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Sep 08 2013

Klassenfahrt der UIIs 1964

Kürzlich schickte mir Jens Busch einige Fotos von einer Klassenfahrt, die ich mithilfe der Schulchronik 1964/65 schnell zuordnen konnte:
„22.06.1964: UIIs geht auf Klassenfahrt in den Harz mit Studienassessor Wendt.“
Passend dazu habe ich im entsprechenden Jahresbericht der Klaus-Harms-Schule auch einen kleinen Reisebericht gefunden.


Klassenfahrt in den Harz

(aus dem Jahresbericht 1964/65)

KHS-Jahresbericht 1964/65»Am 22. Juni fanden sich 23 erwartungsvolle Schüler, die sich in sicherer Obhut des Klassenleiters uns seiner Frau wußten, auf dem Bahnhof Süderbrarup ein, um die 10-tägige Klassenreise nach St. Andreasberg im Oberharz anzutreten. Gut gemeinte Ratschläge fürs Kofferpacken wie ungewaschene, alte Socken, ausgelatschte Schuhe, und was der ungewöhnlichen noch mehr waren, die es angeblich wert sein sollten, eingepackt zu werden, ließen uns Böses ahnen. Doch vorerst mußten solche Probleme wie: „wie schone ich meine Hühneraugen?“ und: „wie erhalte ich meine Fersen in menschenwürdigem Zustand?“ den Schwierigkeiten, die eine (versehentlich?) gezogene Notbremse und ein Kurparkfrevelverdacht am ersten Tag unseres Aufenthaltes mit sich brachten, Platz machen.

Doch schon am zweiten Tag, jeglicher seelischen Belastung bar, sahen wir uns dem unwiderruflichen Aufruf gegenüber: Tageswanderung zum Oderteich. Wider jeder Erwartung überstanden (fast) alle die 18 km ohne größere Komplikationen. KHS - Klassenfahrt der UIIs 1964Voll der neuen Eindrücke, glaubten wir uns durchaus weiterem Energieverbrauch für noch weitere Routen gewachsen und freuten uns schon auf den nächsten Tagesmarsch.

Aber schon der nächste Tag sollte uns eines Besseren belehren. Der Ehrgeiz Herrn Wendts, uns mit möglichst vielen Schönheiten des Harzes (ich meine Schönheiten der Natur!) bekannt zu machen, sollte uns dem Wurmberg näher bringen. Guter Dinge zog man bei verheißungsvollstem Wetter frühmorgens los. Doch es dauerte nicht lange, da verstummte das fröhliche Singen; die Sonne brannte heißer; der Weg wurde länger, immer länger … Verzweifelte Ausrufe wie: „Oh, Wurmberg, wie bist du so hoch!“ wurden laut. Man scheuchte uns über angebliche Abkürzungen in Gestalt schier unbezwingbarer Hänge, über die bald Gerüchte unter uns laut wurden, sie hätten 90 Grad Steigung und mit der Untermalung „quatschender Schuhe“, in denen das Wasser schon im Gleichschritt schwappte, arbeiteten wir uns durch unwegsame Paludes.

Doch gerade noch rechtzeitig vor unserem endgültigen Zusammenbruch hielt der Wurmberg auf, höher zu sein, und eine überwältigend schöne Aussicht von der Wurmbergschanze brachte den wohlverdienten Lohn. Die Überraschung, daß wir mit der Seilbahn absteigen würden, wurde in diesem Augenblick wohl für viele von uns zu der schönsten Kunde ihres Lebens. Ein erfrischendes Bad in Braunlage ließ unsere Lebensgeister dann vollends wieder erwachen.

Herr Wendt hatte noch viele andere schöne Wanderrouten in die nähere und weitere Umgebung für uns bereit, die wir alle unter dem Motto „So weit die Füße tragen“ brav abmarschierten. Unter anderem durften wir uns noch einmal als wackere Gipfelstürmer bei KHS - Klassenfahrt der UIIs 1964der Bezwingung des Achtermanns erweisen. Dieses Mal allerdings bedachte uns Petrus nicht mit einer subtropischen Hitzewelle, sondern empfing uns auf dem Gipfel mit einem Platzregen, der die Stimmung jedoch keineswegs beeinträchtigte.

Auf daß uns auch Sehenswertes, was nicht unbedingt im Bereich des „Ermarschierens“ lag, nicht länger vorenthalten würde, führte uns eine Busfahrt über Braunlage und Hohe Geiß nach Zorge (um nicht gänzlich aus der Übung zu kommen und um die völlige Genesung just angeheilter Blasen zu verhüten, marschierten wir vKHS - Klassenfahrt der UIIs 1964on Hohe Geiß nach Zorge zu Fuß) dann zur Klosterbesichtigung Walkenrieds, auf die ein Abstecher an die Zonengrenze folgte. Weiter führte die Fahrt uns nach Bad Sachsa, wo uns nichts erstrebenswerter erschien, als eine Eisdiele ausfindig zu machen. Bad Lauterberg – Odertalsperre – Erikabrücke waren die Stationen der Heimfahrt.

Der letzte Tag unseres Harzaufenthaltes war ausschließlich einem äußerst strapaziösen Besichtigungsprogramm gewidmet. Für Goslar war der ganze Vormittag reserviert, auf daß uns ja nichts Sehenswertes entgehe. Den Nachmittag füllten diverse Klosterbesuche. Unser anfängliches Desinteresse verflog, als wir uns im Kloster Grauhof einem Franziskanermönch gegenübersahen, der uns lange von sich und über sein Leben als Mönch erzählte. Über Okertal ging es dann zum letzten Mal zurück, um die Koffer zu packen; denn am nächsten Morgen früh um 6 hieß es aufbrechen zur Heimfahrt.

(Maike Schwerdt, UIIs)«