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Feb 02 2019

Schneebesen 1979

Vor 40 Jahren

Thematisch hatte ich ja schon am Jahresende angedeutet, womit es hier demnächst weitergehen soll, nämlich – soweit verfügbar – mit Fotos aus dem Schneewinter 1978/79. Das Wort „Katastrophe“ vermeide ich bewusst, obwohl wir das Ganze zwar auch als grenzwertig erlebt haben, aber letztlich – außer mit dem Schnee selbst – keine echten Probleme hatten. Na gut, Fahrverbot … kein Strom ist schlimmer, oder?

Zur Einstimmung auf das Thema beginne ich mit einem Foto von Fritz Reinhardt vom
26. Februar 1979, als das Schlimmste ohnehin überstanden war.

Theodor-Storm-Straße 24

Theodor-Storm-Straße 24 - Foto: Fritz Reinhardt (26.02.1979)

12 Kommentare

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  1. Maren Sievers, geb. Bonau

    Bei der Schneekatastrophe haben wir mit ganz vielen Nachbarn in Karby die Eckernförder Straße freigeschaufelt. In der Karbyer Chronik ist auf Seite 385 auch ein Foto, auf dem ich schaufele…
    Karby - Foto: Friedrich Bonau (1978) Mein Vater, der das Bild gemacht hat, hatte beim Kaufmann gerade noch den letzten Film für die Kamera bekommen und unser Nachbar von der Schleswag wurde mit Hubschrauber geholt, um in Börentwedt Leitungen zu retten.
    Mein Vater musste jeden Tag in Karby zur Post zur Arbeit gehen, obwohl doch gar nichts dort ankam… und Kaufmann Hans Emil Jensen (heute weit über 90 Jahre alt) bekam auch keine Ware ran. Wir konnten nur hinten aus unserem Haus, weil vorne die Schneewehen bis zum Dach lagen.
    Aber damals hatten wir ja vielmehr Vorräte/Eingewecktes im Haus als heutzutage.
    Der Postkollege von meinem Vater (Herr Asmussen) hat sich bei uns Gummistiefel geliehen und ist dann zu Fuß durch die Schneeverwehungen bis nach Winnemark gestapft. Die Schwansenstrasse war dicht und der Bäcker Hennig bekam Hefe per Hubschrauber und von einem liegengebliebenen Brotlieferwagen wurde Brot requiriert.
    Wir Kinder fanden es toll, so viel Schnee, aber wir hatten ja auch Strom und Heizung.

  2. Runa Borkenstein

    In der Schneezeit 1978/79 haben wir renoviert:
    ein kleines Siedlungshaus in Levensau „Am Kanal“
    unter der Levensauer Hochbrücke mit bestem Blick
    auf den Verkehr: Bahn, Autos, Flugzeuge und Schiffe.
    Als die Zufahrtsstraße dicht geweht war,
    mussten Farbe und Werkzeuge
    zu Fuß zum Haus gebracht werden,
    so wie Lebensmittel natürlich auch. Puuuh!

    Die gute Aufbruchstimmung in eine neue WG-Zeit
    war allerdings getrübt. ‚Me too‘ führte mitten im Chaos
    zur Dezimierung der WG bevor diese überhaupt existierte…
    Als dann auch noch die Zufahrt zur Zufahrtsstraße gesperrt war,
    bzw. allgemeines Fahrverbot den Verkehr lahm legte,
    haben wir oben auf der Levensauer Hochbrücke geparkt.
    Von dort führt eine Treppe nach unten.
    Zwei WG-Mitglieder betrieben damals eine Kneipe in Kiel
    und durften -nach Antragstellung mit Genehmigung- weiterhin fahren,
    da diese Tätigkeit eine Versorgungsfunktion darstellte.
    (Gebühr für den exklusiven Parkplatz: ein Autoradio.)
    Silvester fand gemütlich inmitten einer Baustelle
    irgendwo im Nirvana statt. Einzige Verbindung
    zur Welt war ein ‚echtes schwarzes Telefon‘.

