Mai 09 2024

Bilderrätsel Nr. 762 – Mühle Ellenberg/Loitmark

Hier kommt noch einmal das Motiv aus dem Bilderrätsel Nr. 485 – leicht „aufgefrischt“ und verbunden mit einer neuen Frage!

Wie das Foto aus dem letzten Bilderrätsel (Nr. 761) ist auch dieses um 1910 entstanden.

Deshalb gibt es eine gewisse Verbindung zwischen den beiden Aufnahmen.

Frage: Um welches Detail handelt es sich?

Mühle auf Gut Loitmark

Bilderrätsel Nr. 762

Auf beiden Rätselfotos blicken wir von Kappeln nach Schwansen und auf beiden Bildern ist eine Mühle zu sehen, die ansonsten nur auf sehr wenigen Ansichten zu finden und über die bisher allgemein kaum etwas bekannt war.

Diese Mühle als gemeinsames „Detail“ entdeckt haben Konrad, Heino, Maren, Harro, Horst, Kalli, Klaus-Dieter, Regina, Hauke und Spezi.

Die Loitmarker Mühle
1783 – 1919

Gegenüber von Kappeln auf der Schwansener Seite der Schlei befand sich früher das Gut Loitmark. Dazu kann man einiges nachlesen in der (nicht ganz fehlerfreien) „Topographie des ehemaligen Gutes Loitmark“ von Hans-Peter Wengel. Die alte Mühle wird dort aber nur am Rande erwähnt:

Eine holländische Windmühle lag in der Nähe des Hofes Loitmark und war vererbpachtet. Alle Gutsangehörigen waren zu dieser Mühle zwangsverpflichtet.

Loitmarker Mühle (19. Jh.)

Es handelt sich um eine „Holländer Zwickstellmühle“, wie wir sie heute z. B. noch in Gettorf finden.

Der untere Teil des Achtkantbaus war mit längsliegenden Brettern in Klinkerbauweise verschalt. Die Stützen der Galerie („Zwickstell“) ruhten auf dem Boden, das Dach war mit Reet gedeckt. Anfangs besaßen die Flügel noch Segel für den Antrieb, später wurden sie durch Jalousinenklappen ersetzt.

Direkt neben der Mühle gelegen befand sich nördlich das gleichzeitig errichtete Wohnhaus des Müllers, das heute – nach diversen Umbauarbeiten – dort immer noch steht, während die Mühle schon seit mehr als hundert Jahren nicht mehr existiert.

Kein Wunder also, dass selbst ortkundige ältere Schwansener sich nicht mehr daran erinnern.

Loitmarker Mühle (um 1910)

Seit 1719 gehörte das Gut Loitmark (mit dem Dorf Ellenberg) der Familie „von Dewitz“, ab 1781 der Witwe Anna Johanna von Dewitz, geb. von Rumohr.

Diese überließ per Erbpachtvertrag Nicolai Heinrich Hansen die „Ochsenkoppel“ auf Loitmark mit der Erlaubnis, dort unter festen Nutzungsauflagen eine „Graupenmühle“ zu errichten.

Hier einige – der Lesbarkeit wegen – überarbeitete und gekürzte Auszüge aus dem Vertrag
vom 23. August 1783.

Zwischen der Hochwohlgeborenen Frau von Dewitz, Besitzerin der Adeligen Güter Loitmark und Espenis, und dem Herrn Nicolai Heinrich Hansen auf Dalsgaard bey Rinkenis, ist zum Behuf einer von letzterem auf dem Gute Loitmark zu erbauenden Graupen-Mühle folgender Erbpacht-Contract wohlwissentlich und wohlbedächtlich geschlossen worden.

Die Frau von Dewitz als Erbverpächterin überlasset dem Erbpächter Nicolai Heinrich Hansen auf der zu dem Gute Loitmark gehörigen Ochsenkoppel, unten bei dem itzt vorhandenen Stegels, ohnweit des Dorfes Ellenberg zwey und einen halben Schipp Landes, jedes Schipp zu vier und zwanzig Quadrat-Ruthen für eine vor Anfang des Baues zu erlegende Summe von fünfzig Reichsthalern grob Courant klingende Münze, um darauf eine Graupenmühle mit den dazu nöthigen Gebäuden aufzubauen, welche Mühle er hiernächst dergestalt in Erbpacht nimmt, daß er solche für eine unten zu bestimmende jährliche Erb-Häuer, von Erben zu Erben, aus seiner, des itzigen Erbpächters als ersten Erwerbens Familie so wohl man- als weiblichen Geschlechts, bester convenience nach, nuzzen und gebrauchen könne, jedoch wenn er oder der letzt verstorbene Mühlen-Besitzer gleich nahe Erben hinterläßt, nur einer von ihnen jedesmal die Mühle in Erbpacht bekommen solle.

