Nov 23 2018

Hallig Hooge 1968 (3)

Vor 50 Jahren

Manfred Rakoschek

Photosafari auf Hallig Hooge

Exkursion der Fortgeschrittenenfotogruppe am Jugendhof Scheersberg
nach Hallig Hooge Pfingsten 1968 unter der Leitung
von Werner Ohmsen, Wanderup, und Walter Schröder, Bremen,
an der mein Freund Joachim und ich teilnahmen.

 

~ Ein Brief in die Zukunft ~

Lieber Manfred,

eben habe ich den Bericht über meinen Pfingstaufenthalt auf HalIig Hooge beendet.

Ich habe etliche Stunden darauf verwandt, aber es tut mir nicht leid darum, denn ich konnte so richtig in Erinnerung schwelgen. Ich weiß nicht, ob Du dem Text und den Bildern soviel entnimmst wie ich jetzt noch, aber Du wirst mir sicher zustimmen, wenn ich sage, daß man seine Ferien oder seinen Urlaub auf keine Art und Weise besser verbringen kann.

Erinnerst Du Dich noch an den Geruch des Schlicks und den Duft der Wiesen, an die Bläue des Himmels und den glutroten Feuerball am Abendhimmel, an die warmen Strahlen der Sonne, wenn man sich ins Gras legte, an den immerwährenden erfrischenden Wind, an das Raunen und Zischeln des Grases und den Schrei von Austernfischer und Rotschenkel, an das morgendliche Trillern der Lerche und das leise Lachen der Silbermöve?

Ich weiß nicht, ob Du inzwischen mal wieder dort warst, aber ich glaube, wenn Du noch keinen Urlaub dort verbracht hast, wirst Du das noch tun, ganz besonders, nachdem Du diese Mappe aus der Hand gelegt hast.

Kappeln, 26. August 1968

Manfred Rakoschek

Photosafari auf Hallig Hooge
Pfingsten Neunzehnhundertachtundsechzig

Wie es dazu kam? Nun, Joachim und ich sind begeisterte Photoamateure. Im Jahre 1967 hatten wir unter der Leitung von Werner Ohmsen und Walter Schröder an mehreren Wochenenden in Kiel, vom Landesjugendring schleswig-Holstein unterstützt, zusammen mit einigen anderen Amateuren die besten Bilder, die jeder zu dem Thema „Mensch und Technik – von der Kamera entdeckt“ geschossen hatte, im Format 50×60 vergrößert und aufgezogen, die dann am 3. Jugendgruppenleitertag des Landesjugendringes im Foyer des Kieler Schlosses gezeigt wurden.

Uns hatte es sehr viel Spaß gemacht, und als wir in der Zeitung davon lasen, daß Herr Ohmsen und Herr Schröder einen Ausflug der Photogruppe am Jugendhof Scheersberg nach Hallig Hooge zum Photographieren von Flora und besonders Fauna leiten würden, war es klar, daß wir mitfahren würden. Wir meldeten uns an und bekamen eine Einladung.

Am 31. Mai ging es sofort nach der Schule los. in Schlüttsiel, wo wir das Schiff bestiegen, freuten wir uns, als uns außer Herrn Ohmsen und Herrn Schröder ein paar andere Bekannte, die wir in Kiel kennengelernt hatten, begrüßten. Auf Hooge angekommen, begaben wir uns mit Sack und Pack zur Schullwarft, auf der wir wohnen würden, und nach dem Abendessen auf einen längeren Spaziergang auf dem Deich.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück begaben wir uns bei wunderschönem Sonnenschein zu zweit oder zu dritt auf Nestersuche, denn die zwei Austernfischergelege, die wir am ersten Abend gefunden hatten, würden uns kaum beschäftigen können. Es gab ja noch sehr viele andere Vogelarten. So entdeckten Herr Ohmsen und Herr Klettner auf wenigen Quadratmetern Muschelschalen dicht beisammen je ein Gelege vom Sand- (oder auch Halsband-) Regenpfeifer und der Zwergseeschwalbe.

Während wir auf den Wiesen nach Gelegen suchten, wurden wir in kurzen Abständen von laut schreienden Austernfischern und manchmal auch von Rotschenkeln angeflogen. Nachdem ich dann ein paarmal beinahe durch Austernfischergelege gelatscht war, konnte ich mit Sicherheit sagen, daß die wütenden Angriffe dieses Vogels (sie bestehen aus einem von lautem schreien begleiteten Anflug und scharfem Abbiegen vor dem Kopf des angegriffenen) in Lautstärke, Geschwindigkeit und Entfernung des abbiegenden (oder auch nicht) Vogels vom Kopf des Opfers indirekt proportional sind der Entfernung des Menschen vom Nest.

An den nächsten Tagen wurden weitere Nester gesucht (und gefunden: weitere Austernfischer-, Lerchen- und auch Flußseeschwalbengelege, leider aber nicht ein einziges Rotschenkelnest).

Bis auf uns beide Kappler fuhren die Photoamateure zur Vogelinsel Norderoog. Herr Schröder begab sich mit Kind und Kegel – PARDON: mit Frau, Sohn, Hasselberg und 400mm-Tele (das zuallerletzt in den Schlick fiel, wozu es eigentlich nicht gedacht war, aber fast nichts abbekam) auf die Seehundsjagd, und Frau Dr. Moritz und Fräulein Pissos trugen ihren botanischen Ambitionen Rechnung. Es tat uns allen leid, daß zu Anfang Herrn Klettner eine Kamera entzweiging. Er bekam aber eine geliehen und kam so doch noch zum Schuß.

Zum Schuß mit einem „dicken Tele“ kamen Joachim und ich, denn Herr Ohmsen lieh uns sein 240mm-Tele mit Kamera und Zweifachkonverter sowie Fotozelt. Wo ich gerade dabei bin: wenn ich auf Hooge überhaupt nichts gelernt, sondern nur meinen Spaß gehabt habe, es war mir bis dahin völlig unbekannt, daß in ein 1 x 1 x 1,5m großes Fotozelt drei (in Worten: 3) Personen passen, ohne daß es platzt, auseinander- (oder auch zusammen-) fällt und ohne daß die Vögel nicht wieder auf ihre Eier zurückkehren.

So ein Fotozelt ist sowieso eine feine Sache. Man kann es zum Beispiel mit etwas Geschick und Übung in fünf Minuten auf- und wieder abbauen, falls das notwendig ist. Aufbauen kann man es auf zwei verschiedene Arten, die eine (die Joachim und ich zu Anfang praktizierten) sieht vor, daß man das Zelt bei starkem Wind aufbaut, und zwar so, daß es herumflattert und laut knattert und daß eine Person sich dauernd im Zelt aufhalten muß, weil es sonst auf- (und davon-) fliegt. Die zweite (für Fortgeschrittene) sieht so aus, daß das Zelt bombenfest aufgebaut wird, damit die Vögel nicht vom Dienst am Nachwuchs abgehalten werden. Daß man außerdem bei dieser Gelegenheit die brütenden Vögel photographieren kann, war mir auch neu, daß es auch ohne Nest geht, bewies uns Herr Ohmsen, der sich einem sogenannten Knut photographierenderweise bis auf einen Meter näherte.

