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Jan 20 2015

Kappuzzle® 242 – Strandvögel

Wir bleiben am Wasser, aber jetzt wird’s „speziell“. Das Foto entstand Mitte der Sechziger irgendwo an der Ostsee. Wem es bekannt vorkommt, kann ja mal in den Schulzeitreisen suchen. Das Bild gab es hier schon einmal, allerdings aus einer anderen Quelle und in einer anderen Qualität.

The Beach Birds

Kappuzzle® 242 - The Beach Birds - Autogrammfoto von 1966

The Beach Birds - Autogramm von 1966Besetzung bis 1968:
Klaus „Kleu“ Jürgensen
– Sologitarre/Gesang
Günter Meißner – Rhythmusgitarre/Gesang
Johann „Joh“ Meyhoff – Bassgitarre/Gesang
Otto „Ringo“ Pohl – Schlagzeug
Christian Boysen – Management/Gesang

 

Erraten wurden die „Beach Birds“, die sich am Strand von Norgaardholz oder Habernis für ein Autogrammfoto nasse Füße holen, von Heino Küster, Wolfgang Jensen, Runa Borkenstein und Ulli Erichsen.


The Beach Birds (1965) - Foto von Johann Meyhoff

Ihre Anfänge und ihre Vorliebe für das Kappelner Publikum haben die Beach Birds 1966 in einem eigenen Beitrag für den ROTSTIFT beschrieben (wo ihr auch das Rätselfoto wiederfinden könnt). „Zuerst spielten wir immer in der Flensburger Gegend, bis wir auf die Idee kamen, nach Kappeln zu gehen.“ Dabei hatten sie ihr Engagement im Strandhotel eher einem Zufall zu verdanken, wie im Buch TWIST & SHOUT von Wolfgang Matthiessen nachzulesen ist:

„Eines Abends, wohl im Winter 1965/1966, machen sich die Jungs zum Strandhotel nach Kappein auf, um sich die dort auftretende Band anzuhören. Am Ziel angekommen erfahren sie jedoch, dass es keine Musik geben werde, da die Gruppe wegen der winterlichen Wetterverhältnisse nicht anreisen könne. Kurz entschlossen springen die Fünf in die Bresche, fahren nochmals zurück, um Instrumente und Verstärker zu holen und retten somit den Abend. Das ist der Beginn eines viele Monate andauernden Engagements im Kappelner Strandhotel.“

Ein begeisterter Gast war damals – wie viele andere von uns – auch Eckehard Tebbe, der mir die Autogrammkarte geschickt hat und in seinen Erinnerungen diese Episode wieder auf seine unverwechselbare Art beschreibt. Viel Spaß beim Lesen!


Strandvögel

von Eckehard Tebbe

Mitte der Sechziger legt sich ein Netz über die Republik. Auch das entlegenste Nest im Wendland, in der pfälzischen Provinz oder am verträumten Bodensee hat jetzt eine eigene Dorfkapelle oder Schülerband, die im Gefolge des britischen Booms auf Deubelkommraus die kompletten Charts covert. Jeder, der einigermaßen unfallfrei eine Fender schultern kann oder mit den Sticks die Pötte trifft, ist Mitglied im elitären Club. Selbst im bayerischen Wald soll es Combos geben, die die Lederhosen ausziehen und sich stattdessen ein cooles Bühnenoutfit verpassen à la Herman’s Hermits oder Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich. Wenn du Glück hast, kannst du mithören, wenn sie nach Feierabend in der Garage proben. Ganz sicher aber bist du dabei, wenn es am Wochenende auf die Beat-Tenne geht. Das kann ein Kneipensaal sein oder eine umfunktionierte Scheune. Gebraucht werden nur ein paar Quadratmeter fürs Equipment und ausreichend Platz zum Abhotten. Die Wüste lebt plötzlich auch im deutschen Flachland, nicht nur bei Walt Disney in der Namib.