Die inne- und außen Einrichtung der Mühle und Mühlen-Gebäude wird dem Gutbefinden des itzigen Erbpächters überlassen, auch ihm frey gestellet, welche und wie viele Mühlengänge und andern Mühlenwerke er darin anlegen will.

Alle Kosten der Mühle hat der Müller zu tragen.

Der Pächter darf Hypotheken auf das Gebäude aufnehmen oder die Mühle verkaufen. Hierzu muß er aber die Gutsobrigkeit unterrichten.

Die jährliche Erb-Häuer für die Mühle cum pertinentis wird endlich eine Summe von fünfzig Dänisch grob Courant klingender Münze festgesetzt, die der Erb-Pächter jedes Jahr in die Gutsherrschaftliche Casse zu bezahlen hat.

Dem Pächter wird weiter versichert, daß auf dem Gutsareal keine zweite Mühle errichtet wird.

Quelle: Landesarchiv Schleswig, Abt.195/490a

Damit können wir den Bau der Loitmarker Mühle auf 1783 datieren. In Betrieb genommen wurde sie aber erst im Jahr darauf, weshalb für 1784 statt 50 auch nur 40 „Dänisch grob Courant“ an Pacht gezahlt werden mussten.

Loitmarker Mühle (um 1900)Loitmarker Mühle (um 1900)

Achtzig Jahre später wurde die Loitmarker Mühle noch einmal aktenkundig, als der damalige Müller Henning Jeßen einen nicht genehmigten Mahlgang („Mühlengang“) eingerichtet und in Betrieb genommen hatte. Der „Französische Gang“ mit Mahlsteinen aus fanzösischem Süßwasserquarz diente zur Herstellung von Mehl in höchster Qualität wie z. B. besonders feinem Weizenmehl.

Warum der Müller dafür eine Erlaubnis brauchte, ist unklar. Denn eigentlich war ihm vertraglich die Einrichtung der Mühle einschließlich der Mühlengänge – zumindest deren Anzahl – freigestellt.

Aber es kam zu einer Meldung der Gendarmerie in Holzdorf an das für sie Güter in Schwansen zuständige Königliche Comissariat in Eckernförde.

In Folge einer von der Gendarmeriestation Holzdorf anhero erstatteten Meldung hat der Müller Jeßen bei Loitmark im verwichenen Sommer einen neuen s. g. französischen Gang angelegt und in Benutzunq genommen, ohne im Besitze der dazu erforderlichen Concession zu sein.

In dieser Veranlassung ersuche ich die Gutsobrigkeit, nach Vernehmung des genannten Müllers und event. nach desfalls angestellter näherer Untersuchung mich mit einem Berichte über diese Angelegenheit gefällig zu versehen.

Königlicher Comissariat für den Schwansener adeligen Güterdistrict.
Eckernförde, den 24. Sept. 1863

Nach der Anhörung des Müllers durch den Gutsvorsteher wurde am 5. Oktober 1863 …

… dem Müller untersagt, den Mühlengang zu benutzen, solange er sich keine Genehmigung vom Kaiserlichen Ministerium eingeholt zu haben.

Quelle: Landesarchiv Schleswig, Abt. 195/487

Seit 1875 gehörte das Gut Loitmark zum Herzoglich-Glücksburgischen Fideikommiss.

1905 beschloss die Herzogliche Gutsverwaltung von Loitmark, den Mühlenbetrieb zu verkaufen.

Herzog Karl von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg überließ dem damaligen Müller Jeßen das Vorkaufsrecht, doch dieser erwarb die Mühle nicht.

Der letzte Mühlenbesitzer hieß Emil von Bjelke, der sie 1919 schließlich abreißen ließ.

