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Okt 11 2017

Angler Platt

Hauptlehrer Paul Selk, Bredegatt/Angeln

Das Angler Plattdeutsch

(aus: Der Kreis Schleswig, Verlag Gerhard Stalling, 1959)

Das Besondere der Mundart der Landschaft Angeln fiel den Bewohnern der Nachbarlandschaften von jeher auf. Vor allem das ch im Anlaut forderte den Spott heraus, der sich in der Redensart von der „Chegend, wo de chele Cheorchinen so chräsig chuut chedeihen“ entlud. Der Schwansener sagt, daß der Angeliter „chüntsiet = chünt de Slie“ zu Hause wäre. Aber dieser macht gute Miene zum bösen Spiel, indem er in einem Schwanke selbst sagt: „Chott chev Chuste Chunjer chude, chrave Chassenchrütt.“

Wohl die schärfste Grenze an der Schlei entlang war bis vor wenigen Jahrzehnten die t=n-Grenze. Während es im Süden heißt „se gaht“, sagt man in Angeln „se gahn“. Aber auch diese Grenze ist heute nicht mehr starr. Nicht viel anders verhält es sich mit dem Gebrauch des 4. Falles im männlichen Geschlecht: „ik smiet den Steen“ heißt es im Süden, „de Steen“ in Angeln. Beide südliche Formen scheinen sich auf den Verkehrswegen nach Norden hin auszubreiten, besonders in der Umgebung der Städte. Die Endung des Verbs in der 3. Person der Vergangenheit =er (he haler = er holte) wird immer mehr abgeschliffen.

Zu den interessantesten sprachlichen Erscheinungen gehört die Nennform mit „zu“. So sagt der Angeliter: „Dat is nix un lachen dor öwer.“ Auch das persönliche Fürwort zeigt besondere Eigenheiten im Gebrauch. „Dar fohr he af“ heißt es südlich der Schlei, etwa vom Bus; aber in Angeln heißt es: „Dar fohrer ’n af.“ Doch darf diese Form nur von Dingen, Tieren und kleinen Kindern gebraucht werden.

Während der Holsteiner mit drei Grogs „utkann“, kann der Angeliter damit „to“. Bei ihm bekommen die Pferde auch nicht „mit de Pietsch“, sondern „vun de Pietsch“. In Nordangeln war folgende Wendung durchaus verständlich, in der Nähe der Schlei wohl kaum: „Se bringen de Kinner um un trecken se ut“, was durchaus nichts Grausiges bedeutet, sondern nur, daß man die Kinder nach Hause bringe und sie dort ausziehe.

Solche Besonderheiten der Angler Mundart sind auf den Sprachenwechsel, der im 19. Jahrhundert erfolgte, zurückzuführen. Sprach man früher im allgemeinen plattdänisch (jütisch), so heute plattdeutsch. Das Abschleifen der Endungen, der Wechsel von plattdänischen zu plattdeutschen Wörtern, die Angleichung der Wortstellung im Satz an das Plattdeutsche usw. erfolgen noch heute. So ist also der Sprachwechsel nicht abgeschlossen.

Ich hoffe, es sind keine groben Rechtschreibfehler mehr drin. Texterkennung und Rechtschreibprüfung hatten jedenfalls arge Probleme.

1 Kommentar

  1. Hans-Werner Panthel

    Diese beschriebenen unterschiedlichen Sprachformen des Plattdeutschen ergaben sich bei mir auch in der eigenen Familie, besonders weil die Eltern und Großeltern in verschiedenen Orten Angelns geboren und aufgewachsen waren und ihre jeweilige Herkunfts“sprache“ in den Alltag einbrachten.
    Die besagten „Cheorchinen“ habe ich so eher „in de Cheltinger un de Chundelsbyer Chechend“ nach der Herkunft meiner Mutter verortet.
    Auch „min gamle ven“ mit seiner dänischen Gesinnung erweiterte meinen Sprachraum, daher wählte ich in der Schule nach Hochdeutsch und Englisch Dänisch als quasi 3. Fremdsprache.
    Zu meinem Bedauern fehlen mir heutzutage in meinem direkten Umfeld der Anlass und die passenden Gesprächspartner für einen gelegentlichen „Schnack op Platt“. Selbst mein „Moin“ trifft schon mal auf ein verdutztes Gesicht.
    Damit ich nicht noch mehr von meiner alten Identität verliere, möchte ich versuchen, hier mal als Gasthörer reinzukommen: https://www.germanistik.uni-kiel.de/de/lehrbereiche/niederdeutsch.

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