Alle sind freiwillig im eleganten Zwirn erschienen und haben einen Heidenspaß. Und die Bands sind oft richtig gut. Ehrlich, sie stehen ihren angelsächsischen Vorbildern in nichts nach. Wir haben in Kappeln bisweilen die Beach Birds. Also nicht Beach Boys. Die liegen machomäßig in Malibu auf dem Surfboard und lassen eine schmucke Riege California Girls ihre Woodies putzen. Die Beach Birds dagegen segeln höchstens auf der Schlei zwischen Schleswig und Maasholm. Ihr solltet sie kennen. Sie sind das perfekteste Musikal-Ensemble zwischen Oberammergau und dem Checkpoint Ellund. Leute, sie sind wirklich höllisch gut. Sie spielen die Hits der Pretty Things traumhaft sicher nach, kopieren die Small Faces, die Easybeats, Rattles, Ian & die Zodiacs und ‚Little Egypt’ in der Version der Downliner’s Sect:

Was für eine Performance. Ich stiere auf Günters Finger, die über die Saiten huschen wie die Eule auf unserem Heuboden über unsere Köpfe. Glory Hallelujah. Das möchtest du auch können. Aber dann folgt der erste Höhepunkt der Show: ‚Happy Jack’. The Who. Pete Townshend mit seiner Mod-Gang. Otto an den Sticks wird zur Reinkarnation des loony Moony – der damals natürlich noch unter den Lebenden weilt. Er schwebt über der Schießbude und schlägt um sich wie der Leibhaftige. Jetzt ist er Moon. Keith, das Wunderkind. Pate aller Drummer. Der Herrscher über Snares und Hi-Hats, Toms und Cymbals. Space-Commander der Kits-Jünger auch in der Unendlichkeit der Milky Way.

Und trotzdem, nicht einmal ‚Happy Jack’ ist der Song, den ich zuvorderst mit dem Strandhotel verbinde. Ihr erinnert euch an das Strandhotel? Es wird leider 1997 abgerissen und durch einen Neubau mit Eigentumswohnungen ersetzt. Sowas gehört doch unter Denkmalschutz gestellt. Aber egal jetzt.

Die Ehre des ‚most-outstanding-Beach Birds-Cover-Tracks-ever‘ gebührt ‚Keine Angst, Little Woman’ von Brian Diamond und den Cutters. Kennt ihr nicht? Solltet ihr aber.

Für mich steht dieser Song für den Beat-Track schlechthin, den unanfechtbaren Prototypen. Ich meine nicht den 4/4-Takt, die Standardbesetzung aus Gitarren, Bass und Schlagzeug, Zwei- oder Dreistimmigkeit. So steht das möglicherweise in einem Lexikon. Nein, das ist es wirklich nicht allein. Zu akademisch. Es ist das Feeling, das rüberkommt, wenn sich Mitte der Sechziger unter obigen Grundbedingungen ein gradliniger Rhythmus ausbreitet, gnadenlos in dich eindringt, deine Miene entspannt und du anschließend einen Bewegungsdrang entwickelst, den keine Zwangsjacke bändigen kann. That’s it. Notier das, Brockhaus oder Meyer. Jedenfalls ist Brians ‚Big bad wolf’ (so der Original-Titel) das Highlight der Beach-Birds-Auftritte. Zumindest für mich. Es hat den Magic Touch … Auuuuuuu!

Noch Fragen, little red riding hood?

The Beach Birds (1968) - Foto von Johann Meyhoff

Am Rande noch ein unantastbarer Beleg dafür, dass solche Beat-Events die Zuhörer regelmäßig kriminalisieren. Der stabilste und größte Aschenbecher in unserer – jetzt nicht mehr existenten – Kellerbar ist seit jeher der quadratische von Martini. 20×20, formschön, aerodynamisch. Colani? Jedenfalls gefällt er mir sehr am 18. Februar 1967, so ganz einsam und willenlos auf unserem Tisch im Strandhotel, dort neben dem leeren Cola-Glas und der ebenso leeren Kippenschachtel. Er ist verdammt groß, passt aber unter meine nun schon etwas abgegriffene Beatles-Jacke. Kappeln - Srtrandhotel - Sechziger JahreCollarless, schon bekannt. Ich klemme also das begehrte Teil unter den Arm und schlendere im legeren Cowboygang Richtung Kasse. Ihr kennt den entspannten Cowboygang, oder? Das ist die jugendlich-maskuline Bewegungsart, deren korrekter, ultralässiger Stil beim gemächlichen Vorbeischlendern in jedem Schaufenster gründlich überprüft werden muss …

