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Mai 01 2019

Bilderrätsel Nr. 500 – „Baracke 1“

So, hier kommt nun das 500. Bilderrätsel!

Wenig spektakulär, aber für mich doch ein bisschen „besonders“.

Die Frage ist so schlicht wie die Fotos selbst: Wo genau sind sie entstanden?

In dieser Form gibt es diesen Ort schon lange nicht mehr.

Bilderrätsel Nr. 500Bilderrätsel Nr. 500

Wenn ich mir für das Jubiläumsrätsel etwas „Besonderes“ aufgehoben habe, dann sollte es das auch wirklich sein.

Deshalb ging es eigentlich auch um etwas mehr, als nur die gut erkennbaren Häuser im Hintergrund zu lokalisieren und die Blickrichtung festzulegen.

Andererseits war diese Herangehensweise an die Aufgabe durchaus in Ordnung, denn wer erinnert sich noch, wie es dort auf Dothmark nach dem Krieg aussah.

Daher versuche ich, bevor ich zur eigentlichen Auflösung dieses „besonderen“ Rätsels komme, zunächst einmal die Einordnung eurer Antworten.

Wenn wir, wie es überwiegend geschehen ist, von den heutigen Gegebenheiten ausgehen, befindet sich die Stelle, an der die Fotos gemacht wurden, innnerhalb eines Rechtecks HüholzwegBreslauer StraßeKönigsberger StraßeKonsul-Lorenzen-Straße.

Insofern gab es richtige Tipps von Runa Borkenstein, Heino Küster, Konrad Reinhardt, Wolfgang Dase, Michaela Fiering und Hans-Werner Panthel.

Allerdings existierten tatsächlich alle vier Straßen in diesem Rechteck zum Zeitpunkt der Fotos so noch nicht.

Stadtplan 1974 - Ausschnitt

Auf dem Stadtplan von 1974 habe ich mal die in den frühen Fünfzigern noch nicht vorhandenen Straßen in diesem Bereich grau markiert.

Die Königsberger Straße war eine Sackgasse und selbst der Hüholzweg endete als befestigte Straße an diesem „Rechteck“, führte allerdings von dort als Feldweg weiter bis zum Wald.

Neben den Antworten, die aus heutiger Sicht vorgenommen wurden, gab es auch einen Kommentar, den ich gern hervorheben möchte:

Ingwer Hansen hat als einziger offenbar die „besondere“ Thematik dieses Rätsels erahnt und den Ort danach beschrieben, wie es dort damals aussah.

„Damals“, das heißt bis Mitte der Fünfziger Jahre, gab es am Ende des Hüholzwegs nämlich noch Baracken, in denen nach dem Krieg Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten untergebracht waren.

Diese Baracken befanden sich am Anfang des Feldwegs auf der linken Seite. Hinter den Baracken gab es in Richtung Bahnschienen wie auch in Richtung Hüholz nur Koppeln und Weideland.

Die Wiese, auf der die Fotos entstanden, lag unmittelbar südlich hinter den Baracken.

Der Fotograf stand also mit dem Rücken zum Hüholz und blickte schräg nach Osten, wo die fertigen oder noch im Bau befindlichen Häuserblocks in der Neuen Straße standen.

Und jetzt kommt das Foto, das den Ausschlag für dieses Rätsel gegeben hat:

Kappeln - Hüholzweg (1951)

Obwohl ich aus meiner Kindheit noch eine Menge Aufnahmen besitze, ist dies das einzige Bild, auf dem die Wohnbaracken am Hüholzweg zu sehen sind. Das war im Frühjahr 1951.

Neue Heimat

Anfang 1945 war meine Großmutter (Jahrgang 1894) allein mit ihrer Tochter (Jahrgang 1923, hier mit mir auf dem Foto) aus Ostpreußen geflüchtet und in Kappeln gestrandet, Postanschrift:

Hüholzweg, Baracke 1

Im Februar 1946 wurde es langsam eng in der provisorischen Behausung, denn auch mein Vater kehrte – als Siebzehnjähriger aus britischer Gefangenschaft entlassen – zurück zu Mutter und Schwester.