Abends setzten wir uns mal auf der Hanswarft, mal auf der Kirchwarft bei Teepunsch und Pharisäer zusammen. Obwohl wir nie vor zwölf in die Heia kamen, gelang es mir mit Joachims Hilfe, an einem Morgen weit vor vier Uhr aufzustehen. von meiner Wanderung über taunasse Wiesen kam ich dann mit einigen guten Bildern im Kasten zum Frühstück zurück.

Am darauffolgenden Morgen standen wir beide nach drei Stunden Schlaf um drei Uhr auf. Wir wollten eine Flußseeschwalbe, deren Nest wir tags zuvor entdeckt hatten, auf den Film bannen. Als wir losgingen, konnten wir noch nichts vom Wetter sehen, so dunkel war es noch. Optimistisch stellten wir unter dem wütenden Seeschwalbengeschrei das Zelt in Rekordzeit auf der triefenden Wiese auf. Im Zelt war es diesmal recht unbequem, denn eine Stunde auf den Hacken zu hocken, ist nicht jedermanns Sache. Schließlich aber wurde das Gras trocken.

Wir hatten mit 100 Aufnahmen auf Hooge gerechnet und entsprechend Film mitgenommen, aber jetzt, hinterher, kann ich sagen: 200 wären nicht zuviel gewesen. Man könnte wochenlang Tag für Tag hunderte von neuen Motiven entdecken, vom Sonnenuntergang bis zur Wandflechte auf den Steinen des Sommerdeiches, der die Insel schützt.

Auf der Hinfahrt begleiteten Möven unser Schiff, um ein paar Brotbrocken zu erhaschen.

Der wirkliche Grund: sie können in den Aufwinden hinter dem Schiff besser segeln.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Ein erster und ein zweiter Blick auf Hooge

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Weithin nur Wiesen mit tiefem Gras zum Waten, rotgepunktet von Blümchen,
über allem blauer Himmel, in der Luft Austernfischergeschrei und Mövenlachen

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Der große Priel bei Ebbe und die Kirchwarft

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Windrippeln auf einem Priel und die auflaufende Flut

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Steindämme zur Landgewinnung ziehen sich hinaus ins Watt.

Schilfinselchen, eben über das mittlere Hochwasser reichend

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Morgensonne über der Warft und an der Ostseite der Hallig

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Der morgendliche Wind und die Sonnenreflexe auf den Rippeln im Priel
spielen mit Gräsern und Halmen. Nicht nur salzhartes Gras ist hier zu finden,
auch Wegerich und die kleinen rosa Blumen, die hier alle Wiesen färben.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Heimkehr von der Jagd: Herr Ohmsen und Herr Klettner, Frau Dr. Moritz und Frln. Pissos

und Herrn Ohmsens Fotozelt

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Auf der Pirsch

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Herr Ohmsen

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Diese kleine Lerche war vom Nest weggelaufen.
Im hohen Gras war sie sehr schwer zu entdecken und zu photographieren,
denn sie war sehr flink und gut getarnt.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Lerchennester auf den Wiesen findet man nur durch Zufall.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Zu den Austernfischergelegen auf den Wiesen führen kleine Pfade,
die Eltern laufen immer dieselben Wege zum Nest.

Die Austernfischergelege sind nicht nur schmucklos, sie bestehen lediglich aus einer Vertiefung,
in die die Eier, die wunderbar getarnt sind, hineingelegt werden.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Der Halsbandregenpfeifer war so schnell wieder auf seinen Eiern und ließ sich kaum von ihnen entfernen, so daß von diesem „langweiligen“ Vogel wenige Bilder entstanden.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Nur äußerst selten landete die Zwergseeschwalbe auf ihren Eiern; meistens landete sie etwas weiter entfernt, oftmals auch nicht gleich beim ersten Anflug, und dann sah sie sich sehr lange sehr kritisch um, bevor sie sich entschloss, sich ihrem Nest zu nähern, um weiterzubrüten. Ein letzter Blick in die Runde, dann tippelte sie die fünf, sechs Schritte zum Nest, einer kleinen Vertiefung in den Muschelschalen, in die sie ihr Ei gelegt hatte. Sie rückte sich die harten Muschelsplitter zurecht und setzte sich bequem hin, ununterbrochen umherschauend. Bei ungewöhnlichen Dingen, möglicher Gefahr, sich tief ins Nest duckend, war sie dennoch immer bereit aufzufliegen und war dann Sekundenbruchteile später schon in der Luft.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Als ich morgens allein losgegangen war, traf ich auf dem Sommerdeich
eine Gruppe von etwa fünfzig Austernfischern.
Diese griffen mich, wie das rechte Bild zeigt, heftig an,
die lieben Tierchen fühlten sich wohl gemeinsam sehr stark.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Der Austernfischer auf dem Sommerdeich, bei dem Joachim und ich ansaßen,
gab nur Laut, wenn ihn etwas ärgerte.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Auch er war stets wachsam und sah sich dauernd um. Und wenn wir uns bemerkbar machten,
sah er uns misstrauisch an. Es konnte auch sein, daß er aufsprang und vom Nest weglief.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Dann legte er laut schimpfend etliche Meter zurück und kam in einem Bogen
zum Nest zurück, um seine Eier zu zählen.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Anschließend ließ er sich nieder und brütete mit Geduld,
bis er sich wieder einmal, beringt wie er war, vom Nest entfernte.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Vor der Rückfahrt sahen wir einen Hubschrauber
und auf der Rückfahrt einen müden Herrn Ohmsen.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Nov 23 2018

Hallig Hooge 1968 (2)

Vor 50 Jahren

Pfingstferien auf Hallig Hooge 1968

Ein Fototagebuch von Achim Gutzeit

~ Vorwort ~

Meine Pfingstferien 1968 verbrachte ich zusammen mit Manfred Rakoschek auf Hallig Hooge. Gemeinsam mit zehn anderen Teilnehmern am Fotolehrgang für Fortgeschrittene, der vom Jugendhof Scheersberg veranstaltet wurde, wollten wir Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt der Hallig auf dem Film festhalten.

Trotz der bemessenen Zeit, die uns zur Verfügung stand – es waren leider nur 4 Tage – wurden meine Pfingstferien durch diese Fahrt zu einem wahren Erlebnis. An dieser Stelle möchte ich allen meinen Dank aussprechen, die dazu beigetragen haben, welche da sind:

der Jugendhof Scheersberg, der die Exkursion veranstaltete,

die Kulturmark der Klaus-Harms-Schule, die uns die Hälfte der Fahrtkosten und der Teilnahmegebühr erstattete,

die Familie Carl Binge, die für die Unterbringung sorgte und uns aufs beste bewirtete

und nicht zuletzt:

alle Lehrgangsteilnehmer, die uns kameradschaftlich mit Rat und Tat zur Seite standen.