Kalli und Jürgen habe ich im Schlepptau. Geleitschutz. Links neben mir, denn da sitzt die schon etwas abgespannte Kassiererin. Eine Minute später gehört der Colani-Ascher mir. Darauf erstmal ein herbes Pils, nebenan im ‚Daddeldu’, wo gerade Mr. Acker Bilk in den ‚Harem’ des Sultans von Hamudistan einfällt. Eine Klassescheibe, die ich umgehend bei Kihr-Goebel in Kiel erstehe.

Seit 2003 bin ich Nichtraucher. Die exzessive Qualmerei ist mir einfach nicht mehr bekommen. „Wo ist eigentlich dieser urige Martini-Aschenbecher geblieben, Jutta? Du weißt doch, der, den ich damals zusammen mit Jürgen und Kalli geklaut habe … Was, das hab ich dir gar nicht erzählt?“

Das alte Strandhotel in Kappeln steht also nicht mehr. Glaubt aber nicht den Gerüchten, dass es durch übermäßigen Martini-Aschenbecherdiebstahl in die Pleite getrieben wurde. Den Gedanken, diese jugendliche Schandtat zur Anzeige zu bringen, solltet ihr übrigens ebenfalls verwerfen. Kalli sagt, sie ist verjährt. Als Richter über die Einhaltung unserer Gesetze muss er es wohl wissen.


Die Wiedergabe der beiden Fotos aus dem Buch TWIST & SHOUT von Wolfgang Matthiessen erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Johann Meyhoff.

45 Kommentare

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  1. Ulli Erichsen

    Ich hab es gefunden: die Beach Birds

  2. Heino Küster

    ;-)

  3. Heino Küster

    Holger, Du schwächelst ;-)
    Die Beach „Boys“ konnten doch nicht fliegen…

  4. Sabine Brunckhorst-Klein

    :)
    jetzt Runa:
    Runa rollt Rollmöpse
    in rauher See.
    Rundherum raufen sich Seeräuber
    die Räuberbärte
    in der Ostsee

  5. Runa Borkenstein

    nein:
    Sabine summt säuselige Ssssongs
    so aus seven-or-five Sssixties
    in se (=the) Sea wis (=with) singing sand-boys

  6. Sabine Brunckhorst-Klein

    … oder fischt Fischers Fritze frische Quallen?

  7. Runa Borkenstein

    gabs auch die „Tangas“?

  8. Ulli Erichsen

    Aber vieleicht die Strings

  9. Runa Borkenstein

    „Waterbirding“ zu viert:
    Klaus Jürgensen
    Günter Meißner
    Jo Meyhoff
    Otto Pohl

  10. Runa Borkenstein

    Fischers Fritze
    fischt frische Fische

  11. Wolfgang Jensen

    Jetzt hab ich’s. Das sind die Beach Birds!

  12. Heino Küster

    Gestern um 22:06 war ich sehr, sehr knapp daneben…danach war es klar…Treffer, versenkt! ;-)

  13. Holger Petersen

    Ich fand Heinos Idee mit den posenden Musikern sehr schön. Da der Bandname „The Beach Boys“ nachhaltig besetzt war, tippe ich auf „The Strings“.

  14. admin

    Um was es geht, wurde hier schon einmal indirekt erkannt. Deshalb konkretisiere ich die Frage noch einmal: WER ist auf dem Foto abgebildet?