Immerhin wurde die Mühle auf dem Gut Loitmark stolze 136 Jahre alt.

Mai 07 2024

Youtube-Tipp – Video Walks

Völlig ungewöhnlich, ich weiß. Aber in diesem Fall kann ich euch meine „Entdeckung“ nur im Original präsentieren.

Da spaziert jemand mit professioneller Ausrüstung durch die Gegend und lässt „den Film“ einfach laufen. Dabei entstehen „Video Walks“ von 20-30-minüter Länge, meistens komplett ungeschnitten mit Originalton.

So auch sein Spaziergang durch das nahezu Corona-leere Kappeln 2021, aus dem ich euch hier nur einen Appetithappen anbieten kann – den ich allerdings mit etwas Musik unterlegt und die Bildqualität stark reduziert habe.

Das 4K-Original und auch die Spaziergänge z. B. durch Maasholm und Arnis schaut euch bitte direkt auf dem Youtube-Kanal von Comfy Excursions an.

Mai 06 2024

Bilderrätsel Nr. 761 – Fährberg

Anfang des vorigen Jahrhunderts entstand dieses Foto.

Frage: Wo befinden sich die beiden Mädchen?

Fährberg

Bilderrätsel Nr. 61

Die beiden stehen unten am Fährberg – heute „Am Hafen 5“ („Cameo“). Das Eckgebäude wurde um 1905 von Peter Kruse als Kontor- und Wohnhaus errichtet. Dass sich vor 1914 im Erdgeschoss außerdem ein „Manufakturwaren-Geschäft“ befunden hat, hatte ich schon mal gelesen. Jetzt wissen wir, dass es sich dabei offenbar um ein Schuhgeschäft handelte.

Kappeln - Fährberg (um 1910)

Zum Vergleich 3 Fotos, die hier schon zu sehen waren:

Kappeln - Fährberg (50er-Jahre)

Kappeln - Fährberg (70er-Jahre) - Adventskalendermotiv 2019

Kappeln - Cameo - Foto: Michaela Fiering (13.07.2019)


Der Standort der Mädchen wurde klar erkannt von Heino, Konrad, Spezi, Hans-Werner, Jürgen, Harro, Klaus-Dieter, Regina, Maren, Michaela, Claus, Runa, Horst und Hauke.

Mai 05 2024

Die Kürbisbande

2017 habe ich einen Beitrag über die Kürbisbande verfasst, der auch so bestehen bleibt.

Aber auf der Basis der ergänzenden Kommentare und den aktuellen Erinnerungen von Bernd Koch habe ich jetzt eine überarbeitete Fassung erstellt.

Die Kürbisbande

In den 50er-Jahren trieb in Kappeln und Umgebung die „Kürbisbande“ ihr Unwesen und versetzte viele Kappler – besonders uns Kinder – in Angst und Schrecken. Zur Vermummung trugen sie manchmal ausgehöhlte Kürbismasken.

Aber was haben sie eigentlich angestellt? Welchen Schrecken haben sie verbreitet? Woher kam unsere Angst? Alles nur Märchen?

Und die spannendste Frage: Was waren das für Leute?

So viel ist klar: die Kürbisbande gab es wirklich und es handelte sich dabei um „halbstarke“ Jugendliche, die dem Alkohol zusprachen und sich – wie andere in diesem Alter – irgendwie abreagieren mussten. Aber an mehr kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern – außer dass wohl der Sohn von Bäcker Hubert Klatt, dazugehörte, weshalb ich auch schon mal auf ein Eis verzichtete, wenn ich „Dicker“ Klatt im Café entdeckt hatte.

Zu meinem kleinen Beitrag gab es zwei weiterführende Kommentare:

Wolfgang Jensen schrieb:

Ich habe neulich einen alten Kappler (84 Jahre) nach der Kürbisbande befragt. Er meinte sich erinnern zu können, dass die sich oft in der Gastwirtschaft Bornschein in der Mittelstraße (später Charmaine) getroffen haben. Der Anführer soll aus der Ecke Kopperby/Karby gekommen sein und wurde „Kürbis“ wegen seiner besonderen Kopfform und seiner auffällig platten „Boxernase“ genannt.

