«

»

Aug 14 2019

Zentrale Leuchtfeuer-Schaltstelle in Kappeln

Vor 50 Jahren

Hamburger Abendblatt vom 14. August 1969

Leuchtturmwärter gehen in Pension

Künftig zentrale Steuerung / 30-Mill.-DM-Projekt

Eigener Bericht

Kappeln, 14. August

Zum Jahresende wird die erste zentrale Schaltstelle für Leuchtfeuer an der deutschen Küste in Kappeln an der Schlei in Betrieb genommen. Das Wasser- und Schiffahrtsamt in Kiel stellte gestern die neue Zentrale vor und berichtete über weitere Rationalisierungsvorhaben an der Ostsee zwischen dänischer Grenze und der Insel Fehmarn.

Die Schaltzentrale in Kappeln wird automatisch und elektronisch die Leuchttürme von Holnis, Neukirchen, Falshöft, Schleimünde und Olpenitz dirigieren. Später sollen die von Eckernförde und Karlsminde hinzugeschaltet werden. Schon jetzt soll der in der Ostsee stehende Leuchtturm Kalkgrund am Eingang zur Flensburger Förde der Zentrale in Kappeln mit unterstehen.

Der Leuchtturm Kalkgrund löste im Juni 1963 das Feuerschiff Flensburg ab. Seine Baukosten betrugen 2,5 Mio. DM. In Kappeln ist eine doppelte Schaltzentrale gebaut worden. Im Friedensfall werden die Leuchttürme mit Hilfe von 2200 Kabelsträngen überirdisch dirigiert. Im Kriegsfall erfolgt die Umschaltung – und notfalls die zentrale Abschaltung – von einem Bunker aus, der 60 Zentimeter dicke Wände hat, stoßsicher ist, über Brunnen, Klimaanlage und Notstromaggregat verfügt.

Die Schaltzentrale in Kappeln wird von jeweils einem Elektrotechniker Im Drei-Schichten-Betrieb gefahren. Meldet die Fernsteuerung Fehler an einem der Leuchttürme, setzt das Wasser- und Schiffahrtsamt in Kiel einen Wartungswagen in Marsch. Die Gesamtkosten der Anlage in Kappeln belaufen sich auf knapp eine Million DM.

Nach der Fertigstellung der Kappeler Anlage soll in Helligenhafen die zweite Schaltzentrale montiert werden. Sie wird die fünf Leuchttürme der Insel Fehmarn, Flügge, Westermarkelsdorf, Marienleuchte, Staberhuk und Strukkamp dirigieren. Papenort, Neustadt, Pelzerhaken und Dahmeshöved auf dem Festland kommen hinzu. Wann das Feuerschiff Fehmarnbelt durch einen Leuchtturm im Meer abgelöst wird, ist noch nicht entschieden. Möglicherweise wird der Leuchtturm eines Tages auf der projektierten Fehmarnbeltbrücke stehen und dann der Zentrale in Heiligenhafen angeschlossen.

Am Schluß der Automatisierung an der Ostseeküste wird eine Oberzentrale in Kiel eingerichtet, von der aus der Kieler Raum sowie die Zentralen von Kappeln und Helligenhafen gebündelt bedient werden. Die Regelung im Kieler Gebiet sieht Querschaltungen zu den Leuchttürmen von Friedrichsort, Bülk und Neuland an der Howachter Bucht sowie mit dem Leuchtturm in der Kieler Förde vor.

Mit dem Bau des Friedrichsorter Leuchtturms im Kieler Hafen wurde begonnen. Der Turm mit seinem 32,5 Meter über dem Wasser liegenden Feuer kostet 1,2 Mill. DM.

Die Inbetriebnahme ist nächstes Jahr beabsichtigt. Der weitere Leuchtturm in der Kieler Förde löste 1967 das Kiel-Feuerschiff ab. Er kostet einschließlich der Lotsenstation 9,5 Mill. DM.

Nach den Worten des Präsidenten der Wasser- und Schiffahrtsdirektion, Dr. Vogel, kostet das gesamte Ausbauprogramm, das Mitte der fünfziger Jahre anlief, rund annähernd 30 Mill. DM. Der Präsident forderte die Bundesregierung auf, mehr als 0,6 Mill. DM jährlich für das Rationalisierungsprogramm bereitzustellen, um möglichst bis 1980 fertig zu sein.

Das Rationalisierungsprogramm wurde zwingend, weil kaum noch Leuchtturmwärter für die gering dotierte Arbeit an einsamen Küstenabschnitten zu bekommen sind. Auf lange Sicht wird das Programm den Steuerzahler entlasten, weil nur noch wenige, wenn auch höher bezahlte Elektrotechniker in den Zentralen Dienst tun und viele alte Dienst- und Wohngebäude nicht mehr unterhalten werden müssen. Schließlich wurde das Programm „zur Erfüllung militärischer Forderungen für Sonderfälle“ notwendig.

Leuchttürme an der Ostseeküste - Hamburger Abendblatt vom 14.08.1969

Die Leuchttürme an der Ostsee werden künftig zentral gesteuert

2 Kommentare

  1. Michaela Fiering

    Als Kind wollte ich, unter anderem, immer Leuchtturmwärter werden.
    Kein Wunder, dass es nicht geklappt hat, wenn Alles automatisiert wurde. ;)

  2. admin

    Da bei der technischen Planung sowohl der „Friedensfall“ wie auch der „Kriegsfall“ berücksichtigt wurden, kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. :evil:

Kommentare sind deaktiviert.