Kappeln, den 19. August 1968

Joachim Gutzeit

~ Halligdoot ~

De Sömmer is öber de Hallig gahn un het vel Gäst mitbröcht. Se wüllt de „romantische Welt“ ok maal kennenlehrn un vun de Halligminschen wat hörn. Een weer nu dortwüschen, de harr butenlands wat vun Störm un Floot lest. Nieschierig, as nu de Gäst eben sünd, fraagt he ok na dütt un dat un höllt de Lüüd in’e Arbeit up. Steiht he nu bi’n Halligbuur, de graad bi’n Sweln is.

„Sagen Sie, woran ist denn ihr Vater gestorben?“
„He bleew up See.“
„Und Ihr Großvater?“
„Bleew up See.“
„Und Ihr Bruder ist doch auch schon tot…“
„Ja“, seggt de Halligbuur, „den hebbt de Kurgäst dootfraagt.“

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Von Kappeln fuhren wir am Nachmittag des letzten Schultages vor den Pfingstferien mit dem Bus nach Flensburg, von dort nach Bredstedt und dann nach Schlüttsiel, wo wir die restlichen Lehrgangsteilnehmer bereits wartend antrafen, fast alle eingehüllt in dicke Jacken, feste, warme Hosen, Pudelmützen und Gummistiefel. Ich dagegen trug meine bequemsten Schuhe, eine dünne Sommerhose, ein noch dünneres Hemd und eine leichte Windjacke, die ich der Bequemlichkeit halber auch noch aufgeknöpft hatte. Nachdem wir uns vergewissert hatten, daß es sich bei den zwischen Koffern und Fototaschen herumstehenden eskimonichtunähnlichen Wesen tatsächlich um unsere Fotogruppe handelte und sie begrüßt hatten, kletterten wir alsbald auf das bereits wartende Schiff und tuckerten auf Kurs Hooge davon.

Obwohl ich mir in Anbetracht der anderen Lehrgangsteilnehmer meine Jacke bereits zugeknöpft hatte, fing ich an Bord des Schiffes auf einmal schauderlich an zu frieren, zumal ich mich mit Manfred und einigen anderen auf das doch immerhin in beträchtlichem Maße luftige Achterdeck begeben hatte. Das hatte ich nun von meinem Optimismus! Wie ich nun einmal bin, hatte ich als selbstverständlich vorausgesetzt, daß während unseres Hooge-Aufenthalts nur strahlender Sonnenschein herrschen würde. In meinem jugendlichen Leichtsinn sparte ich deshalb, um nicht soviel überflüssigen Ballast mit mir herumschleppen zu brauchen, in erster Linie an warmen Kleidungsstücken. So saß ich nun mit schlotternden Zähnen auf dem Achterdeck und klapperte am ganzen Körper.

Als alles nichts helfen wollte, versuchte ich zwischen biertrinkenden Halbstarken und möwenknipsenden Fotoamateuren meinen Geist wie meinen Körper in autogenem Training. Letzteres besteht darin, daß man sich möglichst gelockert hinsetzt, seine Hände auf die Oberschenkel legt und sich dann einzig und allein auf die rechte konzentriert. Wenn diese ganz schwer geworden ist, muß man dann plötzlich beide Hände kräftig zusammenfalten und sich schwungvoll von seinem Platz erheben. Auf diese Weise ist man im Nu wieder völlig frisch, und Zahnschmerzen, Migräne, Muskelkater, Kälte und, was es sonst noch an mehr oder weniger unangenehmen Zuständen gibt, werden durch das autogene Training ohne große Mühe aus dem Körper vertrieben. So jedenfalls stand es in einer Illustrierten, die ich einige Tage zuvor beim Friseur gelesen hatte, als ich mir meinen jährlichen Sommerschnitt verpassen ließ.

Doch wo war ich stehengeblieben…? Ach ja, ich versuchte mich also in autogenem Training. Zuerst setzte ich mich ganz gelockert auf eine Bank, auf der sich Herr Ohmsen und außerdem noch einige Taschen und Koffer befanden, die nicht dort hingehörten, ich packte die Sachen ein bißchen zusammen und schuf mir auf diese Art einen Sitzplatz, auf dem ich mich – wie ich bereits erwähnte – ganz gelockert niederließ. Ich legte beide Hände auf die Oberschenkel und machte mich ans Werk. Ich konzentrierte mich … und dann auf meine rechte Hand. Das letzte war leichter gesagt als getan, meine Hände waren nämlich so kalt, daß ich sie gar nicht mehr spürte. Um sie zu erwärmen, hauchte ich sie abwechselnd an, bis ich ganz aus der Puste war, und rieb sie (die Hände) dann so lange gegeneinander, bis ich ein schwaches Kribbeln in den Fingern verspürte.

Jetzt konnte es aber losgehen! Ich setzte mich wieder ganz gelockert auf die Bank, legte die angewärmten Hände auf die Oberschenkel und begann von neuem, mich zu konzentrieren. Hallig Hooge - Pfingsten 1968Da kam Manfred und berichtete mir, daß er schon einen halben Film mit Möwen vollhatte. Schließlich gelang es mir aber doch, den gesamten Kontakt mit meiner Umwelt abzubrechen und endlich in meinem Vorhaben fortzufahren. Noch einmal setzte ich mich ganz gelockert hin, legte beide Hände auf die Oberschenkel und konzentrierte mich auf meine – zum Glück noch nicht wieder allzu stark abgekühlte – rechte Hand. Sie wurde immer schwerer, und bald war sie so schwer, daß ich sie kaum noch tragen konnte. Da faltete ich beide Hände kräftig zusammen und sprang von meinem Platz auf. Zu meinem Verdruß mußte ich aber leider feststellen, daß mir trotz meiner Mühe um keinen Deut wärmer geworden war. Im Gegenteil! Weil ich solange stillgesessen hatte, fror ich nun noch stärker als vorher. Als ich mich auf die Bank zurücksetzen wollte, um mich von dem Schock zu erholen, hätte ich mich beinahe auf einer mittelälterlichen Dame niedergelassen, die inzwischen meinen Sitzplatz eingenommen hatte. Das konnte auch nur mir passieren! Ich fror wie ein Neger in der Tiefkühltruhe und überlegte krampfhaft, wie dem abzuhelfen war. Endlich entschloß ich mich, ins Bordrestaurant zu gehen und eine Tasse Kaffee zu trinken. Ich machte mich sofort auf den Weg, als Manfred mir auch schon in denselben trat und mir mitteilte, daß er nun schon fast den ganzen Film mit Möwen vollhatte. Ich schenkte ihm ein anerkennendes Lächeln und setzte dann unverzüglich meinen Weg fort – geradewegs gegen den hervorstehenden Bauch eines etwa 50jährigen vom Wirtschaftswunder nicht unbetroffenen Herrn, der im selben Moment aus der Tür des Restaurants trat. Obwohl ich mich höflich entschuldigte – eigentlich hatte er genauso viel Schuld wie ich, aber ich wollte mich gar nicht erst mit ihm streiten, weil mir mein Kaffee im Moment viel wichtiger war als eine solche Lapalie – obwohl ich mich also höflich entschuldigte, fing er laut an zu fluchen. Das sei die heutige Jugend, keine Augen mehr im Kopf! Früher hätte es… Mehr hörte ich nicht, weil ich die Tür zum Restaurant von innen schloß. Nach einigen Minuten Wartezeit kam die Kellnerin, um mich zu bedienen. Ich bestellte eine Tasse Kaffee. Es täte ihr furchtbar leid, sagte sie, aber es sei ihr leider nicht möglich, noch vor der Ankunft auf Hooge kochendes Wasser zuzubereiten! Zwei Minuten später legte das Schiff auf der Hallig an, und ich ging völlig deprimiert an Land.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