Konrad Reinhardt zitierte aus der Chronik des TSV Nordschwansen-Karby:

In den Jahren 1957 und 1958 kam die Vereinstätigkeit wieder zum Erliegen.
Es war ein Glücksumstand, dass der Karbyer Bürger und Tierarzt Dr. Georg Hell mit einigen engagierten Bürgern den Verein wieder aufleben ließ. Vor allem hatten sich diese Bürger unter der Führung Dr. Hells zum Ziel gesetzt, ziellos herumstreunende Jugendgruppen, genannt „Kürbisbande“, die sich des Alkohols bedienten und die Bürger der Gemeinde in Angst und Schrecken versetzten, zu vernünftigen Aktivitäten zu bringen, wobei der Sportverein exakt die richtige Gruppierung war.

Dass sich die „Keimzelle“ der Kürbisbande tatsächlich in Karby und nicht in Kappeln befand, hat jetzt auch Bernd Koch bestätigt:

Mit dem Aufkommen von Bill Haley, Elvis und anderen Musikern wurde ein neues Zeitalter eingeläutet. Dieses war für die Generation vor uns eine Situation, mit der diese nicht fertig wurde. Anders als im „Tausendjährigen Reich“ haben sich die jungen Leute ab ca.16 Jahren zusammengetan, um zu feiern und auch die neue Musik zu hören, die ja „Negermusik“ war und zu allem Übel wollte man auch noch Nietenhosen tragen, die aus Amerika kamen.

In Kappeln trafen wir uns nach den Schularbeiten und liefen die Schmiedestrasse auf und ab. Manchmal waren wir bis zu 15 Leute. Das galt bei manchen „Bürgern“ als Zusammenrottung. Dies war die sanfte Version.

Etwas härteres entstand in Karby und Umgebung. Hier waren die jungen Leute etwas älter und überwiegend beruflich tätig. Sie hatten als Erkennungsmerkmal rote Jacken und schwarze Hosen, die Calypsohosen genannt wurden. Wer viel Geld hatte, konnte sich Lederjacken leisten. Die anderen mussten sich mit sogenannten Blousons zufrieden geben, die man in Kappeln bei Poppenhusen kaufen konnte. Herr Poppenhausen war übrigens ein Mensch mit Verständnis für junge Leute. Stets zu einem Gespräch bereit. Das alles passte aber nicht jedem Erwachsenen aus „glorreichen Zeiten“.

Ganz schlimm war es, dass auch Klaus-Harms-Schüler Mitglieder bei der Bande waren. Die Auftritte der Bande fanden in Kappeln meistens am Wochenende statt. Die Jungs kamen entweder mit Auto, Moped und auch Trecker nach Kappeln und versammelten sich in besagter Kneipe [Bornschein], die einen schlechten Ruf hatte nicht zuletzt auch dadurch, weil sich auch amerikanische Soldaten, die auf der Radarstation in Falshöft stationiert waren, dort herumtrieben und auch „Neger“. Für Bürger war dieses Lokal offiziell tabu, aber nach genügend Vorglühen in anderen Lokalen wurde auch die sogenannte „Genickschussbar“ gerne besucht. Das gleiche galt für den „Flensburger Bahnhof“, später „Leuchtturm“.

Es gab in Karby vernünftige Menschen, die sich Gedanken gemacht haben. Es waren – wie geschildert – der Tierarzt Hell und ganz besonders der Mediziner Dr. Luth, übrigens auch bekannt als Heimatschriftsteller. Soweit ich weiß, wurde ein Raum für Treffen organisiert. Dennoch wurden weiterhin Treffen in Kappeln abgehalten.

Eine sehr traurige Angelegenheit gab es 1958. Einige Leute der Gruppe, ich glaube es waren 4, fuhren mit einem Trecker nach Kappeln, waren betrunken und wollten nach Karby zurückfahren. In Ellenberg hinter dem Gasthof in der Kurve lag ja damals eine Schmiede. Die Jungs haben die Kurve nicht richtig bekommen und stürzten mit dem Trecker den Abhang hinunter. Es gab Opfer, wieviel Tote weiß ich nicht mehr. Dies sprach sich in der Stadt und auch in den Schulen herum, es gab ja noch Samstagunterricht. Wir liefen auch hin. Es waren viele Menschen dort.