  15. Runa Borkenstein

    Segelfliegen mit Modellflugzeugen,
    die Kufen haben und auf dem Wasser landen können

  16. Runa Borkenstein

    Heute am Strand
    ich ein einen Fliegenfisch fand.
    Kein Scherz: mit pinkem Tütü.
    Ich dachte „Nanü,
    ist das ein Zeichen und will mir winken?“
    Aber: taten die Angler schon damals mit derlei blinken?

  17. Runa Borkenstein

    Hast Du es gelöst oder ist das ein Scherz?
    Haben die Jungs
    ein Sexophon
    aus einem Taucherschnorchel gebastelt
    und spielen nun damit die Kleine Wassermusik?

  18. Ulli Erichsen

    Das wär es gewesen.

  19. Heino Küster

    Stimmt auffällig ;-)
    Und sie waren eher auf dem Trip zum Manfred Sexauer Gedächtnispreis!

  20. Ingwer Hansen

    Schüler und Quallen

  21. Maren Sievers , geb Bonau

    Ich würde sagen es sind 4(!!) Schüler im Wasser

  22. Ingwer Hansen

    Drei Schüler präsentieren der erstaunten Fachwelt die ersten Artefakte von Atlantis, welches zur großen Überraschung nicht im Mittelmeer oder im Atlantischen Ozean lag, sondern vor der Küste der Geltinger Birk!
    Hierfür bekamen die Schüler später den Hobbyforscher Preis „Heinrich Schliemann“! :cool:

  23. Heino Küster

    Nein, es waren natürlich die Beach Birds!

  24. Heino Küster

    So könnten sich die Ravels präsentiert haben… Fotoshooting für eine Autogrammkarte?

  25. Holger Petersen

    Bernsteinsammler?

  26. Holger Petersen

    Brandungsangeln?

  27. Heino Küster

    Drei Mann in einem (abgesoffenen) Boot… ;-)

  28. Runa Borkenstein

    Achim? mit einem selbstgeschnitzten Indianerboot

  29. Ingwer Hansen

    Achim, ich kann damit leben, merke ja später dass doch falsch liege.

  30. Wolfgang Jensen

    Du nimmst das aber genau! :wink:

  31. admin

    Oh Mann, das ist ja mal wieder witzig, dass du mit dieser Antwort, die aber auch so gar nichts mit der Lösung zu tun hast, im Filter hängen bleibst. Ich erkläre das bei der Auflösung. Erinnere mich ggf. dran.

  32. admin

    Ich wiederhole: Ich weiß nicht genau, wo das Foto aufgenommen wurde. Vermutlich irgendwo in Angeln an der Ostsee. Deshalb braucht ihr nicht zu weiter raten, wo das ist! Es geht in diesem Fall darum, was auf dem Bild drauf ist. Und – wie gesagt – es ist kein Lehrer, auch wenn „Schulzeit“ drunter steht. Einfach die 5000 Bilder mal durchsehen, dann findet ihr das Foto. :mrgreen:

  33. Michaela Bielke

    Oehe

  34. Ulli Erichsen

    Dann vielleicht Neukirchen

  35. Ulli Erichsen

    Ach Quatsch, ist ja Schwansen

  36. Ulli Erichsen

    Steiküste Schönhagen

  37. admin

    Blidsel an der Ostsee? :roll:

  38. admin

    Ich weiß nicht wo, aber vermutlich ist es eher in Angeln.

  39. Wolfgang Jensen

    Klassenfahrt nach Blidsel

  40. Wolfgang Jensen

    Segeltörn auf der Ostsee u.a. mit Wolfgang Koslowski („Kossi) Richtung Schleimünde

  41. Ulli Erichsen

    Strand in Weidefeld

  42. admin

    Es ist kein Lehrer auf dem Foto.

  43. Wolfgang Jensen

    Herr Köhl auf einem Segeltörn

  44. Ingwer Hansen

    Oesterling

  45. Runa Borkenstein

    der Bumerang,
    den diesmal Achim schwang,
    und den Manfred in die Linse zwang?

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