„Nach der Ankunft am 31.5. auf Hallig Hooge um 19.00 Uhr werden Sie mit einem Pferdewagen abgeholt und weiter zur Warft gefahren. Für die Unterbringung sorgt die Familie Karl Binge (Schulwarft).“

So stand es auf der Einladung, die wir vom Jugendhof Scheersberg erhalten hatten.
Herr Binge erwartete uns bereits, von einem Pferdewagen konnte ich allerdings nichts entdecken. Ein Wagen war zwar da, aber dem war ein Trecker vorgespannt. Außerdem war er nicht als Transportmittel für uns, sondern einzig und allein für das Gepäck gedacht. Zum Glück war aber Herr Binge mit seinem Opel da, und für Manfred und mich war gerade noch Platz. So brauchten wir wenigstens nicht das Stück von der Brücke bis zur Schulwarft (der richtige Name ist: Ockelützwarft) zu Fuß zu gehen. Im Auto wurde mir endlich etwas wärmer, was in Anbetracht der Enge, die in demselben herrschte, nicht weiter verwunderlich war.

Nachdem wir auf der Warft angelangt waren und auch die anderen, die den Weg zu Fuß zurücklegen mußten, endlich eintrafen, wurde uns das Abendessen serviert. Es schmeckte köstlich, alles war reichlich, und nach 5 bis 7 Tassen friesischen Tees war ich sowohl physisch als auch psychisch wieder völlig auf dem Damm.

Herr Schröder hatte uns vor dem Abendbrot noch einmal offiziell begrüßt und uns für unser Kommen gedankt. Nach dem Essen wies er dann mit einigen Worten darauf hin, wie er sich den ungefähren Verlauf unserer Exkursion vorstellte. Zum Tagesabschluß machten wir dann noch einen kleinen Spaziergang an der Küste entlang, wo wir bereits die ersten Austernfischergelege entdeckten. Als wir gegen zehn Uhr zurückkehrten, legten wir uns schlafen. Manfred und ich hatten ein Zimmer ganz für uns allein, das mit zwei Betten, einem Schrank, einem Tisch und zwei Stühlen ausgestattet war.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Am ersten Juni herrschte strahlender Sonnenschein. Nach dem Frühstück machten wir uns auf Motiv-, sprich: Nestersuche. Zusammen mit Manfred durchstreifte ich die Wiesen der näheren Umgebung. Austernfischer gab es genug, aber Gelege fanden wir in dem hohen Wiesengras vorerst noch keine. Einen Erfolg erzielten wir aber doch, indem wir nämlich unsere erste Angst gegenüber den schreiend um unsere Köpfe kreisenden Vögel überwanden, nachdem wir nämlich festgestellt hatten, daß sie völlig harmlos waren. Wir bemerkten, daß sie uns nur dann angriffen – so sah es jedenfalls aus –, wenn wir in eine bestimmte Richtung gingen, und mit großer Wahrscheinlichkeit war das doch wohl die Richtung ihrer Gelege. Diese Erscheinung wollten wir ausnutzen, doch konnten wir auch bei größter Anstrengung an diesem Vormittag keine Gelege entdecken. Dafür fotografierten wir alles andere, was sich uns bot:

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Nach dem Mittagessen fanden wir dann endlich das erste Austernfischergelege.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Am nächsten Vormittag, es war Pfingstsonntag, entdeckten wir dann noch eine Menge weiterer Gelege, alle enthielten 2, 3 oder 4 Austernfischereier.

Rotschenkelgelege dagegen waren wesentlich schwerer aufzufinden!

Als wir endlich eines entdeckt hatten, berichteten wir Herrn Schröder davon, der es kaum erwarten konnte, Aufnahmen vom Rotschenkel zu machen. Stolz führten wir ihn zu der Stelle, die wir gut gekennzeichnet hatten. Sofort errichtete er vor dem Nest sein Indianerzelt, das sich bei jedem Windstoß am liebsten davongemacht hätte. Wir beobachteten ihn aus geraumer Entfernung und fingen herzlich an zu lachen, als plötzlich das Zelt über ihm zusammenbrach. Er teilte uns hinterher mit, daß es sich nicht um ein Rotschenkel-, sondern nur um ein Lerchennest gehandelt hätte und er deshalb sein Zelt abgebrochen hätte. Das klang zwar etwas wie eine Ausrede für das umgefallene Zelt, aber späterhin sahen wir ein, daß es sich tatsächlich nur um ein Lerchennest gehandelt haben mußte.

Nun waren die Nester vielleicht ebenso selten und ebenso schwer zu entdecken wie Rotschenkelgelege, aber leider waren sie als Fotoobjekte undiskutabel, weil die kleinen Lerchen beim Brüten auch aus nächster Nähe kaum in dem hohen Gras zu erkennen waren.

Auch am Sonntag war das Wetter geradezu ideal, und ich sah mich in meinem Optimismus nun doch wieder bestätigt. Herr Ohmsen überließ uns ein Zelt, das er auf einer Muschelbank auf einer Wiese errichtet hatte. Aus dem Zelt konnte man gleich zwei Gelege fotografieren, nämlich das einer Zwergseeschwalbe und das eines Sandregenpfeifers.

Wir durften auch Herrn Ohmsens Kamera mit seinem Zweihundertvierziger benutzen und hatten keine große Mühe, in kurzer Zeit jede Menge Aufnahmen zu machen. Als jedoch mein erster Film nach beinahe 50 Auslösungen immer noch nicht voll war, stieg ein schrecklicher Verdacht in mir auf, der sich dann leider auch sofort bestätigen sollte: der Film war vom Anfang an nicht transportiert worden. Als ich das feststellte war ich ziemlich bedrückt, machte dann schnell noch drei Aufnahmen von der Schwalbe, damit ich wenigstens etwas hatte, und überließ dann Manfred den Apparat.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Am Nachmittag starteten Manfred und ich mit Kamera und Zelt von Herrn Ohmsen, um brütende Austernfischer zu fotografieren. Ein Nest hatten wir bald ausfindig gemacht, aber mit dem Aufbauen des Zeltes war das gar nicht so einfach. Zu unserer Entschuldigung möchte ich anführen, daß wir noch nie zuvor so ein Zelt aufgestellt hatten und daß unser redliches Bemühen zudem noch durch einen zünftig wehenden Wind erheblich beeinträchtigt wurde. Nach einer guten halben Stunde stand das Zelt aber doch, wenn ich auch, während Manfred fotografierte, immer aufpassen mußte, daß es weder zusammenbrach noch wegwehte. Aber was schreibe ich denn da…?! „Während Manfred fotografierte“ ist wohl nicht ganz richtig ausgedrückt. Was sollte er denn wohl fotografieren? Wir saßen zwar direkt vor einem Gelege, Austernfischer jedoch waren in einem Umkreis von mindestens 30 Metern um das Zelt nicht zu entdecken. Um uns die Wartezeit zu verkürzen, spielten wir eine Partie „Schummeln“. In weiser Voraussicht hatte ich zu Hause Skatkarten mit in meine Fototasche gelegt. Weil „Schummeln“ nun aber ein Spiel ist, zu dem mindestens drei Spieler gehören, Manfred und ich dagegen nur zwei waren, war es von vornherein ein aussichtsloses Unterfangen, das Spiel je im Leben zu einem Abschluß zu bringen. Nicht etwa, weil ein Austernfischer sich dem Gelege näherte, sondern einfach, weil ich keine Lust mehr hatte, brachen wir das Spiel ab. Während ich mir in einiger Entfernung vom Zelt ein wenig die Füße vertrat, wartete Manfred weiterhin geduldig – aber trotzdem erfolglos – auf die oder den für das Gelege verantwortlichen Austernfischer. Am späten Nachmittag brachen wir das Zelt ab und machten uns auf den Heimweg.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Am dritten Juni wollten wir früh aufstehen und den Sonnenaufgang fotografieren. Eigentlich hätten wir das bereits die beiden Tage davor wollen, aber Manfred hatte beide Male verpennt, zumal wir keinen Wecker besaßen. Am dritten wurde ich rechtzeitig wach, und unserem Unternehmen stand nichts mehr im Wege.

