, wird nach den diesjährigen Sommerferien ein neuer Direx unsere K-H-S leiten. Als eine Teilnehmerin des Jahrgangs, der als letzter unter der „Oberaufsicht“ von Pasche Klüver ihr Abitur schrieb, möchte ich einmal einige Dinge zu unserem Herrn Direktor sagen.

Ich habe ihn zwar nie als einen mich unterrichtenden Lehrer erlebt, allerdings glaube ich sagen zu können, daß er als Leiter der Schule ein Lob verdient hat. Sicher, es wird viel Kritik an „merkwürdigen Lehrkörpern geübt, die an unserer Schule einfach so herumlaufen dürfen“. (Oft gehörtes Zitat) P. Klüver gehört sicher nicht zu ihnen. Als Direktor war er stets bereit, sich für die Schüler Zeit zu nehmen und ihre Klagen über gewisse Lehrertorturen anzuhören. Zum Trost holte er aus seiner Schreibtischlade häufig eine Dose mit ganz schön leckeren Gummibärchen!

Als damals in der Sexta ein Schüler bei Herrn Köhl aus der Musikstunde flog, wurde ihm von besagtem Musikpädagogen hinterhergerufen, sich doch „lieber einen Keks bei Herrn Klüver abzuholen“. Nach ein paar Minuten hatte sich Herr Köhl anders entschieden und wollte seinen Schützling doch wieder am Unterricht teilnehmen lassen. Doch siehe da, der Schüler hatte den eher als Scherz gemeinten Satz ernstgenommen, war zu Pasche geeilt, hatte ihm die Lage geschildert und seinen Keks bekommen. Pech für Herrn Köhl!

Außerdem möchte ich einmal darauf hinweisen, daß wir in den Pausen über eine nicht erlaubte Freizügigkeit verfügen:

„Eigentlich müßten alle Schüler
in den Pausen auf den Hof,
Doch der Pasche ist der Meinung:
»Alle draußen?! Mann, wie doof«.“

Von daher ist es uns also selbst überlassen, wo wir uns während der Unterrichtsunterbrechungen aufhalten. (Warum ist das eigentlich verboten??)

Trotz der starken menschlichen und großzügigen Züge unseres Direx ging sein Ansehen als Autoritätsperson nie verloren. Zwar haben wir als Oberstufenschüler nicht mehr gezittert, wenn er zu einer Lehrprobe erschien, doch verloren wir nie den Respekt. In diesem Sinne: Vielen Dank für 9-jährige Geduld mit dem Abi-Jahrgang 88!«


Für den ROTSTIFT Nr. 19 (Frühjahr 1969) führte die damalige Chefredakteurin Elisabeth Gregersen ein ausführliches Gespräch mit dem neuen SchuIleiter der Klaus-Harms-Schule, Oberstudiendirektor Pasche Klüver.

Interview
mit unserem „Chef“

ROTSTIFT Nr. 19 (Frühjahr 1969)

»Bitte schildern Sie mir kurz Ihren Lebenslauf.

1924 wurde ich in Hamburg geboren und bin dort auch zur Schule gegangen. Ich habe die Grundschule und die Schleeschule in Altona besucht. 1942 wurde ich Soldat und 1945 bin ich als Leutnant entlassen worden. Während des Krieges verlor ich mein rechtes Auge. Von 1946 bis 1950 studierte ich an der Universität in Hamburg. 1952 machte ich mein Staatsexamen in Latein und Geschichte.

Am 1. Dezember trat ich in den Schleswig-Holsteinischen Schuldienst in Kiel als Referendar ein, wurde aber bald darauf an die Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe versetzt, wo ich einen Lehrauftrag bis 1954 hatte. Dann ging ich an das Studienseminar nach Flensburg und wurde im September Assessor. Von Oktober 1954 bis zum Oktober 1964 war ich hier an der Klaus-Harms-Schule und dann bis 1968 in Satrup. Inzwischen war ich 1957 Studienrat und 1964 Oberstudienrat geworden. 1968 wurde ich dann als Direktor dieser Schule eingesetzt.

Ich bin seit 1945 verheiratet und habe vier Kinder: Eine Tochter, die an der PH in Flensburg studiert, zwei Söhne, in der Obertertia und im 3. Schuljahr, und eine Tochter, die noch in den Kindergarten geht.

Rotstift Nr. 19 - Pasche KlüverHatten Sie einen besonderen Grund Lehrer zu werden und wollten Sie schon immer Oberstudiendirektor werden?