Dies war auch bald das Ende der Gemeinschaft. Die besorgten Bürger von Kappeln und Umgebung konnten aufatmen, taten mir aber sehr leid, weil sie dann auf ihren Stammtischen keinen Grund mehr hatten, sich aufzuregen.

Mai 03 2024

Bilderrätsel Nr. 760 – The Searchers

bebopalulaVor 60 Jahren

Im „neuen“ MP-Heft habe ich etwas ganz Tolles gefunden. Leider ist die Bildqualität (trotz mühsamer Nachbearbeitung) immer noch miserabel.

Warum ich vor lauter Begeisterung das Foto trotzdem als Rätselmotiv anbiete, erfahrt ihr bei der Auflösung. Ich hatte diesen „magischen Moment“ meines Leben schon mal erwähnt.

Musik Parade Nr. 21 | Mai 1964

Frage: Wer ist das und was war der Anlass für dieses Foto?

Bilderrätsel Nr. 760

11. April 1964

The Searchers mit Carlheinz Hollmann

Bilderrätsel Nr. 760

Musik Parade Nr. 21 | Mai 1964

Im Mai-Heft 1964 der Musik Parade gab es u. a. einen Artikel über die Searchers mit einem winzigen, fast zu übersehenden Foto, das sich jetzt als „Missing Link“ meiner musikalischen Biografie herausgestellt hat.

Dass der Auftritt der Searchers in der Aktuellen Schaubude 1964 – nach vielfältiger musikalischer „Vor-Sozialisation“ – meine persönliche Initialzündung für die neue Musik war, hatte ich bereits berichtet. Leider war diese Sendung oder gar dieser Auftritt nirgendwo dokumentiert und von den musikverrückten Mitreisenden konnte sich auch niemand daran erinnern.

Musik Parade Nr. 21 | Mai 1964Jetzt dieses Foto und diese Bildunterschrift in der Musik Parade! Aller Wahrscheinlichkeit hatte das Ereignis also im April 1964 stattgefunden.

Da die Schaubude jeden Sonnabend um 19.10 Uhr live gesendet wurde, habe ich alle auffindbaren Auftrittsdaten der Searchers an den April-Wochenenden 1964 geprüft und siehe da: der einzige nicht dokumentierte Sonnabend ist der 11. April 1964.

Anfang des Monats waren sie in den USA und traten am 5. April in der Ed Sullivan Show auf, ab dem 16. April tourten sie durch England, u. a. spielten sie am 18. April im Odeon Theatre in Colchester und am letzten April-Wochenende (ohnehin nach Redaktionsschluss der Musik Parade) am 24. im „Locarno“ in Basildon und am 26. im Wembley Stadium in London beim „NME Poll Winners Concert“.

In der Schaubude präsentierten sie natürlich ihren aktuellen Hit „Needles And Pins“, der bereits am 1. März die offizielle deutsche Musikmarkt-Hitparade erreicht hatte und sich dort 16 Wochen lang behaupten konnte.

Bei der Suche nach einem passenden Video bin ich neben dem bereits erwähnten Auftritt bei Ed Sullivan auf den Titel „Saturday Night Out“ gestoßen, der 1964 als B-Seite von „Needles And Pins“ erschien und als Titelsong im gleichnamigen Film dargeboten wurde.

Jürgen hat als Einziger alles richtig erkannt. Auf die Searchers tippten auch Maren, Heino und Eckehard sowie Hans-Werner auf Carlheinz Hollmann und die Aktuelle Schaubude.

Mai 02 2024

Winter in den Fünfzigern

Wintersport in Kappeln Anfang der 50er-Jahre 
von Bernd Koch

Geht es Euch auch so, dass Ihr meint, früher hätte es noch richtige Winter gegeben mit ordentlich Schnee und gefrorenen Gewässern rund um Kappeln. Ich will versuchen, etwas über Rodeln, Skilaufen und Eissport zu schreiben.

Wer weiß noch, dass es vor dem Bau der Umgehungsstraße eine sagenhaft tolle Rodelbahn gab. Sehr lang und auch steil. Die Abfahrt begann auf einer Wiese vor dem Grundstück des Tierarztes Brogmus an der Schleswiger Straße.

