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Jun 02 2011

Klassenfahrt der Untersekunda m 1965

Tiko hat mir seine Erinnerungen an zwei Klassenfahrten der Untersekunda 1965 und der Unterprima 1967 zur Veröffentlichung geschickt. „Leider habe ich keine Bilder dazu.“, schreibt er, aber vielleicht hat ja irgendjemand von euch etwas Illustrationsmaterial…

Klaus Taege: Ich habe gerade die Berichte von den Fahrten gelesen und kann einige eingescannte Fotos von dieser Fahrt beisteuern. Falls Interesse besteht, dürfen sie gerne veröffentlicht werden.

Achim: Danke, Klaus, die Bilder sind eingearbeitet. Mehr davon!


Mittelstufenfahrt
nach Bonn und in den Hunsrück

von Dieter Tikovsky (Tiko)

Unsere Mittelstufenfahrt ging in die damalige Bundeshauptstadt Bonn und in den Hunsrück. Mit der Bahn ging es unter Aufsicht unseres Klassenlehrers Wuzzi Tech, der von der Tochter seines Kollegen Dr. Schnoor unterstützt wurde, zunächst in die Bundeshauptstadt Bonn.

Jugendherberge Bonn 1965

Am späten Nachmittag kamen wir am Bonner Hauptbahnhof an, von wo aus mit einem Oberleitungsbus (für uns Landeier etwas völlig Neues) zur Jugendherberge ging. Die Jugendherberge liegt (bzw. lag damals) sehr idyllisch in einem bewaldeten Gebiet auf dem Bonner Venusberg. So kam es nicht von ungefähr, dass wir unsere Koffer von der Bushaltestelle noch ein gutes Stück zu Fuß weiterschleppen mussten.

Nach Inbesitznahme der Zimmer ging es ohne Lehreraufsicht in eine nahe gelegen Waldgaststätte, wo ich im allgemeinen Überschwang und weil man in der Gruppe ja viel mutiger war zum ersten Mal einen „Escorial grün“ zu mir nahm. Schmeckte mir zwar nicht besonders, aber wer gab damals so etwas schon zu. Wie man sieht, nahm man es schon damals mit dem Alkoholausschank an Jugendliche nicht so genau.

Bundestag Bonn 1965 (1)Am nächsten Tag stand ein Besuch des Deutschen Bundestages sowie ein Spaziergang an der Rheinpromenade auf dem Programm. Danach gab es noch einen Schuss Kultur in Form einer Besichtigung des Beethoven-Hauses. Ansonsten kann ich mich noch an eine Tüte schön süßer Kirschen erinnern, die ich mir auf dem Wochenmarkt kaufte.

Bundestag Bonn 1965 (2)Zum Abschluß des Tages hatte Wuzzi Tech sich etwas Besonderes ausgedacht: Aus der Klassenkasse wurde für jeden ein Glas Wein spendiert, das wir auf der Rheinterrasse der Bonner Oper in der Nähe der Kennedybrücke zu uns nahmen. Na ja, Wuzzi ahnte ja nicht, dass wir am Abend vorher schon härtere Sachen zu uns genommen hatten.

Ein weiterer Programmpunkt in Bonn war der Besuch des Naturkundemuseums Koenig. Am Beeindruckendsten fanden wir ein riesiges Dinosaurierskelett in der Eingangshalle des Museums.

Jugendherberge Hermeskeil 1965Unsere nächsten beiden Standorte waren jedenfalls die Jugendherbergen in Morbach und in Hermeskeil beide im Hunsrück (in welcher Reihenfolge weiß ich nicht mehr). Von dort aus machten wir Ausflüge und Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung.

Ein Ausflug führte uns nach Trier, wo wir uns die Porta Nigra ansahen. Mir ist nur in Erinnerung geblieben, dass mich dieses schwarze, halb zerfallene Gemäuer damals nicht besonders beeindruckte. Porta Nigra in Trier 1965Eine Wanderung durch die Stadt über den Hauptmarkt führte uns zum Trierer Dom (katholisch) und zur Konstantinsbasilika (protestantisch), womit der religiöse Proporz gewahrt blieb. Weitere Ziele unserer Erkundung der römischen Vergangenheit Triers waren nach meiner Erinnerung die Kaiserthermen und das Amphitheater.

In Idar-Oberstein besuchten wir das Edelsteinmuseum, das für die Jungs in der Klasse wohl mit zu den langweiligsten Ausflugszielen zählte. Aber als Entschädigung hatte sich Herr Tech etwas besonderes ausgedacht: Ringwall von Otzenhausen 1965 (1)Wir suchten ein Restaurant auf, in dem es – aus der Klassenfahrtskasse bezahlt – für jeden einen Teller Spießsbraten mit Beilagen gab, angeblich eine Spezialität in Idar-Oberstein.

