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Apr 28 2017

Bilderrätsel Nr. 412 – Fischräucherei Degner/Lass

Schon wieder ein langes Wochenende ohne admin. Aber auch dieses Mal habe ich einiges vorbereitet, das dann täglich automatisch veröffentlicht wird.

Beginnen wir mit einem spannenden Bilderrätsel, bei dem es etwas zu klären gilt, wozu ich außerstande und deshalb auch nicht in der Lage bin, diese Aufgabe zu moderieren. Alle Kommentare werden also – egal, ob möglicherweise zutreffend oder nicht – sofort veröffentlicht.

Bei dem alten Foto, das mir Jürgen Hansen geschickt hat, geht es um das Gebäude, das dort steht, wo in den 30er-Jahren der Sieck-Speicher am Südhafen errichtet wurde, sowie um das Gebäude rechts davor – also die mit den Schornsteinen.

Frage: Was waren das für Gebäude?

Bilderrätsel Nr. 412

In meinem Archiv habe ich eine Ansichtskarte von 1906 entdeckt, auf der von den beiden hohen Schornsteinen noch nichts zu sehen ist.

Kappeln - Ansichtskarte von 1906

Auf der Basis eurer „Räucherei“-Ideen habe ich auch einmal selbst recherchiert. Ergebnis: Bei dem Gebäude mit den drei Schornsteinen handelt es sich um die Fischräucherei von Richard Degner, gegr. Anfang des 20. Jh.

Kappeln - Fischräucherei Degner

Der Hauptsitz der Firma war die Fischkonserven-Fabrik J. C. Degner & Söhne in Altenburg / Sachsen-Anhalt. Deren Spezialitäten waren u. a. Brat- und Senfheringe sowie Rollmöpse in Remoulade. Richard Degner belieferte die Altenburger Fabrik mit der benötigten Ware und die heimischen Kunden direkt von Kappeln aus mit Räucherfischen.

Kappeln - Fischräucherei Degner - „Zählen und Sortieren des Fanges“Kappeln - Fischräucherei Degner - „Räuchern und Verpacken der Heringe“

Nach dem Tod von Richard Degner in den zwanziger Jahren übernahm Peter Lass die Räucherei und baute sie zunächst aus. Die beiden großen Schornsteine sind Teil seiner Fabrikerweiterung.

Kappeln - Fischräucherei Lass - Schornsteine kurz vor Fertigstellung (ca. 1928)Kappeln - Fischräucherei Lass (1928)

 

Nach Schließung der Altenburger Fabrik 1931 musste auch Lass aufgeben und verkaufte das Grundstück an die Firma Chr. Sieck. Die Gebäude mussten dann dem Neubau des Getreidesilos weichen.

Kleine Liste Kappelner Fischräuchereien

Richard Degner
Am Südhafen, gegr. etwa 1902, Nachfolger 20er- bis 30-Jahre: Peter Lass

Fischindustrie A.G.
Arnisser Straße 4, gegründet 1920, in den 30er-Jahren wegen Unrentabilität wieder geschlossen

Heinrich „Heie“ Frank
Am Hafen 16, Versand von Heringen und Räucheraal, führte sein Geschäft bis zu seinem Tod 1962

Friedrich Föh
Dehnthof 28, Fischräucherei und Versandgeschäft ab 1910, gegr. 1880 von August Braack

Wilhelm Lischke
Mühlenstraße 72, gegr. 1894, bis zu seinem Tod um 1920. Seine Witwe Helene Lischke stellte sich auf den Handel von gebrauchten Möbeln um. Lischkes Tochter war übrigens Emma Schade – bis in die 50er-Jahre Betreiberin des Kinos im „Schauspielhaus“, das sie von ihrer Mutter übernommen hatte.

Friedrich Lotze
Neukappeln 4, gegr. 1936

Karl Matthiesen, genannt „Korl Mule
Am Hafen 19, gegr. vor 1890, Spezialität: Schornsteinheringe, luftgetrocknet und dadurch lange haltbar

Max Mehl
Dehnthof 16, Fischräucherei und Versandgeschäft, gegr. etwa 1910, ab 1950 weitergeführt von seiner Witwe Christine Mehl

24 Kommentare

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  1. Runa Borkenstein

    So viele Räucherei’n
    so viele und vielförmige Schornstein‘

    Rauch von gestern
    diese Silhouette der kleinen Stadt an der Schlei
    jetzt tummeln am Hafen sich Gastbrüder und -schwestern,
    wie Meereskinder: demnächst ist vielleicht auch ein Meeressohn dabei
    wenn im Südhafen ein „Boutique-Hotel“ (*)
    steht an Sieck-Speichers Stell’…

    Doch drei Schornsteine zum Glück noch immer ich seh
    wenn von Schwansen ich komme: die AAL-Türme von Föh

    *(„Boutique-Hotel“ aus: Schlei-Bote vom 25.4.2017 ‚Die Bahn hat sich unterzuordnen‘)

  2. Katr!n Wummel

    Toll! Dank an alle!