Als schließlich mein Großvater nach mehr als drei Jahren sowjetischer Internierung in Königsberg und nach schlimmer Misshandlung frei kam, fand auch er sich im Oktober 1948 in dieser viel zu kleinen Bleibe ein.

Jetzt waren sie zu viert, aber wenigstens war die Familie wieder beieinander.

Im Juli 1949 gab es dann erst mal wieder etwas „Luft“, als mein Vater meine Mutter heiratete und zunächst zu ihr in die fast genauso knappe Behausung in Neukappeln 9 zog, die sich beide mit den Schwestern meiner Mutter und deren Familien teilen mussten.

Ende 1950 heiratete auch meine Tante und zog zusammen mit ihrem Mann, als sie dort eine Wohnung gefunden hatten, 1951 nach Hannover.

Die nächsten fast zwei Jahre hatten dann meine Großeltern den Barackenraum für sich allein, bis sie Anfang 1953 ihre kleine Wohnung in der Neuen Straße 70 beziehen konnten.

Artur Gutzeit - Dokument 1951Artur Gutzeit - Dokument 1953

Die Baracken waren noch bis in die zweite Hälfte der Fünfziger Jahre bewohnt.

Die erste der neuen Straßen in den Fünfzigern war die Stettiner Straße, während die Breslauer Straße erst Anfang der Sechziger angelegt wurde, genauso wie die – für uns wichtige – Memeler Straße, denn bis dahin mussten wir, wenn wir ab 1952 von der Friedrich-Hebbel-Straße aus meine Großeltern besuchen wollten, entweder durch die Kleingärten zwischen Fritz-Reuter-Straße und Hüholzweg oder in großem Bogen außen herum über die Arnisser Straße.

Das galt sowohl für die „Baracke 1“ als auch für die „Königsberger Straße“, wie die „Neue Straße“ ab 1955 hieß.

Ich erinnere mich sehr gut, wie ich auf dem Rückweg von solchen Besuchen noch als Vierjähriger spätestens auf der Höhe von Milchmann Koch oder Kaufmann Tönnies so müde war, dass mein Vater mich den Rest des Heimwegs tragen musste.

28 Kommentare

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  1. Ingwer Hansen

    Wenn wir im Winter zum Rodeln wollten, sind wir immer von der Arnisser Str. über den Hüholzweg zum "Rodelberg" am Hüholz gegangen und an den Baracken vorbei gekommen. Die gesamte Situation, inkl. Bebauung, ist mir noch sehr gut in Erinnerung.

  2. Hauke Marten

    Breslauer Str. aufgenommen auf den Grundstück der Gärtnerei Kellermann.
    Heute ist die Wiese bebaut, die neu gebauten Häuser gehören mit zur Stettiner Str.
    Das Land hat mein Vater Jahrelang gepachtet.

  3. Hans-Werner Panthel

    Im Hintergrund verläuft jetzt von links nach rechts die Breslauer Straße und kreuzt die Königsberger Straße.

  4. Konrad Reinhardt

    Ich denke mal, der Häuserblock im Hintergrund hat die Hausnummern 81 – 91 in der Königsberger Straße. Die Fotos könnten dann etwa dort gemacht worden sein, wo heute die Breslauer Straße verläuft, vielleicht 50 Meter vom Hüholzweg entfernt.

  5. Maren Sievers, geb. Bonau

    Ich glaube der Blick des Jungen geht auf die Eisenbahnstrecke,
    etwa im Heutigen Bereich Tischlerei MAU

  6. Hauke Marten

    Aufgenommen von der Arnisser str. zwischen Stettiner und Königsberger Str.