Ringwall von Otzenhausen 1965 (2)Einer der Höhepunkte „jedenfalls für unseren Klassenlehrer“ war eine Wanderung von Hermeskeil zum Ringwall von Otzenhausen, für uns damals ein unspektakulärer Haufen (angeblich von den Kelten) aufgeschütteter Steine, der aber wohl eine überregionale kulturhistorische Bedeutung haben musste, sonst hätte sie unser Reiseführer Tech ja wohl nicht als Ausflugsziel eingeplant.

Rast in der Eifel 1965 Viel lustiger fanden wir die Wanderung an sich, weil sich unser Reiseleiter dabei hoffnungslos zwischen Wiesen und Wäldern verfranste und uns ein Beispiel gab, wie man sich mit Hilfe eines Kompasses wieder orientieren kann – jedenfalls theoretisch. Wanderung in der Eifel 1965In der Praxis klappte das dann aber nicht so recht, so dass wir erst nach längerer Zeit und mit Hilfe uns zufällig über den Weg laufender Einheimischer wieder auf den rechten Weg gelangten.

Weitere Ausflüge führten uns an die Mosel. In Bernkastel-Kues (oder war es Traben-Trarbach) besichtigten wir eine Weinkellerei inklusive Weinprobe. Nachmittags wurde ein Freibad besucht.

Ein weiterer Ausflug führte zur Burg Eltz. Alles, woran ich mich erinnere, ist, dass der Fußweg hinauf zur Burg sehr eng und steil war und das im Burghof ein großer Haufen von Steinkugeln lag, die wohl früher mal als Geschosse benutzt worden waren.

Festung Ehrenbreitstein Koblenz 1965 (1)

In Koblenz besuchten wir die Festung Ehrenbreitstein auf der der Stadt und der Moselmündung gegenüberliegenden Rheinseite, wo sich einige Klassenkameraden als Höhlenforscher in den Felshängen betätigten. Festung Ehrenbreitstein Koblenz 1965 (2)Außerdem spazierten wir wieder auf der anderen Rheinseite zum Deutschen Eck an der Einmündung der Mosel und machten zu Füßen des Reiterstandbilds Wilhelm I. Pause. Mehr ist bei mir von unserem Koblenz-Besuch nicht haften geblieben.

Zum Abschluss der Klassenfahrt ging es nach Mainz. Vormittags streiften wir durch die Stadt und besichtigten Dom oder Kirchen oder ähnliches. Nachmittags besuchten wir das Gutenberg-Museum. Festung Ehrenbreitstein Koblenz 1965 (3)Nachdem wir dort die historische Buchdruckerpresse und alles weitere Interessante angesehen hatten, fingen einige von uns an, sich zu langweilen. Deutsches Eck Koblenz 1965Ein Klassenkamerad, dessen Name hier lieber nicht genannt werden soll, entdeckte an der Wand interessante Knöpfe und Tasten und begann, daran rumzuspielen. Daraufhin schlossen sich in dem modernen verglasten Museumsbau wie von Geisterhand alle Jalousien. Doch die Beschäftigung mit dieser Spielerei sollte nicht lange anhalten, denn kurz darauf wurden wir von einem resoluten Museumsmitarbeiter des Hauses verwiesen.

Von Mainz aus traten wir dann über Frankfurt die Heimreise an. Insgesamt war es eine sehr interessante und lustige Klassenfahrt, jedenfalls für uns Schüler. Die Erlebnisse wurden später im Rahmen eines Elternabends mit einem Diavortrag aufgearbeitet. Leider besitze ich keine Fotos von dieser Klassenfahrt.


Achim: Nachdem uns zunächst unklar war, in welchem Jahr diese Klassenfahrt in etwa stattgefunden hat, konnten unsere zunächst fehlerhaften Vermutungen schnell widerlegt werden. Aus den jährlichen Chroniken der Klaus-Harms-Schule geht klar hervor, dass in den den 60-er Jahren Klassenfahrten grundsätzlich in der Quarta, Untersekunda und Unterprima stattfanden. Diese begann am 21. Juni 1965. Im Jahresbericht von 1965/66 hat Tikos Mitschüler Eckart Pehrs (UIIm) darüber den nachfolgenden Bericht verfasst.