    Levensau 1979Levensau 1979Levensau 1979Levensau 1979Levensau 1979Levensau 1979Levensau 1979Levensau 1979Levensau 1979

    1. Runa Borkenstein

      Nachtrag:
      … unser Versorger war – so warm und gut- die „Schweinsgeige“, Familie Petersen,
      am Ende eines langen Walks durch den Schnee
      stand ein güldener Grog auf dem Tisch

    2. admin

      Danke für die Fotos, ich hoffe, dass du mit meiner Überarbeitung einverstanden bist.

      1. Runa Borkenstein

        Du machst das immer bestens, Achim!

  3. Michaela Fiering

    Zu dem Zeitpunkt machte ich gerade meine Lehre an der Diako in Flensburg. Weihnachten hatte ich frei und Sylvester Dienst. Also wollte ich ganz normal mit dem Zug nach FL fahren. Der hatte 4 Stunden Verspätung, kam aber als letzter Zug durch.
    Am nächsten Tag begann ich meinen Dienst und wunderte mich, dass ich ganz alleine auf der Station war. Ein Arzt erklärte mir dann, das es auch so bleiben würde, weil niemand durch die Schneemassen hindurch kam. Ärzte gab es im Krankenhaus auch nur 2, weil ein Arzt Polterabend in Steinbergkirche gefeiert hatte und sie dort festsaßen. Alle Patienten( die, die einigermaßen fit waren) wurden gebeten selber ihr Bett zu machen und ihr Frühstück in der Küche abzuholen.
    War, trotz 14 Stunden Dienst eine tolle Zeit.
    Bei der 2 Katasrophe waren wir an der Westküste bei den Eltern einer Mitschülerin eingeladen. Auf dem Rückweg sind wir mehrmals in Schneewehen stecken geblieben. Im Schülerwohnheim angekommen fanden wir es sehr kalt. Die Heizung war ausgefallen. Nachdem dann Handwerker kamen, haben wir die restliche Nacht Kaffee und Tee gekocht.
    Glücklicherweise hatte meine Stationsschwester ein gutes Herz und ich durfte nach 2 Stunden gehen und endlich schlafen.

  4. Konrad Reinhardt

    Diesen Weg um unser Haus habe nicht ich schneefrei gemacht. – Vielmehr habe ich diesen Winter an meinem Wohnort im schneereichen Ostholstein verbracht, meine Eltern in Kappeln habe ich nicht besucht.

  5. Holger Petersen

    Den ersten Schneesturm vor dem Jahreswechsel habe ich als besonders überraschend in Erinnerung, zumindest was Intensität und Dauer betrifft. Auf dem Lande war es bei z.T. abgelegenen Höfen durchaus kritisch hinsichtlich der Versorgung (wozu ich auch Strom zähle). Insofern war es wohl auch angebracht, Katastrophenalarm auszulösen mit Fahrverbot etc. Schneefräsen etc. wurden ja sogar aus Bayern heran transportiert. Ich erinnere mich auch noch gut an die sog. „Heli-Babys“, die diese Bezeichnung dadurch erhielten, dass ihre hochschwangeren Mütter per Hubschrauber in Kliniken verbracht wurden; seinerzeit gab es in SH noch ein eigenes Heli-Geschwader, das vor 25 Jahren auch noch einmal eine entsprechende Feier veranstaltet hat.
    Ich selbst lebte seinerzeit auf dem Ostufer von Kiel und war relativ entspannt. Ich ging nämlich davon aus, dass man die Landeshauptstadt mit ihren tausenden Ministerialbeamten wohl nicht so schnell würde verhungern oder verdursten lassen. Für Hamsterkäufe sah ich also keinen Anlass; was soll man auch in so einer Situation noch zusätzlich mit einem Hamster :) ?
    Nach meiner Erinnerung war aber auch der ÖPNV in Kiel weitgehend erloschen; jedenfalls haben sich Bekannte aus Wellingdorf auf Skiern o.ä. auf den langen Weg nach Mettenhof gemacht, um dort an einer Silvesterfeier teilzunehmen…

