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Dez 06 2016

Literaturnobelpreis

Am Sonnabend ist es soweit. Der bedeutendste Vertreter „meiner“ Musik erhält in Stockholm den Nobelpreis für Literatur 2016.

Bob Dylan

Endlich mal einer, den man kennt!

Nach der Bekanntgabe der Schwedischen Akademie-Entscheidung am 13.10.2016 war der Gute zunächst einmal nicht erreichbar (er war in Las Vegas – aber mich fragt ja keiner).

Dann nahm er sich alle Zeit der Welt, um sich nicht zu äußern. Als er endlich soweit war, fühlte er sich „geehrt“ und erklärte sich bereit, den Preis anzunehmen – toll! Kurz darauf versicherte er sogar, persönlich der Zeremonie beiwohnen zu wollen – falls er Zeit hätte – kaum zu glauben! „I’ll be at the Nobel Prize ceremony… if I can.“ Aber natürlich kann er nicht.

„Roobbääärt!“ hallte es durch die Hall of Fame und Robert wusste: diesmal hat Carmen recht!

Erschwerend kam hinzu, dass er nicht nach April (da war er in Japan) zum zweiten Mal in diesem Jahr seinen Fußpflegetermin (an jedem zweiten Samstagnachmittag im Monat) sausen lassen wollte. Möglicherweise hat seine Absage aber auch damit zu tun, dass man ihm im Vorfeld nicht mitteilen konnte, was es in Stockholm zu essen gibt.

Soviel darf ich verraten: zum Dessert gibt es Mandel-aromatisiertes Kirsch-Parfait (aber mich fragt ja keiner). Außerdem ist die Küche auch auf Gäste mit einer Lebensmittelunverträglichkeit eingestellt: die vorgesehenen Sonderessen werden garantiert keine Lebensmittel enthalten.

Vielleicht ist es aber auch einfach die unangenehme Situation, sich mit Stiftungsdirektor Lars Heikenstein in einen kleinen Nebenraum zurückziehen zu müssen, um die finanziellen Formalitäten für die Auszahlung des Preisgeldes zu beraten. 8 Millionen Kronen (875.000 $) korrekt verbuchen und versteuern… was soll man da sagen? „If I can.“?

Nein, Schluss mit dem Quatsch! Bobby hat einfach keinen Bock auf das ganze Brimborium! Und da ist er nicht der Erste.

Immerhin hat er jetzt einen Weg gefunden, an die Urkunde und die Kohle zu kommen und möglicherweise nicht einmal in den nächsten sechs Monaten persönlich einen eigenen Vortrag halten zu müssen (§ 9 der Nobelpreis-Statuten), indem er eine Rede zur Preisverleihung verfasst hat und für die künstlerische Darbietung unsere gemeinsame Freundin Patti ins Rennen schickt. Clever.

Wer die Rede verlesen wird, ist noch unbekannt, nicht aber das Kunstwerk, das Patti Smith in Abwesenheit des Meisters zum Besten geben wird: „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“. Gute Wahl.

Ansonsten helfe auch ich immer gern aus… „if I can“ (aber mich fragt ja keiner).

The Times They Are A-Changin‘
© 1964 Bob Dylan
Aufnahme: Demo-Tape (Achim 2009)

Ein keiner Nachtrag

Als ich diesen Beitrag geschrieben habe, lagen neben mir ein paar Weihnachtsliedertexte, die ich am Wochenende ausgedruckt hatte. Und als der Beitrag veröffentlicht war und ich noch immer „The Times They Are A-Changin’“ vor mich hin summte, glitt mein Blick über das obere Blatt und ich dachte: „Das kann doch kein Zufall sein!“ Der Text von „Ihr Kinderlein kommet“ stimmt im Versmaß nahezu vollständig mit dem Dylan-Song überein. Hier der doppelte Beweis:

Ihr Kinderlein kommet
Aufnahme vom 6. Dezember 2016

Und wo ich schon dabei war, habe ich mich gleich auch noch kurz and dem Nobelpreis-Song versucht:

A Hard Rain’s A-Gonna Fall
(1. Strophe)

11 Kommentare

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  1. admin

    Ich habe gerade noch einen kleinen Nachtrag verfasst. :-)

    1. Sabine Brunckhorst-Klein

      Ich finde, Achim sollte Dylans Vertretung bei der Preisverleihung übernehmen ;)

    2. Holger Petersen

      O.K. dann kommt hiermit auch :star: Nr.5

    3. Nicolaus Schmidt

      In der FAZ stand heute in einer Glosse (ganz ähnlich der von Achim!), dass Patti Smith stellvertretend den Preis entgegennehmen wird. Ob es ernst gemeint war? Mal schnell googeln: Joo!

      1. admin

        Doch, doch, Patti kommt. Das kann ich bestätigen (aber mich fragt ja keiner).
        Wenn ich den FAZ-Artikel lese, bin ich froh, dass ich mit meinem Beitrag nicht noch bis Freitag gewartet habe, wie es eigentlich geplant war. Jetzt kann höchstens die TAZ von mir abgekupfert haben. :cool:

        1. Nicolaus Schmidt

          Glückwunsch!

          …auch zu Deinen aktuellen Einspielungen.

    4. Eckehard Tebbe

      Achim ….. echt Klasse. Weihnachten mal anders. Dylan erfährt sonore gesangliche Veredelung. Als wir ihn mal in Hannover erlebt haben, kam er total lustlos rüber, hatte also offenbar kein‘ Bock auf Publikum, wurde kaum ein Wort los, sang noch schlampiger und dünner als schon gewohnt und sorgte somit dafür, dass wir sicher nicht nochmal zu ihm gehen würden. Aber auch das ändert nichts daran, dass er der ganz Große bleibt. Also natürlich wieder mal reinhören, z.B. ‚Desire‘ oder ‚Blood On The Tracks‘.

  2. Holger Petersen

    Dieser Beitrag von Achim erfordert dringend: :star: :star: :star: :star:

    (aber mich fragt ja auch keiner) :)

    1. Sabine Brunckhorst-Klein

      … und vor allem auch Achims Interpretation des Songs.
      Klasse!

    2. Wolfgang Jensen

      Das mit den :star: :star: :star: :star: finde ich auch, Holger, aber ich habe mich das selbst gefragt, wenn mich denn schon keiner fragt. ;)

  3. Eckehard Tebbe

    Lieber Achim,
    wunderbar … Der Kommentar trifft schon den Nagel auf den Kopf. Der Zimmermann war immer etwas quer, extrem eigensinnig. Das hätten alle vorher wissen können. Aber verdient hat er den Preis allemal. Habe mal eine Ewigkeit damit verbracht, Texte wie ‚Ballad Of Frankie Lee …‘ oder ‚Desolation Row‘ auch nur annähernd zu verstehen. Großartig, wenn sich im Hirn Bilder wie ‚Kappuzzle‘ langsam aufbauen. Man kann sie richtig durchwandern.
    Und ‚The times They are A-Changin‘ hast du wieder einmal meisterlich geschnitzt. Sowas macht Spaß. Schade, dass ich nie selber instrumental unterwegs war. Es hat immer nur halbwegs zur Stimme gereicht. Sicher wirst du aber hin und wieder noch andere Songs mitbringen, diesen hier sozusagen als feierliches Geschenk zum Nikolaus. Thanx.
    Weihnachtliche Grüße an euch alle!

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