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Dez 26 2015

Erik der Rote

Mad Mantek präsentiert:

„Erik der Rote“

© 1974 Ulli Erichsen, Hanna Völker & Achim Gutzeit
– Hallig Hooge 1974 –

Erik der Rote - Intro

Vor vielen, vielen Jahren lebte in dem Lande, welches wir heute Norwegen nennen, ein Seefahrer namens Erik. Er war bekannt wegen seiner Tapferkeit und Kühnheit und vor allem wegen seines großen Geschicks, welches er schon auf unzähligen Seefahrten bewiesen hatte.

Eines Tages sandte der König des Landes einen Boten zu Erik. Er erteilte ihm den Auftrag, eine große Seefahrt in den Westen anzutreten. Wie das Ende dieser Fahrt aussehen würde, war niemandem bekannt. Es war ein mächtiges Geheimnis, denn bislang hatte kein noch so mutiger Seefahrer diesen weiten, unbekannten Weg gewagt. Erik war nun vom König auserwählt worden, diese gefahrenvolle Reise anzutreten.

Nun begann Erik, sich sehr sorgfältig auf die Fahrt vorzubereiten. Er ließ ein großes, prächtiges Schiff bauen und verbrachte viele Tage damit, sich in den Dörfern entlang der Küste kräftige junge Männer zusammenzusuchen, aber auch ein paar ältere Seeleute waren dabei, auf deren Erfahrung er nicht verzichten wollte. Alle diese Männer nahm er mit sich in sein Dorf und ließ sie sich am Wasser versammeln, wo das Schiff schon fast für die Abreise bereit auf dem Strand lag.

Lied von der Vorstellung der Männer

Da war Kjeld, ein junger kräftiger Seemann, der Erik schon auf vielen Fahrten begleitet hatte, Ole, ein stämmiger Holzfäller aus dem Norden des Landes, Broder, der selbst den schwersten Stein mühelos heben konnte, und noch viele andere mehr.

Drei Tage vor der Abreise wurden große Mengen an Vorräten herangeschafft: Wasser, Brot, Trockenfisch, Met und einige lebende Tiere: Ziegen, Schafe und Rentiere, die erst auf der Fahrt geschlachtet werden sollten. Die Nächte verbrachte Erik über alten Seefahrerdokumenten, die er sorgfältig und aufmerksam studierte.

Und dann, eines Morgens, war es endlich so weit. Der ganze Ort hatte sich am Strand versammelt, um das Auslaufen des prachtvollen Drachenbootes mitzuerleben.

Lied vom Abschied

Die Männer hatten das Ufer inzwischen weit hinter sich gelassen, und um sich herum erblickten sie nichts als das weite Meer. Sie waren alle guter Laune, vom klaren Himmel schien die Sonne freundlich herab, und eine frische Brise aus dem Osten trieb sie ihrem ersten Ziel entgegen, der Insel Island.

Die Nächte waren klar, und die Sterne wiesen ihnen den Weg. Ohne große Anstrengungen kamen sie gut voran.

Doch am neunten Tage zogen schwere Wolken am fernen Horizont auf, die immer näher kamen. Die Sonne verschwand in einem dichten grauen Nebelschleier, die Wolken türmten sich zu bedrohlichen Bergen auf und bedeckten bald den ganzen Himmel über ihnen. Der Wind nahm stetig zu, und es dauerte nicht lange, da blies ein gewaltiger Sturm in das Segel. Die Wogen wurden hochgepeitscht und ein mächtiges Grollen ließ das ganze Schiff erbeben.

Lied vom Sturm

Endlich gelang es den Männern, dem Unwetter zu entkommen. Von den Anstrengungen waren sie erschöpft, aber sie waren auch dankbar und glücklich. Denn sie wussten, dass sie ihr Überleben einzig und allein Erik zu verdanken hatten, der mit klarem Verstand und beherztem Wagemut das Boot vor dem Untergang bewahrt hatte.

Zwar hatte das Schiff nun keinen Mast mehr, aber sie wussten alle, dass Eriks Tat die einzig mögliche Rettung für sie gewesen war. Nun stand er vor ihnen, erteilte einige Anweisungen, und der Wind fuhr durch sein krauses rotes Barthaar.