    1. Heino Küster

      Meine Katastrophengeschichte ist keine. Es begann wohl irgendwann im Wonnemonat Mai des Jahres 1978. Wir entschlossen uns, für den ersten Nachwuchs zu sorgen. Es gelang, und dennoch beschlossen wir, Weihnachten und Silvester in Kappeln mit der Familie zu feiern. Nun begab es sich aber, dass Uli nicht mehr reisen sollte, wir also kurzfristig absagen mussten. So blieb uns ein Heli-Baby erspart und die Tochter kam regulär hier in Hessen am 2.2.1979 zur Welt. Den Katastrophenwinter haben wir nur im Fernsehen verfolgt.

  6. Reinhard Richter

    Haĺlo Achim,
    das war eine Katastrophe, wo die Menschen keinen Strom hatten.
    Ich war mit dem DRK Katastrophenschutz mit ca. 12 Helfern in der Autobahnmeisterei Schuby vom 29.12.bis 2.1.
    Kein Strom und Autofahrer auf der A 7.
    Ca.30 hatten wir 3 Tage im Keller. Und die Kuhbauern ohne Strom?
    Heute haben die 300 und mehr Tiere.
    Wer kann diese noch mit der Hand melken.
    LG Reinhard

  7. Regina Blätz

    Hat keiner Erinnerungen an diesen Winter? Ich kann nicht mit Fotos aufwarten, denn ich wurde gleich zu Beginn ins Krankenhaus katapultiert. Auf dem Weg zu Bahnhof Eckernförde drehte sich unser Auto bei dem Versuch einer Schneewehe auszuweichen auf dem Blitzeis und rutschte in ein entgegenkommendes Fahrzeug. Meine Schwester hatte mehrere Knochenbrüche und ich eine Gehirnerschütterung. Eigentlich sollte ich nur zur Kontrolle eine Nacht in der Klinik verbringen, aber es gab am nächsten Tag keinen Weg mehr nach Hause und ich musste eine Woche bleiben. Das wäre ja noch ok gewesen, denn meine Schwester lag im gleichen Zimmer, aber das Personal war auch eingeschlossen und schob rund um die Uhr Dienst. Und noch schlimmer die Lieferanten kamen natürlich auch nicht durch und so wurden die Mahlzeiten immer miserabler. Silvester feierten wir alle mit Selterwasser. Aber irgendwie war es trotzdem lustig.

    1. Sabine Brunckhorst-Klein

      Doch, ich habe auch noch Erinnerungen an diesen Ausnahme-Winter:
      Ich wohnte in einer WG im Knooper Weg und hatte einen Job im Städtischen Krankenhaus, wo ich mit Extrawachen Geld für`s Studieren verdiente.
      Eine ganze Reihe Pflegender kam aus der ländlichen Umgebung Kiels; sie konnten natürlich die Stadt kaum oder gar nicht erreichen.
      Deshalb wurden wir Kieler und Kielerinnen laufend angefragt, ob wir Dienste übernehmen könnten.
      Mein Weg zum Krankenhaus dauerte bei normalen Wetterbedingungen ca. 20 Minuten zu Fuß. In dem Schneewinter dauerte er ca. 1 Stunde. Geräumte Abschnitte wechselten sich laufend mit hohen Schneedünen ab. Es war abenteuerlich.
      Ich erinnere mich an eine ungewöhliche Stimmung in der Zeit: Schwester, Pfleger, Ärzte, Reinigungskräfte, sie alle hatten viel zu berichten, wenn sie zur Arbeit erschienen, lustiges, gefährliches, ungewöhnliches. Ich erinnere mich gut daran, wie die eingefahrenen Hierarchien sich unter diesen Bedingungen verwischten, wie ganz andere Kriterien das Miteinander bestimmten und wie viel Solidarität die Bedingungen damals schufen.
      Und dann erinnere ich mich an strahlenden Sonnenschein vor einem leuchtend blauen Himmel über der weißen Landschaft in Winnemark … als das Chaos vorbei war.

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