  3. Regina Blätz

    Das war wieder ein interessanter Ausflug in die Kappelner Vergangenheit

    1. admin

      Danke, Regina. :-) Nicht die Rätsel sind der Aufwand, sondern deren Auflösung.

      1. Wolfgang Jensen

        Ich habe mich über die Auflösung geärgert……, weil ich das nicht rausgefunden habe. ;)

        1. admin

          Hauptsache, du hast dich bemüht. ;)

    2. Sabine Brunckhorst-Klein

      Das finde ich auch, Regina. :)
      Ich kann die Kappeln-Rätsel auf dieser Seite selten lösen, wenn es nicht gerade um Themen der Klaus-Harms-Schule geht.
      Ich nehme mir auch nicht ausreichend Zeit, um Recherchen zu betreiben, bewundere allerdings den Eifer, mit dem sich manche von euch in die Themen vertiefen. RESPEKT!
      Bei Ausflügen in die Kappelner Vergangenheit und Bildern aus den alten Zeiten begeistert mich jedoch immer wieder die Atmosphäre. Wie schlicht war der Alltag für die Menschen oft, wie mühsam oft auch. Und wie viel Reichtum liegt für mich heute auch in dem schlichten Leben früher ….
      Aber natürlich ist die Atmosphäre nur die eine Seite der Medaille.

  4. Wolfgang Dase

    In der SZR-Bildergalerie „ASC-Seglerbrücke“ vom 23. Sept. 2012 ist auf Bild 1 von 21 das/die Gebäude von Süden her zu sehen. Habe aber selbst keine Ahnung davon, was das nun wirklich ist.

  5. Wolfgang Dase

    Für eine Zuckerfabrik erscheint mir das Gelände zu klein und es fehlt ein hoher Schornstein, ca. so hoch wie der bei Nestlé, um die Unmengen Wasserdampf, der bei der Herstellung entsteht, hoch abzuleiten. Die neuen Schornsteine auf dem jüngeren Bild ähneln den „üblichen“ Räuchertürmen und haben auch eine Abdeckung. Wahrscheinlich dafür, daß der Fisch nicht naß wird. ;)

  6. Heino Küster

    Es gab zu der Zeit wohl eine Räucherei Matthiesen, aber wo genau?

    1. Ingwer Hansen

      Ich glaube die war in der Kirchstraße, Ecke Kastanienallee.

      1. Heino Küster

        Danke! Hab grade meinen Vater gefragt, der viel über Kappeln gesammelt hat, aber dieses Anwesen kennt er auch nicht… :-(

      2. Konrad Reinhardt

        Ingwer, zu meiner Schulzeit war das die Räucherei Mehl

        1. Konrad Reinhardt

          Siehe Rundblick 1955, Bild 10

      3. Heino Küster

        Dann wäre Matthiesen noch eine Option…

  7. Wolfgang Jensen

    Wenn man „Lischke“ in das SZR-Suchfeld eingibt, erfährt man, dass der Fischhandel Lischke in der Mühlenstraße war (Klassenfahrt nach Kappeln – 1963 (5) – ganz unten). Dann kann die Fischräucherei Lischke nicht am Südhafen gewesen sein. Schade! :sad:

    1. Michaela Bielke

      Ich habe in „Kappeln Bücher“ gewühlt, aber nichts gefunden, was auf den Südhafen schließen läßt. :(

  8. Runa Borkenstein

    Wie wär`s mit süß statt salzig: eine Zuckerfabrik?
    Vielleicht wurden nicht alle Zuckerrüben verladen, sondern vor Ort auch verarbeitet;
    (H.-P. Wengel, „KAPPELN Stadt an der Schlei“ Archivbild S.91 unten)

  9. Michaela Bielke

    Räucherei

    1. Heino Küster

      Könnte sein, ich überlege gerade, ob dort mal vorübergehend eine Ziegelei gestanden haben könnte…

      1. Wolfgang Jensen

        Es gab mal eine Fischräucherei Wilhelm Lischke, aber ich weiß nicht, wo die damals war.

        1. Konrad Reinhardt

          Fand ich gerade eben:

          Wilh. Lischke, Fischräucherei und Export, Kappeln (Schlei), Gegründet 1898,

          Drucksache, abgestempelt am 29.10.1920

          Leider keine Anschrift dabei!

  10. Konrad Reinhardt

    Elektrizitätswerk ???

    1. Heino Küster

      Das E-Werk stand dort, wo heute der Pierspeicher steht.

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