Daß ich immer Oberstudiendirektor werden wollte, möchte ich nicht sagen. Aber ich bin mit Überlegung Lehrer geworden. Wenn man mit Begeisterung dabei ist, dann möchte man auch eine Schule ein wenig nach seinen eigenen Ideen gestalten. Ich bin der Meinung, ein Direktor heute an einer Schule hat doch sehr viele Möglichkeiten; so stark sitzt das Kultusministerium einem nicht im Nacken, als daß man das Gefühl haben müßte, man führe nur deren oder dessen Befehle aus.

Über welche Eigenschaften sollte man Ihrer Meinung nach verfügen, um das Amt eines Schulleiters innezuhaben?

Das ist natürlich sehr schwer zu beantworten, weil ich mich da selbst preisen müßte. Die Grundvoraussetzung ist, ein wirklich begeisterter und überzeugter Lehrer zu sein. Man muß Freude an der Arbeit mit jungen Menschen haben und das Bedürfnis, ihnen irgendwie etwas weiter zu geben. Sicher kommt hinzu, daß man ganz ohne organisatorisches Talent dieses Amt nicht übernehmen kann. Außerdem besteht die Arbeit eines Direktors zu einem großen Teil aus Verwaltungsarbeit. Wenn man nun dazu gar kein Verhältnis hat, dann sollte man lieber kein Direktor werden.

Rotstift Nr. 19 - Pasche KlüverWie gestalten Sie Ihr Verhältnis zu den Schülern?
Was sagen Sie speziell von der SMV?

Ich habe schon immer versucht, ein enges Verhältnis zu den Schülern zu haben. Auch ich machte mir als junger Lehrer falsche Vorstellungen. Als ich hier meine erste Klasse als Klassenlehrer bekam, da meinte ich also, meinen Schülern so etwas wie ein zweiter Vater sein zu müssen. Je älter meine Schüler wurden, desto distanzierter wurde das Verhältnis zwischen uns, was nicht heißen soll, daß wir nicht miteinander gut auskamen. Über ein gewisses Maß ging es nicht hinaus, und ich habe eingesehen, daß es so besser ist. Die Schüler der Oberstufe brauchen einen Raum für sich, wo der Lehrer nichts zu suchen hat. Sie wollen nicht, wenn sie mal ein Bier trinken, unbedingt einen Lehrer dabei haben, weil sie das Gefühl nicht ganz überwinden können, daß der da doch sitzt, um auf sie aufzupassen. Ich meine, diese Freiheit und diesen Raum sollte man den Schülern zubilligen.

Die SMV betrachte ich als eine sehr gute Einrichtung. Wenn sie häufig nicht das geworden ist, was die Gründer sich gedacht haben, liegt es zu einem großen Teil an den Schülern selbst. Der Aktive muß immer gegen die Gleichgültigkeit und den Stumpfsinn seiner Mitschüler kämpfen. Das große Problem liegt nicht darin, daß es nicht genügend Aufgaben für die SMV gibt, sondern daß überhaupt ein großer Teil der Schüler nicht bereit ist, aktiv mitzuarbeiten.

Wie stellen Sie sich die ideale SMV vor?

Der SMV-Erlaß, der sicher in manchen Punkten reform- und verbesserungsbedürftig ist, bietet sehr viel Spielraum. Wenn Sie nun einmal an eine Zeit vor 50 Jahren denken, dann wäre es unvorstellbar gewesen, daß etwa Schüler zu Lehrerkonferenzen mit Sitz und Stimme zugelassen sind. Ich stelle mir die SMV so vor, daß sie wirklich von dem größeren Teil der Schüler getragen wird. Mit ihr möchte ich wirklich einiges auf die Beine stellen, nicht, daß ich ihr sagen möchte, was sie tun soll. Aber ich möchte sie bei allem Beginnen unterstützen und würde mich freuen, wenn sie mit Ideen käme und etwas unternähme.

Haben Sie an einigen Punkten des SMV-Erlasses nichts auszusetzen, z. B. halten Sie es für richtig, daß die politischen Schülergruppen an den Schulen verboten werden? Glauben Sie nicht auch, daß man sich schon in der Jugend politisch engagieren sollte?

Ich glaube, das sind zwei Fragen, die wir besser voneinander trennen sollten. Ich bin fest der Meinung, daß man sich möglichst frühzeitig politisch engagieren und betätigen sollte. Ob das nun allerdings schon in einem verhältnismäßig frühen Alter in einer parteipolitischen Richtung sein sollte, darüber kann man sich natürlich streiten. Meiner Ansicht nach müssen die jungen Leute erst einmal hier und da hineinhören, um sich überhaupt ein Urteil bilden zu können. Sie können nicht schon mit 16 Jahren fest sagen, ob sie z. B. die Richtung der CDU, NPD oder SPD einschlagen wollen. Mir scheinen da Gruppierungen wie etwa die Jungen Europäischen Förderalisten ein gutes Feld zu bieten, wo man zu diskutieren und sich im politischen Raum zu bewegen lernt. Ich weiß auch nicht, wie weit solche politischen Gruppen in die Schule hineinwirken sollten. Ich hätte im Grunde genommen nichts dagegen, wenn sich hier in unserer Schule politische Gruppen betätigten, und ich würde ihnen gerne am Nachmittag Räume zur Verfügung stellen. Ich halte es aber nicht für angebracht, wenn sie beispielsweise in der großen Pause Versammlungen abhalten.