Dachten wir!

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Die Sonne ging zwar auf, aber gleichzeitig bewölkte der Himmel und kündigte uns zum ersten Mal während unseres Aufenthalts schlechtes Wetter an.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Bald verschwand die Sonne ganz hinter den Wolken. Ich hatte mich nicht besonders warm angezogen und fing deshalb bald an zu frieren. Da es mit dem Wetter doch nichts rechtes zu werden schien, ging ich zurück zur Warft und legte mich noch etwas hin. Zum Frühstück traf auch Manfred auf der Warft ein. Er hatte an diesem Morgen auf der anderen Seite der Hallig ein bißchen mit dem Teleobjektiv von Herrn Ohmsen herumexperimentiert. Mittags wurde das Wetter zusehends besser, und wir nahmen uns für den Nachmittag vor, noch einmal auf den Austernfischer anzusetzen.

Zusammen mit Herrn Ohmsen zogen wir los. Natürlich erzählten wir ihm nicht, wie wir uns am Tag zuvor mit dem Zelt abgemüht hatten. Wir wollten uns nicht blamieren, nachdem wir Herrn Ohmsen gesagt hatten, wir könnten mit einem Zelt umgehen, als wir uns es bei ihm ausgeliehen hatten.

Wir paßten gut auf, auf welche Weise er es aufstellte und gaben ihm einige Hilfestellung. Wenn man es richtig anfing, so sahen wir, konnte man das Zelt auch bei stärkerem Wind standhaft errichten. Das Wetter war nicht besonders, nur ab und an kam die Sonne einmal kurz zwischen den Wolken hervor. Manfred und ich ließen Herrn Ohmsen allein im Zelt und legten uns vierzig Meter weiter ins Gras, von wo aus wir das Zelt und die Vögel beobachteten.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Als Herr Ohmsen einen Film voll hatte, winkte er uns zu, und wir begaben uns zu ihm ins Zelt, nachdem ich schnell noch eine Nahaufnahme vom Gelege gemacht hatte.

Da es ab und zu ein wenig regnete, blieb Herr Ohmsen bei uns im Zelt. Es war zwar ein bißchen eng, denn für drei Personen plus deren Fotoausrüstungen war das kleine Zelt ja nicht gedacht, aber mit etwas gutem Willen ließ es sich schon aushalten. Schnell spulte ich einen Film in die Kamera, als auch schon ein Austernfischer sich dem Nest näherte. Etwas scheu kam er angetrippelt, blieb dann plötzlich stehen und fing an zu schreien. Nachdem er sich wieder beruhigt hatte, setzte er dann seinen Weg aber doch fort, blieb kurz vor seinem West noch einmal stehen und ließ sich dann zum Brüten auf die vier Eier nieder, die ziemlich ungeschützt auf den Steinen der Uferböschung lagen. Ich machte noch einige Aufnahmen, während der Vogel auf dem Nest saß, und bannte ihn in den verschiedenen Posen auf den Film.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Plötzlich gab es einen Wolkenbruch. Das Pladdern auf der Zeltwand wurde immer lauter, doch es kam kein Tropfen hindurch. Mit dem Wetter wurden auch die Lichtverhältnisse immer schlechter, der Austernfischer aber blieb ruhig auf seinen Eiern sitzen, um sie vor Nässe und Kälte zu bewahren. Das war immerhin etwas. Schnell schraubte ich das Teleobjektiv von der Kamera ab und setzte zwischen beide den Konverter, den Herr Ohmsen mitgenommen hatte. Mit doppelter Brennweite (480mm) machte ich dann trotz der schlechten Lichtverhältnisse noch eine Aufnahme von den Regentropfen, die wie Perlen an dem Gefieder des Austernfischers herunterrollten. Dann war mein Film voll. Ich war sehr zufrieden mit der Ausbeute an diesem Nachmittag und ließ Manfred an die Kamera.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Auch Herr Ohmsen machte noch einige Schnappschüsse von Regentropfen an Schnabel und Gefieder des Vogels, bis der Regen endlich etwas nachließ. Dann packten wir unsere Sachen zusammen, brachen das Zelt ab und machten uns auf den Heimweg. Wir hatten Glück, daß der Regen jetzt fast völlig aufhörte. Sonst wären wir ganz schön durchnäßt auf der Warft angekommen. So aber blieb es bei nassen Füßen, die sich wegen des nassen, hohen Grases kaum vermeiden ließen.

Am späten Nachmittag wurde das Wetter wieder besser, und so blieb es uns nicht versagt, an diesem Abend im Cafe Seehund auf der Backenswarft noch einen echten friesischen Teepusch zu uns zu nehmen. Als wir zu unserer Warft zurückkehrten, bat ich mir von Herrn Ohmsen noch einmal seinen Apparat und sein Zelt aus. Zusammen mit Manfred wollte ich am nächsten Morgen Flußseeschwalben fotografieren, deren Gelege wir tags zuvor auf einer Wiese entdeckt und gekennzeichnet hatten. Ich hoffte, daß wir am Dienstagmorgen rechtzeitig aufwachen würden, es war schließlich unser letzter Tag auf Hooge. Obwohl wir erst gegen halb zwölf ins Bett gegangen waren, wachte ich am nächsten Morgen um viertel nach drei auf und weckte Manfred. Zum Glück hatten wir unser Zimmer für uns beide ganz allein, so daß wir niemand durch unseren nächtlichen Aufbruch störten. (Jochen behaupte zwar, wir hätten einen fürchterlichen Lärm gemacht, aber ihn nahmen wir sowieso nicht ernst.)

