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Feb 03 2012

Bilderrätsel Nr. 78 – Dehnthof

Ein Sprung zurück in die zwanziger Jahre!

Frage: Wo stand der Fotograf und in welche Straße blickte er?

Bilderrätsel Nr. 78 - Dehnthof (1925)Dehnthof - Foto: Eckhard Schmidt © 2012

10. Februar 2012

Trotz einiger Fachwerkhaus-Verwechslungen lag die Trefferquote bei diesem Rätsel mit 11 richtigen Antworten wieder sehr hoch.

Die Lösung lautet: Der Fotograf stand in der Schmiedestraße und blickte in den Dehnthof.

Eckard Schmidt hat den Standort wohl am präzisesten ausgemacht, indem er sich persönlich dort hinbegeben und ein paar aktuelle Fotos geschossen hat.

Kappeln - Hotel Hohenzollern (1914)„Der Fotograf hat damals vor der Durchfahrt des Hotels Hohenzollern zum Hinterhof gestanden. Direkt nebenan ist das Geschäft von Plath & Timmann.“

Auf dem Bild ist die Durchfahrt des Hotels gut zu erkennen. Dort, wo 1914 ganz links die beiden Männer posieren, mag ein paar Jahre später auch der Fotograf gestanden haben.

Peter Hansen beschreibt das Eckhaus so:

»Up de rechte Siet is över en mit Koppsteen plaasterte Vörplatz neuen de Straat de Sicht frie up dat schöönste Huus in uns Bühnenbild.

So recht kommodig Kappeln - Schmiedestraße/Dehnthof (um 1920)ünner en Mansardendack, up de een Siet mit en Giebelutbuu, wat se in Kappein „Franzspieß“ nöömt, steiht dat ole Huus an de Eck na´n Dehnthoff. Dat Fackwark is stellenwies scheef, opsett up en hoche Feldsteenmuur. Dorüm mutt dor ok en teemlich hoche, in de Mitt al stark afpedde Steentrepp mit en iesern Gelänner an beide Sieden to, dat een bet boben an de Huusdöör rupkümmt. Ok de is wedder in de Huuseck inarbeidet. De witte Farv vun de Facken un dat Teerswatt vun Balken un Steensockel heevt sik ünner de meist överleidig wuchern roden Kladderrosen fein af. Un wiel al enkelte vun de velen Rutenfinster meistto towussen sünd, lett dat Huus as so’n Kappeln - Schmiedestraße (um 1930)Märkenslott.«

Auf dem nächsten Foto ist es noch einmal zu sehen, allerdings mit inzwischen verputztem Fachwerk.

Bewohnt wurde das Eckhaus von „Tante Therese“ Jacobsen, der Mutter von „Husch-Husch“ (Willi Jacobsen), die auf der linken Seite des späteren Kaufhauses Plath & Timmann ein Kurzwaren- und Handarbeitsgeschäft betrieb.

1955 wurde das alte Gebäude abgerissen. Dehnthof - Foto: Eckhard Schmidt - Kappeln - © 2012Christian August Lund errichtete dort ein neues Geschäftshaus für seinen Groß- und Einzelhandel mit Tabakwaren. Nach seinem frühen Tod 1959 führte seine Frau und ab 1973 der Sohn Kai Lund das Geschäft weiter. Heute befindet sich hier eine Filiale von Kloppenburg (Rossmann).

Im Bericht „Altstadterneuerung in Kappeln“ wird die „trostlose, alle historischen Erinnerungen tilgende Modernisierung“ des „ehedem ohne Zweifel denkmalwerten Fachwerkhauses des 18. Jhs.“ beklagt:

»Die alte Ansicht offenbart die vormals unerhört malerische Wirkung an städtebaulich exponierter Ecksituation – in Wirkung und städtebaulicher Bedeutung dem ähnlich auffälligen Fachwerkhaus Mühlenstr. 7 unbedingt gleichzusetzen… Auf hohem Sockel (bei abfallendem Gelände) erhebt sich ein seinerzeit wohlhabend wirkendes Fachwerk-Traufenhaus mit geräumig-vornehmem Mansarddach. Mit unfehlbarer Sicherheit wurden hier die städtebaulichen Bezüge des Eckhauses akzentuiert: das breite, traditionell bretterverschalte Zwerchhaus zur Traufseite, das als Blickziel aus der unteren wie der oberen Schmiedestraße wirksam wird; die großflächige Stirnwand, die nur aus der Graphik von Fachwerk und Sprossen wie der gebrochenen Kontur des Giebels lebt, wendet sich offen zur unteren Schmiedestraße und nimmt gleichermaßen, indem sie auf einen denkbaren Krüppelwalm-Abschluß verzichtet, auch Rücksicht auf die Giebelstruktur der Häuser am Dehnthof. Sehr schön auch die fast beiläufige, aber der genannten Bezogenheit des Hauses entsprechende Eckplacierung von Treppe und Tür.«

