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Jul 05 2011

Schulfest 1962

Klaus-Harms-Schule

Waldwirtschaft Hüholz - InseratAn die Kindergilden aus meiner Grundschulzeit, die nach dem Vogelschießen und dem Festumzug durch Kappeln in einem tollen kindlichen Spiel- und Tanzvergnügen im Hüholz endeten, habe ich die angenehmsten Erinnerungen. Wie schön, dass der „Austragungsort“ auch in meinen frühen Oberschuljahren der Gleiche blieb.

Waldwirdschaft Hüholz

Die Fotos stammen vom Schulfest der Unterstufe am 15. Juni 1962 im Hüholz (laut Inserat „mit Schleiblick“ und „neuzeitlichen Toiletten“) und zeigen überwiegend Schüler/-innen der Quinta, aber auch einige der Sexta des Schuljahres 1962/63.

KHS-Jahresbericht 1962/63 - Titelblatt (Grafik: Peter Nagel)Schulfest

(aus dem Jahresbericht 1962/63 der Klaus-Harms-Schule)

Klaus-Harms-Schule - Schulfest 1962»Die Feste der einzelnen Klassen wurden wie in jedem Jahr buntfarbig und offensichtlich mit viel Sorgfalt und Liebe gestaltet. Die Tertien warteten gleich mit drei Vorführungen auf: „Jugend schützt vor Weisheit nicht“, „Das böse Weib“ und Zirkus „Mirakulus“ mit vier glanzvollen Nummern; alle Darbietungen fanden bei der zahlreichen, heiter gestimmten Zuhörerschaft einen herzlichen und verdienten Beifall.

Klaus-Harms-Schule - Schulfest 1962Die Sextaner und Quintaner rangen mit gleich großem Bemühen um die Gunst ihrer aufmerksamen Eltern. Die Sextaner spielten unbefangen und mit Schwung den heiteren Einakter vom „blinden Passagier“, während die Quintaner den „Meister Jakob“ ebenso lustig und erfolgreich vor den aufgeschlossenen Eltern zur Aufführung brachten.

Klaus-Harms-Schule - Schulfest 1962

Über das Schulfest der Oberstufe berichtet die Schulsprecherin Karin Schmidt:
Das Schulfest begann, wie wir es alle seit Jahren gewohnt sind; um 15 Uhr wurde Kaffee getrunken, wobei einige Worte von unserem Direktor, dem Schulsprecher und Herrn Oberstudienrat a. D. Bieling gesprochen wurden. Ich möchte Herrn Bieling im Namen der SMV auch an dieser Stelle unseren herzlichen Dank für die Arbeit aussprechen, die er für die Verbindung zwischen der Schule und den ehemaligen Schülern aufwendet.

Klaus-Harms-Schule - Schulfest 1962Nach der Kaffeetafel wurde bis 18 Uhr mehr oder minder eifrig getanzt, sei es, daß man sich abends nicht weiter beim Tanz betätigen zu müssen glaubte, sei es, daß man alle Reserven für den Tanzabend aufsparen wollte.

Um 20 Uhr begann der offizielle Teil des Festabends, an dem bisher immer die Aufführung eines anspruchsvollen Theaterstücks stattfand. In diesem Jahre sollte es einmal anders sein…«

 

Die vermeintlichen Probleme, die die Neuausgestaltung dieses Schulfests mit sich brachte, beschreibt der folgende (selbst-)kritische Beitrag aus dem ROTSTIFT Nr. 9 (Dezember 1962):

ROTSTIFT Nr. 9 (Dezember 1962)Schulfest 1962

»Das diesjährige Sommerfest an unserer Schule war heftig umstritten. Der Grund dafür war, daß am offiziellen Teil des Abends, an dem den Eltern etwas dargeboten werden sollte, nicht, wie seit Jahren üblich, Schüler der Oberstufe ein großes Theaterstück eines namhaften Schriftstellers aufführten, sondern daß einmal mit allem gebrochen wurde und ein Programm aufgestellt war, das einem „Bunten Abend“ im Fernsehen entsprechen sollte.

Viele Eltern, die von ihren Kindern schon vorher davon gehört hatten, standen dem von vornherein skeptisch gegenüber. Den einen gefiel es dann nicht, weil sie eine Aufführung erwarteten und enttäuscht wurden, andere waren allein darüber erfreut, daß es einmal anders war als sonst, die meisten aber waren im großen und ganzen mit der Gestaltung des Abends zufrieden, auch wenn bisweilen Bemerkungen fielen, wie „Das Theaterstück zum Schluß hatte ja gar keinen Sinn, es hätte ruhig fehlen können.“ oder „Ohne Unterstützung des Lehrers hätte sicher alles genauso gut geklappt, schließlich wollen wir ja sehen, was unsere Kinder uns bieten können.“

Hier scheint mir die geeignete Stelle dafür zu sein, um einmal zurückzugreifen, wie wir dazu kamen, das Schulfest so zu gestalten, wie es dann alle miterlebt haben. Bevor wir daran gingen, ein Programm auszuarbeiten, hatten wir uns den Sinn des Schulfestes ganz allgemein überlegt. Schlußfolgerung war, daß es für Schüler, Lehrer und Eltern ein Tanzfest sein soll. Den Eltern wird dabei von der Schule her, also von Schülern oder Lehrern etwas Besonderes geboten.

Eine Theateraufführung ist immer gut angekommen und hätte den Zuschauer auch diesmal sicher vollauf befriedigt. Er hätte sich das Stück angesehen und, nachdem er die „schauspielerische Leistung“ der Schüler gebührend mit Applaus belohnt hätte, für den Rest des Abends über den tieferen Sinn des Schauspiels nachdenken können. Doch das suchten wir zu verhindern.

Wollten die Eltern ein gutes Werk eines Schriftstellers bewundern, das einen hohen geistigen Gehalt besitzt, so könnten sie in ein Theater gehen – das nebenbei auch bessere Schauspieler stellt. Zum Schulfest aber sollten sie mit uns ausgelassen sein und alle Probleme einmal vergessen.

Daß die Eltern in die richtige Stimmung kamen, lag ganz bei uns. Gesang reißt mit, dachten wir uns, und wir bauten ein Programm in Hinblick darauf auf. Damit aber auch die Leute, für die ein Schulfest ohne Theaterstück nicht auszudenken ist, befriedigt würden, übten wir noch ein kleines Lustspiel ein, das seinem Gehalt nach gut an die vorhergehenden Darstellungen angeschlossen werden konnte.

Hätten wir die Tradition bewahrt, so hätten wir keine so scharfe Kritik hinzunehmen brauchen. So aber hatten wir einerseits Abwechslung in die Eintönigkeit gebracht, mit der das Schulfest seit Jahren gestaltet wurde, und andererseits waren wir sicher, daß unsere Eltern wie wir in Feier- und Tanzstimmung waren und, anstatt uns wie gewöhnlich mit kritischem Blick zu beobachten, mit uns mitmachen würden.

Schließlich sei noch zu bemerken, daß die Schüler selbst auch Freude an Darbietungen haben müssen, wenn sie gelingen sollen. Ich kann hier versichern, daß uns die „Aufführung“ des letzten Sommerfestes mehr Spaß gemacht hat als in irgendeinem Jahr vorher.«