Noch vor Sonnenaufgang zogen wir los. Als wir an einem Gelege angelangt waren, machten wir uns unverzüglich daran, das Zelt zu errichten. In Anbetracht der um unsere Köpfe kreisenden Seeschwalben benötigten wir diesmal nur zehn Minuten dazu. Wir warteten eine ganze Zeit. Da wir nur knappe vier Stunden geschlafen hatten, da ich keine Karten bei mir hatte und da wir hockend im Zelt sitzen mußten, weil das Gras ziemlich naß war, war diese Wartezeit recht anstrengend. Zuerst sprachen wir gar nicht miteinander, aber dann fing Manfred bald an, auf mich einzureden, wir sollten das Zelt lieber an einer anderen Stelle aufbauen, aber ich hörte nicht auf ihn. Ich konnte seine Ungeduld verstehen, denn schließlich war er nur mitgekommen, um mir Gesellschaft zu leisten. Fotografieren wollte ich. Die Spannung im Zelt ließ nach, als ich mich schließlich einfach in das nasse Gras setzte und Manfred meinem Beispiel folgte. Ein nasser Hosenboden war uns lieber als ein Muskelkater in den Oberschenkeln, denn es war wirklich fürchterlich strapazierend, wie wir vorher gehockt hatten. Jetzt verging die Zeit viel schneller, und es wurde direkt interessant, als die Seeschwalben die ersten ängstlichen Versuche unternahmen, auf dem Nest zu landen. Endlich wurde dann unsere Geduld belohnt.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Nachdem ich etwa fünfzehnmal den Auslöser betätigt hatte, hörte ich auf, und wir brachen das Zelt ab. Wir waren verdammt hungrig nach dieser morgendlichen Exkursion und kamen gerade rechtzeitig zum Frühstück auf der Warft an. Nach dem Frühstück wollten Manfred und ich uns noch einmal auf Austernfischerjagd machen. Wir errichteten das Zelt vor einem Gelege, gaben es aber, nachdem nach einer Dreiviertelstunde immer noch kein Austernfischer in Sicht war, auf und brachen das Zelt hurtig ab.

Vor einem anderen Gelege stellten wir es von neuem auf. Wir waren jetzt schon so routiniert, daß wir für den Zeltaufbau und -abbau zusammen nur noch knappe zehn Minuten benötigten. Aber auch an dem zweiten Nest hatten wir kein Glück. Mit aufgesetztem Konverter gelang es mir immerhin noch, einen in ziemlicher Entfernung vorbeilaufenden Austernfischer und eine sich putzende Seeschwalbe aufzunehmen.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Nach dem Mittagessen hatte dann unser letztes Stündchen auf Hooge geschlagen. Wir mußten uns auf die Heimreise machen. An der Brücke beobachteten wir noch einen Hubschrauber der Bundesmarine, und dann bestiegen wir das Schiff, welches kurz darauf ablegte.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Als wir und von der Brücke entfernten, warf ich ihr noch einen letzten Blick (durch den Sucher meiner Kamera) zu. Etwas wehmütig dachte ich noch einmal an die herrlichen Tage zurück, die ich auf der Hallig erlebt hatte. Der Abschied fiel mir wirklich nicht leicht. Als bleibende Erinnerung an meine Pfingstferien auf Hallig Hooge legte ich im August 1968 diese Mappe an. Diese Arbeit machte mir großen Spaß, es kam mir vor, als erlebte ich meine Pfingstferien noch einmal. Und ich hoffe, daß ich das gleiche Gefühl haben werde, wenn ich in späteren Jahren diese Mappe einmal wieder zur Hand nehme.

Hallig Hooge - Pfingsten 1968

Nov 23 2018

Hallig Hooge 1968 (1)

Vor 50 Jahren

Fotolehrgang des Jugendhofes Scheersberg

Exkursion auf die Hallig Hooge

31. Mai ~ 4. Juni 1968

Manfred Rakoschek - Hallig Hooge 1968Achim Gutzeit - Hallig Hooge 1968

Neben der Klassenfahrt nach Berlin war dieses gemeinsame Pfingst-Wochenende eines der herausragendsten und nachhaltigsten Erlebnisse meiner Jugend Ende der sechziger Jahre:

Erinnert ihr euch noch an das Fotozelt aus dem Jubiläums-Kappuzzle® 250 vor drei Jahren?

Fotozelt (Hallig Hooge 1968)

Inzwischen habe ich alle Materialien gesichtet und teilweise bereits aufbereitet und werde diese nun in einzelnen Beiträgen (s. u.) und einer umfangreichen Bildergalerie präsentieren. Bis auf diese Bildergalerie, für die ich zunächst noch einmal etwa 100 Negative (neu) scannen muss, schaffe ich das Projekt wohl in diesem Jahr noch.

Beginnen wir mit der Einladung und einem Arikel aus dem Rotstift.

Nach unserer erfolgreichen Teilnahme am Projekt „Mensch und Technik“ der Fotoarbeitsgemeinschaft des Landesjugendringes Schleswig-Holstein 1967 wurde auch die Teilnahme an diesem Ereignis wieder von unserer Schule unterstützt und gesponsert.

Die „Kulturmark“ der Klaus-Harms-Schule übernahm nicht nur die Hälfte der Teilnahmegebühr von 5,- DM, sondern auch die Hälfte der Fahrtkosten – die andere Hälfte wurde vom Jugendhof Scheersberg erstattet. Unterm Strich beliefen sich die Kosten für Teilnahme, Unterbringung und Verpflegung sowie An- und Abreise also auf genau 2,50 DM pro Person.

Jugendhof Scheersberg - Einladung zur Exkursion (16.05.1968)

ROTSTIFT Nr. 18 (Juli 1968)Photosafari auf Hooge

ROTSTIFT Nr. 18 (Juli 1968)

Ihre Pfingstferien verbrachten zwei Unterprimaner, Joachim Gutzeit und Manfred Rakoschek, auf Hallig Hooge. Zusammen mit zehn anderen Mitgliedern der Photoarbeitsgemeinschaft des Jugendhofes Scheersberg wollten sie die Fauna der Halligen auf den Film bannen.

Vom Wetter ROTSTIFT Nr. 18 (Juli 1968), Seite 61begünstigt, machten sich alle bereits nach der Ankunft am Freitagabend auf die Nestersuche. Der Erfolg war noch bescheiden. Die drei Austernfischergelege, die wir fanden, bestanden aus ein paar Gräsern auf den Steinen des Deiches, auf die die Eier gelegt waren.

Am Sonnabend teilte man sich. Drei Gruppen gingen auf Nestersuche (mit viel Erfolg), eine vierte wartete darauf, daß sich eine Zwergseeschwalbe und ein Sandregenpfeifer auf ihr Gelege zurückbegaben.

Am Sonntag gingen die einen ins Watt, um Seehunde zu photographieren, die anderen saßen mit ihren „Geschützen“ bei der Zwergseeschwalbe und dem Sandregenpfeifer. Außerdem wurden weitere Nester entdeckt, Austernfischergelege auf den Wiesen und sogar Lerchennester. Rotschenkelgelege fand man leider nicht, sie waren zu selten und zu versteckt angelegt.