Die Männer waren alle sehr stolz auf ihn.

Lied auf Erik den Roten

Die Männer griffen kräftig in die Riemen und waren bald nicht mehr weit von der Küste Islands entfernt. Doch je näher sie kamen, umso beschwerlicher wurde die Fahrt, denn riesige Eisschollen versperrten ihnen den Weg, und eine eisige Kälte ließ ihnen den Atem gefrieren. Doch es dauerte nicht mehr lange, da hatten sie das Ufer der Insel erreicht. Die Isländer hatten das Schiff schon von weitem entdeckt und nahmen die erschöpften Männer nun freundlich auf, damit sie sich ausruhen und stärken konnten.

Erik war ihnen kein Unbekannter mehr, da er schon auf vielen Seefahrten bei ihnen als Gast geweilt hatte. Als sie aber von seinen Plänen hörten, waren sie doch sehr erschrocken. Dennoch packten sie alle fleißig zu und begannen, das Schiff, das vom Sturm an einigen Stellen beschädigt worden war, zu reparieren, und bauten einen neuen, kräftigen Mast. Sie trugen zahlreiche Vorräte zusammen und schenkten den Männern neue Felle.

Am Abend vor der Abfahrt feierten sie zu Ehren der Seefahrer ein großes Fest.

Lied der Isländer

Das Fest dauerte bis zum frühen Morgen, doch die Seefahrer hatten sich schon um Mitternacht zur Ruhe begeben, denn jetzt stand ihnen der schwerste Teil ihrer Reise bevor. Die letzten Festgesänge der Isländer waren noch nicht verklungen, da stachen die Wikinger nach einem kurzen, tiefen Schlaf wieder in See. Von nun an ging ihre Fahrt ins Ungewisse. Niemand hatte eine Vorstellung davon, wie lange die Fahrt dauern würde, bis sie ihren Fuß wieder auf festen Boden setzen konnten. Nur eines war ihnen allen klar: wenn sie auf ihrem Weg überhaupt auf Land stoßen sollten, dann hatten sie ihr Ziel erreicht.

Viele Tage und Nächte hindurch machte das Drachenboot der Wikinger gute Fahrt. Ein stetiger Wind von Osten füllte das Segel, und für die meisten Männer an Bord gab es wenig Arbeit. Doch dann gerieten sie in eine Flaute. Das erste Mal seit Beginn ihrer Reise mussten sie das Schiff jetzt für längere Zeit mit der Kraft ihrer Arme fortbewegen. Unermüdlich trieben sie das Boot mit schweren Schlägen voran, und die Sonne brannte erbarmungslos auf ihre nackten Schultern.

Lied der Ruderer

Inzwischen waren die Männer so weit von zu Hause entfernt wie noch keiner von ihnen je zuvor. Und je weiter der Wind sie nach Westen führte, umso häufiger setzten sie sich am Abend zusammen und erzählten sich Geschichten aus der Heimat.

Lied vom Fischen

Viele, viele Wochen waren nun seit der Abreise vergangen, und immer noch war weit und breit kein Land in Sicht. Die Männer waren alle erschöpft und müde, denn ihre Vorräte gingen allmählich zur Neige, und sie waren immer häufiger auf den nur kärglichen Fischfang angewiesen. Auch das Wasser wurde ständig knapper. Ihre Kräfte ließen langsam nach, und kaum einer von ihnen mochte noch daran glauben, dass sie jemals ihren Auftrag erfüllen würden.

Selbst Erik, ihr Führer, der ihnen auf der ganzen Fahrt ständig ein Vorbild gewesen war, hatte seine Zuversicht verloren. Kaum noch sprach er mit seinen Männern. Tag und Nacht stand er am Bug des Schiffes und hielt verzweifelt Ausschau nach dem Land, das zu finden er nicht mehr zu hoffen wagte. Nachdem er fünf Tage und Nächte unentwegt ausgeharrt hatte, verließen ihn all seine Kräfte, und erschöpft fiel er in einen tiefen Schlaf. Und in seinen Träumen spiegelte sich seine ganze Hoffnungslosigkeit wider.