Werfen nun noch einen Blick auf das angrenzende Gebäude Dehnthof 2. Dort befand sich der Zeitungsverlag des Schlei-Boten, gegr. 1864 von „W. G. Heides Erben“. Inhaber bis 1912 war Christian Lund sen., ihm folgten seine Söhne Christian und Paul Lund. Nach deren Tod wurden Verlag und die Druckerei von der Erben-Gemeinschaft weitergeführt. Bis in die sechziger Jahre leitete der Redakteur Heinz Kramer die Zeitung, zusammen mit Karl Rühs, der in dem Betrieb schon 1914 als Lehrling angefangen hatte. 1956 wurde der Verlag an Möllers Schleswig-Holsteinische Landeszeitung in Rendsburg verpachtet und 1960 an diesen verkauft. Die Leitung des Schlei-Boten hatte bis 1972 Georg Wingold.

Heute befindet sich die Lokal-Redaktion des Schlei-Boten ein paar Häuser weiter in der Schmiedestraße 11 neben der Stadtbücherei Kappeln.

Der Schlei-Bote und das Tabakwarengeschäft Lund wurden bei der Beantwortung der Rätselaufgabe gleich mehrfach genannt. Die richtigen Lösungen kamen diesmal (in chronologischer Reihenfolge) von Eckhard Schmidt, Almut Langenfeld, Gadso Weiland, Dieter Tikovsky, Bernd Sahlmann, Heino Küster, Dierk Isaack, Klaus-Detlef Schnoor, Runa, Thies Kölln und Andre Csambal.

Abschließend noch ein paar Ansichten vom anderen Ende des Dehnthofs:

Kappeln - Dehnthof (1907)Kappeln - Dehnthof (1940)

Kappeln - Dehnthof (1960)Kappeln - Dehnthof (1953)

Quellen:

Peter Hansen: Twischen Heringstuun un Möhl Amanda 144 Seiten, ISBN 3-934169-09-0 Hako Ekenis, 2001

Uwe Albrecht, Hans-Günther Andresen: Altstadterneuerung in Kappeln zwischen städtebaulichem Ideenwettbewerb und Ortsgestaltungssatzung in: Kappeln Sechshundertfünfzig 656 Seiten, 10 €, ISBN 978-3779369189 Heimatverein der Landschaft Angeln e. V., 2007

20 Kommentare

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  1. Andre Csambal

    Hallo,
    der Fotograf stand in der Schmiedestraße auf der Höhe wo heute Takko ist und blickt in den Dehnthof. Da wo in den zwanziger Jahren dieses Fachwerkhaus stand, steht heute eine Filiale von Rossmann. Liege ich richtig?

    1. admin

      Ja.

  2. Thies Kölln

    Hallo Achim,
    dies Gebäude stand Ecke Schmiedestrasse/Dehnthof! Im Haus war die Druckerei für den Schlei-Boten! Familie Heide. Im Nachbargebäude war lange die Verwaltung des Schlei-Boten!

    Gruß Thies

  3. Rolf Nagel

    Das Gebäude mit den Halbgardinen erinnert mich an eine Gaststätte….Könnte in der Schmiedestrasse sein… Es gab zu meiner Kinderzeit ein Lokal dort , das mit der öffentlichen Viehwaage in Verbindung stand. Das müsste etwa dort gewesen sein, wo heute „Photo Guth“ ist…, oder ein Gebäude daneben …. Dann wäre es die Kreuzung Schmiedestrasse / Marktstrasse (?)….???

    1. admin

      Hallo Rolf, du meinst Schwensen’s Gasthof
      (siehe Beschreibung im Bilderrätsel Nr. 46).
      Der ist es aber leider nicht.

  4. Runa Borkenstein

    Also, wie wär`s mit: „Der Fotograf stand in der Schmiedestraße und blickt in den Dehnthof“?

  5. Klaus-Detlef Schnoor

    Hallo Achim, man schaut von der Schmiedestraße in den Dehnthof. Das schöne Fachwerkhaus ist für den Neubau von Tabak Lund abgerissen worden.In dem großen Haus rechts davon war die Redaktion des Schlei-Boten zu Hause. Das Gebäude gegenüber ist auch durch einen Neubau ersetzt worden und beherbergte lange Jahre die Obst-Börse von Don Alfredo mit Außenstelle in der Querstraße neben Milchmann Wilken.
    Ganz kalt ist es auch hier bei mir, 21 Grad unter Null..
    Warme Gedanken und liebe Grüße
    Klaus-Detlef

  6. Runa Borkenstein

    Guten Morgen Achim,
    bevor ich meinem ersten Erkenntnisimpuls folge, will ich doch zunächst einmal aus meinen bisherigen Erfahrungen mit Deinen Antworten lernen. „Gaaanz kalt“ und „genauso kalt“ bedeuten eindeutig : Mühlenstraße no???

