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Okt 22 2012

Bilderrätsel Nr. 149 – Schanze | Fabrikstraße

Gleich noch ein Straßen-Rätsel hinterher. Es handelt sich um eine über hundert Jahre alte Ansichtskarte aus der Sammlung von Ulli Erichsen, der trotzdem mitraten darf, da das Motiv auf der Karte nicht näher beschrieben ist.

Frage: Auf welche Straße blicken wir und auf welchem Gebäude steht das Windrad?

Bilderrätsel Nr. 149

Als Ulli Erichsen beim Bilderrätsel Nr. 143 den Standort des Autos in der Schanze beschrieb, wies er auch darauf hin, dass sich hinter dem Gebäude zur Fabrikstraße hin früher die Eisengießerei und Maschinenfabrik Lorenz Claussen befand, in der u. a. Windräder hergestellt wurden. Auf einer alten Ansichtskarte hatte er ein solches Rad entdeckt.

Dieses Bild war für mich ein willkommener Anlass für ein weiteres Rätsel. Da ich mir zunächst selbst nicht ganz sicher war, nahm ich einen Straßenplan zu Hilfe und zeichnete dort eine gerade Linie von der Mühle bis zur Kirche ein. Davon ausgehend, dass der Fotograf damals auf der Mühle gestanden haben muss, war jetzt klar, dass die Straße vorn in der Bildmitte weder die Mühlen- noch die Fabrikstraße, sondern nur die Schanze sein konnte. Verblüfft stellte ich dann fest, dass dort genau der Ort zu sehen ist, an dem wir vor wenigen Monaten die Fotos gemacht haben und dass dieses von Claussen hergestellte Windrad direkt auf dessen eigener Fabrik montiert ist.

Michaela Bielke hat am 19. November ihre Höhenangst einfach ignoriert und für uns einen aktuellen Blick von der Mühle in Richtung Kirche riskiert. (Weitere Aufnahmen demnächst an anderer Stelle.)

Kappeln - Blick von der Mühle - Foto: Michaela Bielke (2012)

Es gab eine Menge richtige Lösungen. Sowohl die Schanze als auch das Fabrikgebäude in der (gleichnamigen) Fabrikstraße wurden erkannt von Michaela Bielke, Ulli Erichsen, Dr. Wolfgang Mehne, Wolfgang Jensen, Heino Küster, Hartmut Hein und Bernd Sahlmann. Die Schanze richtig getippt haben außerdem Claus Poppenhusen, Runa Borkenstein und Reinhard Richter.


Die Eisengießerei und Maschinenfabrik Claussen

Die Eisengießerei in der Fabrikstraße wurde bereits 1852 von Carl Eduard Claussen gegründet. Ursprünglich hatte er sich 1846 als Advokat in Kappeln niedergelassen, konnte seiner Berufung aufgrund seiner freiheitlich-nationalen Gesinnung zeitweise aber nur schwer oder gar nicht nachgehen. Eine Ausübung dieser Tätigkeit unter dänischer Herrschaft, gegen die er lange gekämpft und sogar einige Monate in dänischer Gefangenschaft verbracht hatte, war ihm auf Dauer nicht möglich. Ein Jahr, nachdem er mit einem Kameraden aus der Gefangenschaft die Gießerei gegründet hatte, wurde ihm 1853 seine Zulassung als Advokat entzogen.

Claussen war für die kaufmännische Leitung des Unternehmens zuständig und sorgte zunehmend für Aufträge, sodass die Firma schon bald einen erfreulichen Aufschwung erlebte. Daneben betätigte er sich weiterhin politisch und wurde als Abgeordneter in die erste Ständeversammlung (unter dänischer Herrschaft) gewählt.
Kappeln - Fabrik Lorenz Claussen
Nachdem die preußischen Truppen im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 die Schlei bei Arnis überschritten hatten, konnte er schließlich seine Tätigkeit als Advokat wieder aufnehmen, ohne die gleichzeitige Führung der Eisengießerei aufzugeben. Später erweiterte er sie noch um eine Maschinenfabrik, bevor er sie 1883 seinem Sohn Lorenz übergab.