    1. admin

      Was soll ich sagen? :|
      1. Auch die Stettiner Straße gab es damals noch nicht.
      2. Die Arnisser Straße einfach mal weglassen, die wird nicht mal „moderiert“.
      3. Die Antwort ist – nach planvoller* Prüfung – tatsächlich falsch!
      ~~~~~~~~~~~
      * Ich habe mir inzwischen einen Plan ausgedruckt, um die „neuen“ Straßennamen besser zuordnen zu können, da ist – im Gegensatz zu anderen genannten Straßen – die „Stettiner“ gar nicht mit drauf.

      1. Ingwer Hansen

        Aber die Königsberger Str. gab es schon. :-)

    2. admin

      Kann es sein, dass die Wiese früher mal „euch“ gehört hat :?:

      1. Heino Küster

        Ich denke, es stimmt (Eigentümer kann ich natürlich nicht beurteilen). Es ist die Rückseite der Häuser in der Königsberger. Blickrichtung auf die Gleise der Schleswiger Kreisbahn davor…

      2. Heino Küster

        Nein, im Stadtplan von 1974 hieß die Straße ja Stettiner~ :!: :oops:

      3. Ingwer Hansen

        Ich glaube gehörte den anderen Marten, die in der gesuchten Straße ihren Betrieb hatten, zumindest eine Scheune stand dort. Die wohnten in der Mühlenstr.

  7. Michaela Fiering

    Zwischen Breslauer Str. und Konsul- Lorentzen – Str.

  8. admin

    Das ich mit der Interpretation eurer Kommentar manchmal Probleme habe, ist nicht unüblich. Meistens hängt es damit zusammen, dass bei alten Motive Namen oder Bezeichnungen genannt werden, die es zum Zeitpunkt der Aufnahme noch gar nicht gab.
    Ich werde jetzt aber alles, was ungefähr hinhaut, nicht freischalten, weil einige offenbar zumindest teilweise Richtiges meinen.

    1. Konrad Reinhardt

      Gab es nicht einmal eine 'Neue Straße' ?

      1. admin

        Die brauchte nach dem Krieg unbedingt einen neuen Namen, denn davor hieß sie „Adolf-Hitler-Straße". :(

  9. Wolfgang Dase

    Aufgenommen in der Arnisser Straße zwischen Hüholzweg und Königsberger Straße mit Blick in westliche Richtung.

  10. Wolfgang Dase

    Es wurde fotografiert von der Breslauer Straße aus ins Gelände zwischen Hüholzweg und Königsberger Straße.

  11. Konrad Reinhardt

    In westlicher Richtung von der Arnisser Strasse aus gesehen scheint es im Hintergrund wohl der 4. Häuserblock auf der nördlichen Seite des Königsberger Straße zu sein.

  12. Ingwer Hansen

    Südlich des Hüholzweges, etwa dort wo jetzt die Breslauer Str. verläuft. Die Baracken dürften sich auf der rechten Seite der Personen befinden. Dort steht jetzt die Neuapostolische Kirche.

  13. Ingwer Hansen

    Hmm Heino, war auch mein erster Gedanke.

  14. Michaela Fiering

    Das Gebiet zwischen Dothmarkstr. und Königsberger Str.

  15. Wolfgang Dase

    An der heutigen Konsul-Lorentzen-Strasse, zwischen Fritz-Reuter-Strasse und Hüholzweg.

  16. Heino Küster

    Am Hüholzweg aufgenommen, zwischen Arnisser und Breslauer.

  17. Heino Küster

    Ok, dann sind das im Hintergrund die Häuser an der Königsberger~. Das Feld kenne ich auch noch …

  18. Heino Küster

    Die große noch unbebaute Wiese im Bereich zwischen Storm-, Hebbel-, Groth- und Reuter-Straße. Zweimal Achim mit Mama und im rechten Bild mit Oma.

  19. Konrad Reinhardt

    Königsberger Straße

  20. Runa Borkenstein

    auf Dothmark:
    im Bereich Breslauerstraße und Hüholz,
    wo damals noch völlig unbebautes Grünland war.

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