    Eine gute Woche wünsch ich allen Mitreisenden

    Runa

    1. admin

      Hallo Runa, so ist es!
      Mühlenstraße: eindeutig no!!!

  7. Dierk Isaack

    Hallo,
    bin der Meinung, das es das heutige ROSSMANN / KLOPPENBURG ist.
    Früher was dort noch der Tabakladen “ LUND “ soweit ich mich erinnern kann.

    Dierk

  8. Heino Küster

    Dann ein zweiter Versuch:
    Der Fotograf zeigt die Ecke Schmiedestraße/Dehnthof.
    Das Fachwerkhaus gibt es nicht mehr, dort an der Ecke ist jetzt das Kaufhaus Kloppenburg, rechts davon war ‚mal die Redaktion des Schleiboten untergebracht (heute noch?).
    Vorne rechts an der Ecke war auch ‚mal die Obstbörse…

    Besser?

    LG
    Heino

  9. Heino Küster

    Moin Achim,
    meine Vermutung ist, der Fotograf steht an der Einmündung der Prinzenstraße in die Mühlenstraße mit östlicher Blickrichtung. Das rechte, längere Gebäude gibt es noch und beherbergt heute ein griechisches Lokal, gegenüber ist heute Rieger. Das Linke Fachwerkhaus gibt es nicht mehr, leider.
    Also: schau’n ‚mer ‚mal, dann seh’n ‚mer schon ;-)

    Noch einen schönen Sonntag für’n Rest,
    Heino

    1. admin

      Leider genauso kalt!

  10. Bernd Sahlmann

    Da es in Kappeln wenig Häuser mit einer Treppe davor gab, wäre mein Vorschlag: Blick in den Dehnthof von der Schmiedestr. aus.

  11. Dieter Tikovsky

    Ich kenne mich im „alten“ Kappeln zwar nicht so gut aus, tippe aber auf die Ecke Schmiedestraße / Dehnthof. Das Gebäude neben dem Fachwerkhaus müsste dann der ehemalige Sitz des Schlei-Boten sein, wo früher in Schaukästen die aktuelle Zeitung aushing.

    Gruß Tiko

  12. Gadso Weiland

    Hallo Achim,
    der Fotograf stand in der Schmiedestraße und blickte in Richtung Dehnthof.
    Das Haus an der Ecke ist abgerissen worden, im Haus dahinter befanden sich in unserer Jugendzeit die Räumlichkeiten des „Schlei-Boten“.
    LG
    Gadso

  13. Manfred Rakoschek

    moinmoin,
    gefühlt ist es die kreuzung untere mühlenstraße, wo es in der marschrichtung der damen rechts runtergeht zum kohlenhändler und holzlagerplatz lorentzen und weiter hinten eine linkskurve kommt.
    auf einer der hier bei dir gezeigten postkarten sieht man aber dass unterhalb des durchganges zum anderen kohlenhändler zwei traufenständige häuser stehen.
    was denn nun? bin wohl zu spät geboren.
    mani

    1. admin

      Gaaanz kalt!

  14. Almut Langenfeld, geb. Weiland

    Lieber Achim, ich habe mich so über die Kirchtreppen gefreut, die ich wie Gadso natürlich Hunderte von Malen benutzt habe, weil wir „Anlieger“ waren, aber ich dachte, ich hätte noch bis Sonntag Zeit. So hatte noch eine Teilnehmerin mehr wenigstens die Absicht zu antworten. Deshalb ganz schnell zum neuen Rätsel:
    Auch diese Ansicht erinnere ich noch gut, das Fachwerkhaus an der Ecke Schmiedestraße/ Dehnthof war zu unserer Zeit das Zigarettengeschäft Lund, daneben steht im Dehnthof das Haus, in dem der Schleibote untergebracht war (ist?) Der Photograph (damals hieß das noch so)steht auf der linken Seite der Schmiedestraße – ungefähr bei Plath und Timmann.
    Viele Grüße aus dem verschneiten Eutin von Almut

  15. Eckhard Schmidt

    Der Fotograf stand in der Schmiedestraße vor dem Geschäft von Plath & Timman (Plath & Plünnen) und dem Hotel Hohenzollern und blickt in den Dehnthof.
    Auf der linken Ecke befindet sich heute das Geschäft von Kloppenburg (Rossmann).
    Vorher befand sich dort das Tabakwarengeschäft von Chr. Aug. Lund.
    In dem angrenzenden Gebäude befand sich damals der Schlei-Bote mit Druckerei.

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