ROTSTIFT Nr. 18 (Juli 1968), Seite 62Am Montagmorgen gab es etwas Regen, aber erst der Wolkenbruch am Nachmittag verurteilte die Photofans zum Drinnen-Sitzen. Die Zeit wurde jedoch nicht vertan, man benutzte sie zum Fachsimpeln. Am Dienstagmorgen vor Sonnenaufgang gingen die beiden Kappler dann noch los, um eine brütende Flußseeschwalbe zu photographieren. Ihre Geduld wurde belohnt.

Für alle waren diese zum großen Teil sonnigen Tage nicht nur eine willkommene Ausübung ihres Hobbies außerhalb der Dunkelkammer an der frischen Luft, man lernte auch dazu. Dem Wetter und dem Geschick der Photoamateure, nicht zuletzt aber auch der Geduld der Vögel ist es zu danken, daß jeder über 100 Aufnahmen, einige sogar noch mehr, „im Kanten hatten“.

Die Photos werden zu Hause entwickelt und ausgewertet. Am 7./8. September dann werden die besten Aufnahmen auf dem Scheersberg zu einer Mappe zusammengestellt. Diese zeigt, was die Photoamateure zusammengetragen haben. Sie soll dem Jugendhof Scheersberg als Dank dafür, daß er diese Exkursion möglich gemacht hat, zur Verfügung gestellt werden.

MANFRED RAKOSCHEK

Achim Gutzeit – Fototagebuch
~ Pfingstferien auf Hallig Hooge 1968 ~

Manfred Rakoschek – Photomappe
~ Photosafari auf Hallig Hooge ~

Foto-AG – August 1968
~ Bildmappe für den Jugendhof Scheersberg ~

In Vorbereitung (2019):

Bildergalerie
~Hallig Hooge ~ Pfingsten 1968 ~

Nov 23 2018

Bilderrätsel Nr. 489 – Bestattungswald Wassermühlenholz

Nun ein Foto – passend zur Jahreszeit.

Was zeigt es?

Bilderrätsel Nr. 489

2011 wurde ein Teil des Wassermühlenholzes als Bestattungswald eingeweiht.

Richtig gelegen mit ihrer Antwort haben Harro Mehne, Heino Küster, Konrad Reinhardt, Holger Petersen , Wolfgang Dase, Angelika Rossen-Bürger, Regina Blätz und Runa Borkenstein.

Die Fotos stammen wieder einmal von Michaela Fiering.

Bestattungswald Wassermühlenholz - Foto: Michaela Fiering (11.11.2018)

Nov 20 2018

Bilderrätsel Nr. 488 –
Fritz Krassow | Uni-Mensa Kiel

Vor 50 Jahren

The one in the middle sings „hey, diddle, diddle“ – nein Singen war wirklich nicht seine Profession.

Wie hieß dieser Lehrer?

Der Grund für die die Veröffentlichung dieses Rätsels am heutigen Tag führt uns zur zweiten Frage:

In welchem Gebäude/Raum hat Manfred Rakoschek dieses Foto im November 1968 gemacht?

Einige von euch haben sich dort früher ganz bestimmt häufig aufgehalten.

Bilderrätsel Nr. 488

In der Chronik des Schuljahres 1968/69 ist zu lesen:

16.11.1968 – Die Primen und einige Lehrer fahren zum Universitätstag nach Kiel.

Ich habe über dieses Ereignis einen Bericht verfasst, der – ergänzt durch zwei Fotos von Mani – am 20. November 1968 im Schlei-Boten erschien.

Kappler erlebten »Universität und Land«

Großveranstaltung der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft in Kiel

Primaner taten einen Blick in den Unibetrieb

K a p p e l n (jg). Zum sechsten Male in 13 Jahren hatte die Schleswig-Holsteinische Universitätsgesellschaft zu ihrer Veranstaltung „Universität und Land“ nach Kiel eingeladen. Sinn der Veranstaltung: Schüler und Lehrer sollten am Beispiel der Kieler Christian-Albrechts-Universität einmal selbst sehen, welche Möglichkeit eine moderne Universität einem Studenten heute bieten kann. Außerdem konnten kulturelle Einrichtungen der Stadt Kiel besichtigt werden.

Neben Lehrern, Elternvertretern usw. galt die Veranstaltung besonders den Schülern der Unter- und Oberprimen der Gymnasien in allen Sektionen der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesllschaft. Unter der Führung des Kappler Sektionsleiters, Oberstudienrats Tech, fuhren 60 Teilnehmer aus Kappeln, überwiegend Schüler und Schülerinnen der Unter- und Oberprimen der Klaus-Harms-Schule, in die Landeshauptstadt. In der nahezu voll besetzten Mensa der Christian-Albrechts-Universität begann die Veranstaltung mit der Begrüßungsansprache durch Se. Magnifizenz Prof. Dr. Horst Braunert. Anschließend sprachen Kultusminister von Heydebreck, Stadtrat Dr. Heinz Kiekebusch und stud. phil. Bernhard Achterberg.

Nach den Ansprachen stand von 10.30 bis 13 Uhr die Besichtigung von Universitätsinstituten auf dem Programm. Da das Angebot sehr reichhaltig war und die Kappler Besucher fast alle verschiedenen Institute gewählt hatten, trennte sich die Gruppe und kam erst zum Abendessen wieder zusammen. Die große Anzahl, vor allem aber die Vielfalt und Verschiedenartigkeit der Gebiete boten den Schülern eine Menge Anregungen für ein späteres Studium. Beeindruckend war, daß fast in allen Instituten nur modernste Geräte verwendet wurden. Außerdem ist noch erwähnenswert, daß man in einigen Instituten nicht nur passiver Zuschauer und Zuhörer war, sondern selber an verschiedenen Geräten etwas ausführen konnte. So z. B. in der Mineralogie; hier durfte jeder Besucher selbst unter einem Mikroskop Gesteinsproben untersuchen.

Um 13.30 Uhr kehrten alle Besucher aus den verschiedenen Universitätsinstituten in die neue Mensa der Christian-Albrechts-Universität zurück und nahmen dort das Mittagessen ein. Für den Nachmittag waren vier Veranstaltungen zur Wahl angeboten worden. Wohl die größte Zahl der Besucher fuhr mit den bereitstehenden Bussen zu einer Besichtigung der Kunsthalle. Leider blieb nach einer Begrüßungsansprache durch den Direktor des Museums nur noch eine Stunde zur Besichtigung, die kaum ausreichte, um alle Schätze der Kunsthalle kennenzulernen. Wer nicht an der Besichtigung der Kunsthalle teilnahm, hatte noch die Möglichkeit zwischen einer Stadtrundfahrt, einer Besichtigung des Freilichtmuseums in Molfsee und einer Diskussion über Fragen der Hochschulorganisation und -reform zu wählen.

Zum Abendessen traf sich die Sektion Kappeln im Studentenwohnheim „Haus Michael“. Nach einigen Informationen und einem Rundgang durch das Heim wurde das Abendessen serviert. Die letzte Veranstaltung des Tages war ein Theaterbesuch. Auch hier hatte man vorher wählen können. Während ein großer Teil im Schauspielhaus das Schauspiel „Landshuter Erzählungen“ sah, ging der restliche Teil der Besucher ins Stadttheater, wo die Oper „Die verkaufte Braut“ gezeigt wurde.