Holger Detlefsen:
Achim, Du hast natürlich Recht. Die Klassenfahrt fand vom 21. bis 30. Juni 1965 statt. Neben dem Artikel von Eckart Pehrs gibt es noch einen ausführlichen Bericht dieser Fahrt, denn wir mussten damals unsere Erlebnisse schriftlich festhalten. Für jeden Reisetag bzw. Reiseabschnitt waren immer 1-2 von uns zuständig. Insgesamt sind dabei 32 Seiten zustande gekommen. Für den 7. Reisetag – Dampferfahrt von Boppard nach Bacharach – waren übrigens Tiko und ich verantwortlich. Außerdem hat es über diese Fahrt auch noch einen Vortrag bei uns in der Aula gegeben, bei dem wir unsere Beiträge mit Dias unterlegt vorgetragen haben.


Klassenfahrt der UIIm an Rhein und Mosel

KHS-Jahresbericht 1964/65 - TitelblattUnsere Fahrt führte uns unter Leitung von Herrn Studienrat Tech an den Rhein, an die Mosel und in den Hunsrück.

Als wir von Süderbrarup abfuhren, gab es keine wehmütigen Abschiedsszenen zwischen Müttern und Kindern; wir alle gaben uns ziemlich gelassen, obwohl es für viele von uns die erste große Reise war. Bis Hamburg fühlten wir uns noch wie in der Heimat, doch dann bestiegen wir einen D-Zug nach Köln.

Von nun an war eine gewisse Unruhe zu spüren. Die Fahrt durchs Ruhrgebiet war das erste große Erlebnis der Reise. Die wenigsten hatten vorher solche riesigen Industrieanlagen gesehen. Auch der Kölner Dom, an dem wir allerdings nur vorbeifuhren, wurde bestaunt. Gegen Abend erreichten wir endlich unser erstes Ziel, Bonn.

Der ganze nächste Tag war mit der Stadtbesichtigung ausgefüllt. Wir gingen vom Bundestag, in dem wir eine Führung mitmachten, zum König-Museum und ins Geburtshaus von Beethoven. Überall gab es Interessantes zu sehen. Doch Stadtbesichtigungen sind immer ziemlich anstrengend, und darum erinnere ich mich besonders gern an die abschließende Ruhepause auf der Terrasse der neuen Oper. Wir genossen den Blick auf den Rhein und ins Siebengebirge. Zwei Glas Wein taten das ihrige, um diesem Tag einen unvergeßlichen Abschluß zu geben.

KHS-Jahresbericht 1965/66 - Klassenfahrt UIImUngefähr 15 Stunden später brachte uns der Zug in rasender Fahrt am Rhein entlang nach Koblenz. Diese Stadt wurde im Kriege zu 85 % durch Bomben und Artilleriebeschuß zerstört. Und doch gibt es hier noch viele Sehenswürdigkeiten. Am meisten beeindruckten uns das Deutsche Eck und die Feste Ehrenbreitstein, die nie durch Waffengewalt eingenommen werden konnte.

Am Nachmittag fuhren wir entlang der Mosel über Trier nach Hermeskeil. Wenn ich bei der Erinnerung an Bonn an eine ziemlich gemütliche Zeit denke, so verbinde ich in der Erinnerung die Tage in Hermeskeil mit recht anstrengenden Wanderungen, Zunächst wanderten wir zum Ringwall von Otzenhausen, einer alten Steinwallfestung, die die größte ihrer Art in Deutschland ist.

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug, wo uns besonders die Porta Nigra, die Römische Basilika und auch das Amphitheater beeindruckten. Die Arena ist zum größten Teil unterkellert. Es gab einen offenen Eingang zu diesen Gewölben, und so konnten wir die Räume für die Kämpfer und auch die Leichenkammern sehen.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von dem netten Herbergsvater in Hermeskeil und machten uns auf den Weg nach Morbach, wo uns am späten Nachmittag ein ziemlich unfreundlicher Herbergsvater erwartete. Er sprach dauernd von Ordnung und Sauberkeit, doch seine Herberge war die einzige, in der die Duschen nicht funktionierten, und auch die Waschräume wiesen Mängel auf. Und dennoch denke ich an unsere Zeit in Morbach gerne zurück, denn sie schlossen die Tage des Ausflugs zur Burg Eltz, der Rheinfahrt und des Besuchs von Bernkastel-Kues ein. Es war der Höhepunkt der Reise.

Die Burg liegt so versteckt, daß sie früher kaum zu entdecken war. Auf der anschließenden Rheinfahrt nach Bacharach kamen wir an unzählig vielen Burgen und auch an dem berühmten Loreleyfelsen vorbei. Wir befanden uns im Raume Bernkastel-Kues in der größten Weinberglandschaft der Mittelmosel. Wir besuchten auch einen Weinkeller, um den Werdegang des berühmten „Bernkasteler“ kennenzulernen. Der letzte Teil unserer Reise mit der Fahrt nach Idar-Oberstein war angebrochen. Der Ort ist besonders wegen seiner Edelsteinschleifereien bekannt. Wir besichtigten die älteste, die sogar noch durch Wasserkraft angetrieben wird. Auf der Rückfahrt fanden wir noch Gelegenheit, Mainz ausgiebig zu besichtigen.