Eriks Traum

Erik der Rote - Ende

6 Kommentare

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  1. manfred rakoschek

    „na endlich“
    könnte mein enkel nr.2 sagen, mattis erik
    „so eine würdigung hat doch was“
    ( er hat aber erst ein halbes jahr auf dem buckel,
    SCHREI SCHREI — spuck brei stattdessen )

    ich danke für deinen einsatz
    und hoffe auf weiteres in 2016

  2. Eckehard Tebbe

    Klasse!
    Sowas macht mir ja unendlich Spaß. Da hat Hallig Hooge damals einen echten Kreativitätsschub bei Euch ausgelöst. Wäre ich noch im Schuldienst, würde ich das sofort für den Unterricht nutzen: Leif E’s spannende Story, sacht eingebaute, wirklich ruhige Songs und vor allem auch Hannas passige, angenehme Stimme als Erzählerin sind wirklich ‚reinziehend‘. Das kommt alles ‚märchen-sagenhaft‘ rüber und erinnert mich auch an damals noch übliche, mit viel Bedacht und Know-How verfasste alte Schulfunksendungen (kleine Hörspiele), die es leider schon lange nicht mehr gibt. Die habe ich damals alle auf Cassette für den Unterricht abgespeichert. Als ich meine erste Schule verlassen habe, sind sie leider dort geblieben. Die Kids haben damals einfach besser zugehört und Inhalte abgespeichert als heute bei dem, was im Zehntelsekundentakt zusammengeschnitten wird.
    Was mich überrascht ist übrigens die saubere Tonqualität. Was habt Ihr damals an technischem Gerät benutzt. Die Ressourcen waren doch noch reichlich begrenzt.
    Wenn Ihr noch ähnliches habt, lasst es hin und wieder mal hören. Ich habe selber ja solche Sachen vor 10,12 Jahren auch gemacht, konnte aber leider meine in die Handlung eigebauten Songs nur meinem ‚Produzenten‘ Jan vorsingen, der dann das Playback geschaffen hat. Über Blockflöte bin ich tatsächlich nie rausgekommen. Außerdem waren meine Produkte natürlich auf Förderschüler zugeschnitten und daher nicht auf dem Niveau eines geschichtlichen Hintergrunds.
    Eher ganz einfach gestrickte, humorvolle Alltagsstories.

    Optimal produziert. Hörenswert.

    1. admin

      Freut uns, dass es dir gefällt, Eckehard. :-)
      Die technische Ausstattung ist in der Vorgeschichte beschrieben.

      1. Eckehard Tebbe

        Sehr gut, ich hab’s nochmal nachgelesen. Uher lag damals nicht in meiner Reichweite, und zu der Zeit war mein Kreativrlevel auch nicht besonders hoch. Da krebste ich während des Studiums eher auf niederer Ebene, reproduzierend und kanalisiert.

    2. Wolfgang Jensen

      Dem kann ich mich nur voll anschließen. Ich habe damals 1975 als Referendar in Glückstadt gerne und oft Schulfunksendungen in Erdkunde eingesetzt, was bei der damaligen Schülergeneration toll ankam. Die Sendungen waren auch sehr liebevoll und spannend produziert. Heute würde man als Lehrer wohl nur müde belächelt worden! An einen Einsatz von Erik im Unterricht habe ich auch sofort gedacht. Tolle Idee und Produktion! Kompliment!

      1. Sabine Brunckhorst-Klein

        Da stelle ich mich ganz schnell in die Reihe der Begeisterten.
        Erik der Rote blinzelte hier und da ja schon einmal durch die Seiten der Schulzeitreisen.
        Für mich war diese Gestalt immer mit großem Fragezeichen belegt. Bis heute!!!
        Da habt ihr eure Kreativecke wieder ganz weit geöffnet.
        Und was da heraus spaziert, ist EINFACH NUR SCHÖÖÖN:
        Vielen vielen Dank euch dreien.
        (Und für den Anschluss ein FilmTipp: „Schiffsmeldungen“/Regie: Lasse Hallström)

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