Wenn man ein Resumee über das Gebotene zieht, muß man sagen, daß die diesjährige Veranstaltung „Universität und Land“ ein voller Erfolg war. Besonders zu loben ist die Organisation der Veranstaltung. Die Busse, in denen die Gäste nach Kiel gekommen waren, wurden nicht nur für die Hin- und Rückfahrt benutzt, sondern auch am Tage für die Veranstaltung eingesetzt. An den Instituten, Museen und Studentenheimen standen immer rechtzeitig ausgeschilderte Busse und studentische Führer und Führerinnen bereit, um die Besucher zur folgenden Veranstaltung zu bringen. Die Teilnahmegebühr betrug nur 8 DM pro Person. Darin waren außer Theater und Besichtigungen auch Hin- und Rückfahrt sowie Mittagessen, Kaffee und Abendessen enthalten. Die Veranstaltungsteilnehmer aus der Sektion Kappeln trafen zufrieden und teilweise sehr beeindruckt von dem Gebotenen gegen Mitternacht wieder in Kappeln ein.

CAU Kiel - Foto: Manfred Rakoschek (16.11.1968)CAU Kiel - Foto: Manfred Rakoschek (16.11.1968)

CAU Kiel - Foto: Manfred Rakoschek (16.11.1968)CAU Kiel - Foto: Manfred Rakoschek (16.11.1968)CAU Kiel - Foto: Manfred Rakoschek (16.11.1968)

CAU Kiel - Foto: Manfred Rakoschek (16.11.1968)CAU Kiel - Foto: Manfred Rakoschek (16.11.1968)CAU Kiel - Foto: Manfred Rakoschek (16.11.1968)

Zu erraten galt es Herrn Krassow und die Uni-Mensa in Kiel.

Ersteres gelang mühelos Heino Küster, Sabine Brunckhorst-Klein, Konrad Reinhardt, Runa Borkenstein, Katr!n Wummel, Holger Petersen, Wolfgang Dase, Eckehard Tebbe, Gadso Weiland, Harro Mehne und Christian Rust.

Auf die Mensa tippten Konrad Reinhardt, Wolfgang Dase, Holger Petersen, Sabine Brunckhorst-Klein, Runa Borkenstein, Heino Küster, Hans-Werner Panthel und Katr!n Wummel.

Schlei-Bote vom 20.11.1968

Nov 19 2018

Weihnachts-Buchtipp – Anne Blum

Eigentlich war dieser Buchtipp schon fertig und für die Veröffentlichung im Oktober konzipiert, als ich davon überrascht wurde, dass die Autorin soeben einen neuen Roman veröffentlicht hat, nämlich „Sommer in Super 8“.

Einen entsprechenden Buchtipp hatte ich einfach hintendrangehängt, hatte aber zum Erstlingswerk noch einige Fragen an die Autorin. Daraus ergab sich dann, dass ich das aktuelle Buch vorgezogen und ihren Debüt-Roman jetzt etwas später, aber immer noch rechtzeitig vor Weihnachten vorstelle.

Während in der Presse der „Sommer“ als ihr „erster literarischer Roman“ gehandelt wird, hat Anne Müller dieses Buch unter dem Pseudonym Anne Blum bereits im Oktober 2016 veröffentlicht und schon damals erklärt:

„Ich habe mich bewusst dafür entschieden, um das vom Drehbuchschreiben und weiteren literarischen Veröffentlichungen zu trennen. In der Unterhaltungsliteratur sind Pseudonyme sehr üblich.“

Und mir schrieb sie am 1. Oktober:

Morgen kommt das Interview mit mir im Schleiboten, so ist es jedenfalls geplant. Dort erwähnen wir die „Hasen“ und den vorigen Roman nicht, weil ich das ein bisschen auseinander halten möchte und weil es ja jetzt um das neue Buch gehen soll, und das andere lief eben unter einem anderen Label, der Unterhaltung, und daher unter Pseudonym.

Sei’s drum!

Hier kommt er jetzt jedenfalls, mein Weihnachtsbuchtipp:

Anne Blum
Hasen feiern kein Weihnachten

Als das Buch vor zwei Jahren erschien, hat die Autorin, die übrigens zusammen mit Katr!n Wummel und Maren Sievers 1983 ihr Abi in Kappeln gemacht hat – es auch in einer Lesung in Kappeln vorgestellt.

Buch-Cover: Hasen feiern kein WeihnachtenBuch-Cover: Hasen feiern kein WeihnachtenTessa, geboren und aufgewachsen in Kappeln, pflegt das Weihnachtsfest mit ihrem Freund regelmäßig in Thailand zu verbringen, da er – im Gegensatz zu ihr – mit dem ganzen Weihnachtsgedöns nichts am Hut hat.

Diesmal kommt es anders. Kurz vor Heiligabend zerbricht die Beziehung und Tessa flüchtet aus dem nasskalten Berlin zu ihren Eltern nach Kappeln… 

Mir hat das Buch natürlich besonders deshalb gefallen, weil ich mich sofort in der heimeligen Umgebung wiedergefunden habe, obwohl Tessa Gutzeit (ja, so heißt die Protagonistin des Romans) zum Zeitpunkt der Handlung etwa dreißig Jahre jünger ist als ich.

Allerdings entstammen die Erinnerungen „an früher“ wohl eher der Autorin selbst, von ihr trennt mich nur noch die Hälfte der Jahre, daher gibt es zwischen uns so etwas wie eine Erinnerungs-Schnittmenge aus den 60er- und 70er-Jahren, während Tessas Kindheit sich im Kappeln der 80er abgespielt hat.

Vielleicht ist diese humorvoll-romantische Weihnachtslektüre eher etwas für die weibliche Leserschaft, ist aber besonders aufgrund des authentischen Lokalkolorits auch für nostalgisch angehauchte Männer mit Kappeln-Bezug lesenswert.

Schaut euch einfach die zahlreichen „Bewertungen“ bei den einschlägigen Internet-Buchhändlern an.

Außerdem gibt es auch wieder eine im Internet frei verfügbare LESEPROBE.

Ich wollte jedenfalls nicht versäumen, euch rechtzeitig zum Fest auch auf dieses „Kappeln-Buch“ hinzuweisen.

Anne Blum
Hasen feiern kein Weihnachten

Verlag: Berlin Verlag
Taschenbuch
240 Seiten
Erscheinungstermin: 4. Oktober 2016
ISBN: 978-3-833-31085-0
Preis: 9 €

Nov 17 2018

1978 – 60 Jahre Matrosenaufstand

Vor 50 Jahren

60 Jahre Matrosenaufstand - Festveranstaltung 1978

Einen Tag später gab es im NDR 2 in der Sendung „Pop & Politik“ einen Beitrag über diese Veranstaltung. Leider hat mein damaliger Mitschnitt eine grottenschlechte Qualität, aber als Zeitdokument …

Immerhin gibt es dort u. a. den damals 91-jährigen Lothar Popp zu hören – im November 1918 Vorsitzender des obersten Arbeiter- und Soldatenrates in Kiel.

 

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