Der bereits 1881 zum Justizrat ernannte und mit dem preußischen Roten Adlerorden ausgezeichnete Carl Eduard Claussen starb 86-jährig im Jahr 1905 in Kappeln, wo der auch beigesetzt wurde.

Produziert wurden bei Claussen u. a. landw. Maschinen und Geräte, Öfen und Herde, Höhenförderer und Windmotoren mit Windrädern. Während des zweiten Weltkriegs existierte die Fabrik mit damals 41 beschäftigten Fachleuten und Arbeitern zum großen Teil von Heereslieferungen wie dem Generatoreinbau bei Heeres-LKW, Vorrichtungen für den Flugzeugbau usw.

Lorenz Claussen starb 1951. Bis 1962 führten seine Söhne die Fabrik weiter, dann ging die Firma in Konkurs. In der Zwangsversteigerung kaufte Wilfried Wilhelm das große Grundstück und baute dort eine Werkstatthalle für Autos.

36 Kommentare

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  1. admin

    … ganz kurz: es gibt schon viele richtige Antworten. Hatte gestern aber keine Zeit, mich um die Auflösung zu kümmern. Ich hoffe, dass ich das heute am späten Nachmittag schaffe.
    Achim

    1. admin

      … geschafft :!:

  2. Maren Sievers , geb Bonau

    (Nagel-)Schmiede gab es damals doch recht viele

  3. Bernd Sahlmann

    Blick auf die Schanze, das Windrad müsste dann auf dem Gebäude von Lorenz-Guss stehen.

  4. Dr.Wolfgang Mehne

    Ich vermute:Blickrichtung von der Mühle Amanda(Gerichtsstrasse) auf die obere Schanze.Das Windrad befindet sich wohl auf dem Dach der ehemaligen Eisengiesserei in der Fabrikstrasse.Diese Lösungsmöglichkeit hatte ich bereits kürzlich eingestellt,wurde aber aus irgendeinem Grund nicht übernommen.
    Viele Grüsse aus Schleswig
    Dr.Wolfgang Mehne(Harro)

    1. admin

      Noch einmal für alle (Zweifler) ;-)
      Wenn der Kommentar zu einem Bilderrätsel nicht sofort sichtbar ist, ist das grundsätzlich so beabsichtigt, da der Kommentar (höchstwahrscheinlich) eine richtige Lösung zum Rätsel enthält – und sie soll ja nicht gleich verraten werden, damit möglichst viele eine Chance zum Mitmachen haben. Alles klar?!

      1. Dr.Wolfgang Mehne

        Hallo Achim,
        ich hatte mir sowas schon gedacht,hätte ja auch ein Eingabe(-bedienungs)fehler meinerseits sein können.Danke für Deine Info!!!
        Gruss Harro.

  5. Reinhard

    Hallo,
    das große Gebäude rechts sollte das Altersheim sein.
    Daher Blick von der Schanze auf die schöne Nikolaikirche.

    MfG
    RR

    1. Rolf Nagel

      Aber Hallo ! – Erst dachte ich bei „RR“ an meinen ersten Rolls Royce ( es war ein Silver Shadow ) ;-) ; dann jedoch sah ich ganz oben im Text zur Rätselauflösung den Namen Reinhard Richter !! – Halo, hallo, alter Klassenkamerad an der mittleren Schule im mittleren Westen ; äh, Kappeln…. Schön, das hier nun noch jemand, wie ich die mittlere (Schul)-Ebene vertritt….. hahaha . So funny !! Mein (Fast) Lieblings-Klassenkamerad ! Herzliche Grüsse ! ( völlig ironiefrei ) !!

  6. Runa Borkenstein

    Also, ich blicke wohl in die Schanze.

  7. Hartmut Hein

    Ich meine es ist die Schanze mit der Metallgieserei Clausen

  8. Runa Borkenstein

    In der Mühlenstraße (64) soll es damals eine Dampfmühle gegeben haben, auch für Getreideverarbeitung… Gibt`s vielleicht mal nen kleinen Tipp???