Wenn ich noch einmal auf unsere Reise zurückblicke, dann fühle ich mich dankbar dafür, daß wir in verhältnismäßig kurzer Zeit so viel Schönes haben erleben dürfen.

9 Kommentare

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  1. Klaus Taege

    Hallo an alle Ehemaligen Mitschüler aus der UIIm 1965
    Ich habe gerade – als ich den tollen Bericht gelesen habe – rumgekramt und tatsächlich ein altes Fotoalbum von dieser Klassenfahrt gefunden. Die Bilder sind in schwarz/weiß und z.T. nicht ganz scharf, aber ich werde die mit Personen oder im Text genannten Orten drauf mal einscannen und an Tiko schicken. Übrigens hat Hartmut Schmidt tatsächlich gefilmt, ich habe den Beweis vor mir liegen.

  2. Holger Detlefsen

    Ja, ich habe mein Exemplar noch. Ist sogar noch gebunden. Ich werde es, sofern ich dran denke, nächstes Jahr mitnehmen. Übrigens sind hinten auch ein paar Bilder dabei, die laut Inhaltsverzeichnis von Wolfgang Petersen und Klaus Taege sind. Vielleicht haben die ja noch mehr davon.

  3. Holger Detlefsen

    Hallo Achim,

    Achim, Du hast natürlich Recht. Die Klassenfahrt fand vom 21. bis 30. Juni 1965 statt.
    Neben dem Artikel von Eckart Pehrs gibt es noch einen ausführlichen Bericht dieser Fahrt, denn wir mussten damals unsere Erlebnisse schriftlich festhalten. Für jeden Reisetag bzw. Reiseabschnitt waren immer 1-2 von uns zuständig. Insgesamt sind dabei 32 Seiten zustande gekommen. Für den 7. Reisetag – Dampferfahrt von Boppard nach Bacharach – waren übrigens Tiko und ich verantwortlich. Außerdem hat es über diese Fahrt auch noch einen Vortrag bei uns in der Aula gegeben, bei dem wir unsere Beiträge mit Dias unterlegt vorgetragen haben.
    Holger

    1. admin

      Hört sich gut an. Vielleicht kommen wir ja auch noch an die Dias.

      1. Holger Detlefsen

        ich meine die Dias waren alle von Herrn Tech

    2. Dieter Tikovsky

      Ach so, wenn ich für die Schule über diesen Reisetag etwas schreiben musste, dann wird mir auch klar, warum ich mich genau an diesen Abschnitt der Klassenfahrt nicht mehr erinnert habe.

      Holger, gibt es denn diesen ausführlichen Bericht noch irgendwo? Würde mich schon interessieren, wie man das damals so (offiziell) dargestellt hat.

      Zu den Fotos: Ich glaube, Hartmut Schmidt (jetzt Pastor in Brokstedt bei NMS) hat damals auch fotografiert oder sogar gefilmt,

  4. admin

    Hallo Tiko, das sind ja sehr umfassende Erinnerungen. Ganz toll. In welchem Jahr war denn das? Wer kann denn damals die Dias gemacht haben – Tech selber?
    Die Berlinfahrt stelle ich heute auch noch hier rein. Wir haben ein Jahr später fast die gleiche Fahrt gemacht. Da hab‘ ich noch ein „Tagebuch“ und einen Schlei-Boten-Artikel. Kommt alles sukzessive pö a pö.
    Achim

    1. Dieter Tikovsky

      Hallo Achim, wann fanden denn üblicherweise die Mittelstufenfahrten statt? Ich denke UIII oder OIII. Dann müsste es also 1963 oder 1964 gewesen sein. Ganz sicher fotografiert hat damals H.-J. Tech. Vorstellen könnte ich es mir auch von Hartmut Schmidt. Der war nach meinem Kenntnisstand zuletzt Pastor in Brokstedt bei Neumünster.

      1. admin

        Hallo Tiko,
        wie ich jetzt herausbekommen habe, fanden die Klassenfahrten in den 60-er Jahren grundsätzlich in der IV, UII und UI statt. Eure Klassenfahrt startete definitiv am 21. Juni 1965. So steht es im KHS-Jahresbericht von 1965/66 … und Eckart Pehrs hat darüber einen längeren Bericht verfasst.
        Ich habe das Jahr im Kopf der Überschrift ergänzt.
        Achim

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