Die Sache ist sowieso zweischneidig. Auf der einen Seite können die Schüler sich außerhalb der Schule politisch betätigen und, wer etwas weiter geben will, wird es seinen Klassenkameraden oder Freunden auf dem Schulhof, vor oder auch in der Stunde so oder so erzählen. Also, ich würde keinerlei Hinderungsgründe sehen.

Was halten Sie von der Gesamtschule? Ich glaube, die CDU ist dagegen, einen Versuch mit der Gesamtschule durchzuführen. Können Sie vielleicht den Aufbau dieses Komplexes für unsere Leser erläutern und kurz Stellung dazu nehmen?

Das Problem „Gesamtschule“ ist leider etwas in den parteipolitischen Rahmen gerutscht, wie Sie es in Ihrer Frage schon andeuteten. Vom pädagogischen Standpunkt scheint mir die Gesamtschule einfach zu wenig erprobt zu sein, als daß man nun sagen könnte, ich bin für oder gegen die Gesamtschule. Solange nicht an mehreren Stellen Versuche mit der Gesamtschule einmal voll durchgelaufen sind, d. h. vom 5.-13. Schuljahr einschließlich, und man die Ergebnisse von einem unabhängigen Gremium hat prüfen lassen, kann man nicht das ganze Schulwesen auf Gesamtschule umstellen. Ich bin der Meinung, daß sich unser dreigliedriges Schulsystem durchaus bewährt hat und vor allen Dingen, daß es ausbaufähig ist. Ich strebe zusammen mit dem Kollegium eine enge Zusammenarbeit mit der Real- und Volksschule hier am Orte an. Wenn das so zustandekommt, dann haben wir zwar nicht die Gesamtschule, aber doch eine Zusammenarbeit zwischen den Schulen. Das betrifft nun besonders das 5. und 6. Schuljahr, wo sich die Gelehrten nicht ganz einig sind, ob man die Begabung der Kinder schon im 4. Schuljahr voll erkennen kann oder erst nach dem 6. oder noch später. Wenn ich da unsere Sexten sehe, kann ich mir manchmal schwer vorstellen, daß wir noch sehr viele Begabungen vergessen haben. Aber es muß die Möglichkeit geben, daß ohne große Schwierigkeiten und Schmerzen für den Einzelnen, ein Übergang vom Gymnasium zur Realschule oder von der Realschule zur Hauptschule möglich ist. Wenn sich herausgestellt hat und es nachgewiesen ist, daß die Gesamtschule für die Ausbildung der Schüler besser ist, dann bin ich für die Gesamtschule, aber erst dann.

Welches sind Ihre Lieblingsschriftsteller und weshalb?

Oh, ich weiß gar nicht. (Gelächter) Ich habe gar keine Lieblingsschriftsteller. Vielleicht darf ich es als Schockwirkung sagen, ich lese gelegentlich gern einen Kriminalroman.

Wenn ich an Ihre Einführung denke, fällt mir ein, daß Kappelner Persönlichkeiten mit vielen Wünschen an Sie herantraten, ich denke da z. B. an Stadtvertretung, Ortsjugendring, Volkshochschule usw. Meinen Sie, daß Sie für solche Aufgaben bzw. Ehrenämter noch Zeit haben werden?

Sicher nicht in der Fülle, aber ich bin der Ansicht, daß es eine Pflicht ist, Ehrenämter zu übernehmen, und ich werde mir diese Zeit nehmen.

Welches Gebiet könnte Sie besonders reizen?

Die Beschäftigung mit den politischen Fragen, speziell mit der Kommunalpolitik.

Welche Pläne haben Sie für Ihre Zukunft entwickelt?

Mein größter Wunsch wäre, wenn man nach meiner Amtszeit von mir sagen könnte, daß ich ein guter Direktor gewesen bin.

Können Sie mir die genaue Anzahl der Schule aus dem Gedächtnis sagen?

Es sind zur Zeit 367 Schüler.

Ich bedanke mich bei Ihnen und möchte Ihnen im Namen aller ROTSTIFT-Leser alles Gute und viel Erfolg wünschen.

e. g.«


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