    1. Heino Küster

      Es hat dort eher geglüht als gedampft und die richtige Straße wurde bislang noch nicht genannt.

      1. Runa Borkenstein

        Danke für die Info. Mich interessiert zudem, wo ein „Kappeln-Youngster“ (oder auch Zugereister) recherchieren kann. Z.B. bei Peter Wengel ist nichts über ein Windrad auf einem Gebäude zu finden.

        1. Heino Küster

          Die SHZ brachte am 19. August 2011 einen Bericht von Ursula Raddatz aus der alten Zeit in Kappeln, den ich zufällig ergoogelt habe…

  9. Claus Poppenhusen

    2. Versuch:
    es ist die Schanze, der Teil, der auf die Gerichtstraße führt.
    Das Gebäude ist die „Badeanstalt“?!

  10. Maren Sievers , geb Bonau

    Fabrikstrasse etwa Höhe des Schleimuseums

  11. Maren Sievers , geb Bonau

    Kann auch die Fabrikstrasse sein

  12. Maren Sievers , geb Bonau

    Wir blicken in die Mittelstrasse,
    das Gebäude mit der Windmühle war der Pferdestall der Gastwirtschaft Schwennsen, deren Front in der Schmiedestrasse stand.(alles nur Vermutungen)

  13. Rolf Nagel

    Das Gebäude mit dem Windrad müsste in der Mittelstrasse stehen ….., aber um was es sich dabei gehandelt hat …..?

  14. Rolf Nagel

    Fabrikstrasse

  15. Manfred Rakoschek

    wie alt ist amanda?
    wo stand der zeichner, immerhin gibt es erst seit 1903 flugzeuge
    mani

    1. Heino Küster

      1888

    2. Heino Küster

      1888: Mühle mit Sägewerk…

  16. Heino Küster

    Wir gucken, glaube ich, in die Schanze und das Gebäude steht an der Fabrikstraße. Eine Schmiede? Das Windrad könnte die Esse betreiben. Bin aber nicht sicher…

    1. Heino Küster

      Vorne rechts das Gebäude Seehusen-Stiftung, gebaut 1905.

    2. Heino Küster

      …die Eisengießerei in der Fabrikstraße, die dem bekannten und angesehenen Anwalt Carl Eduard Claussen gehört, die moderne landwirtschaftliche Geräte, Öfen und Herde und sogar Windmotoren mit Windrädern produziert.

      Quelle:
      http://www.shz.de/nachrichten/lokales/schleibote/artikeldetails/artikel/exportschlager-von-der-schlei.html

  17. Manfred Rakoschek

    gerichtsstraße

  18. Wolfgang Jensen

    Endlich weiß ich, wer mir seinerzeit diese Ansichtskarte bei ebay weggeschnappt hat. Das musst Du gewesen sein, Ulli!

  19. Wolfgang Jensen

    Steht das Windrad auf der ehemaligen Eisengießerei Claussen in der Fabrikstraße? Die stellten ja damals u.a. Windräder her.
    Dann müsste die Straße die Schanze sein.

  20. Dr.Wolfgang Mehne

    Ich vermute,man blickt aus Richtung Gerichtsstrasse auf die Schanze.Das Windrad könnte sich auf der ehemaligen Eisengiesserei in der Fabrikstrasse befinden.Ich bin mal auf die Auflösung gespannt.
    Viele Grüsse an alle Ratenden
    Harro.

  21. Claus Poppenhusen

    ich tippe auf die obere Prinzenstrasse

  22. Ulli Erichsen

    Das könnte die Schanze sein.

    1. Ulli Erichsen

      Und dann dürfte sich die Windrose auf dem Gebäude der Eisengießerei und Maschinenfabrik von Lorenz Clausen befinden, Fabrikstraße 10/12.

  23. Michaela Bielke

    Ich denke es ist die Schanze. Das Foto wurde von der Mühle aus gemacht. Das Gebäude mit dem Windrad steht an der Ecke Gerichtsstr./ Fabrikstr..

  24. Gerd Freiwald

    Das müsste ein Blick auf die Mühlenstraße sein.

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