Kurze Abweichung:
Gegenüber von Brogmus befand sich ein Sportplatz. Hier fand nach dem Krieg im Rahmen des Austausches und der Wiederaufnahme des Sportverkehrs ein Spiel des TSV gegen eine schwedische Mannschaft statt. Schweden war das erste Land, welches auf Sportebene wieder Kontakte zu Deutschland aufnahm.
Später gab es noch ein Spiel gegen BK Kopenhagen, einem dänischen Meister. Dieses fand gegenüber statt auf dem Gelände des heutigen Autohauses Fabian. Der Platz an der Mittelschule war damals noch nicht fertig.

Jetzt wieder zum Wintersport:
Die besagte Rodelbahn war nach meiner Erinnerung über 100 Meter lang und auch ziemlich steil, man konnte ein ziemliches Tempo erreichen. Obwohl diese Bahn stark besucht war, gab es keine größeren Unfälle zu verzeichnen. Mit dem Bau der Umgehungsstraße war es leider mit dem Vergnügen vorbei.

Es gab aber noch andere Möglichkeiten der Zerstreuung. Am Fuße besagter Rodelbahn kam man zur Torfkuhle, heute vornehm und etwas bearbeitet „Hüholzteiche“ genannt.

Es wurde hier tatsächlich anfangs der 50er noch Torf gestochen. Männer aus Dothmark arbeiteten in ihrer Freizeit gegen Deputat und etwas Lohn für Fritz Willhöft, den Wirt der Waldwirtschaft Hüholz. Der Torf wurde mit einem besonderen Spaten ausgestochen, dann auf das Gras zum Vortrocknen gelegt und anschließend wurde er im Kreis gestapelt. Uns Jungs und Mädels hat es Spaß gemacht zu helfen. Wir waren ja auch genügend an der Zahl.

Besagte Torfkuhle war jeden Winter proppenvoll. Es fanden Eishockeyturniere statt und auch Schnellläufe. Mir ist auch eine besondere Art Eiskunstlauf in Erinnerung. Der damals schon fast 70-jährige Hans Schubert gab manchmal Proben seines Könnens. Wir unterbrachen dann auch mal unsere Spiele und wurden Zuschauer seiner Darbietungen. Er war immer dankbar. So war es jeden Winter. Hin und wieder sah man auf dem Rodelberg auch Exoten mit Ski!

Die nächste Rodelmöglichkeit befand sich ca. 200 Meter weiter am Waldrand, unser Rodelberg, vom Hüholzweg leicht zu erreichen. Dieser Berg bestand aus zwei Teilen, einen etwas längeren und kürzeren. War auch nicht so steil wie der bei Brogmus! Es reichte aber immerhin, um sich dort bis zur Dunkelheit aufzuhalten.

Wer noch ein besonderes Rodelerlebnis haben wollte, begab sich zur sogennnten S-Bahn im Hüholz unterhalb der Gaststätte. Es war ein Weg der etwas abseits von der Gaststätte nach unten ging und mit etwas Phantasie die Form eines S hatte, also schon etwas fahrerischen Könnens bedurfte, besonders wenn sich schon eine Eisschicht gebildet hatte. Wenn es schon mit dem Schlitten ziemlich schwer war, entpuppte sich das Experiment mit Ski doch als fast unmöglich.

In Anbetracht der Olympiasiege 1954 von Toni Sailer wollte es auch ein späterer Schulfreund ohne großes Training versuchen. Er endete im ersten Versuch kläglich nach der ersten Kurve am Baum. Er selbst, seine Ski und auch der Baum blieben heil.

Neben der Torfkuhle gab es auch noch andere Teiche in der Umgebung und als Highlight die überschwemmten Salzwiesen zwischen Angela und Königstein.

In besonderen Jahren war auch die Schlei zugefroren und wir konnten auch dort laufen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mit einigen anderen mal bei bestem Wetter bis Karschau gelaufen bin.

Eine andere Möglichkeit gab es auch noch auf den sogenannten Schlemmkuhlen von Ancker. Auf dem Lehm oder Ton hatte sich Wasser gespeichert und war dann gefroren. Auch darauf konnte man laufen. Es sollen auch welche eingebrochen sein, die man unter großen Schwierigkeiten rausziehen musste.

Ich erinnere mich, wie wohl auch andere hier, an diese Winter. Ich habe es erlebt, dass Schwäne bei zugefrorener Schlei bis zum Hüholzweg wegen Futter kamen, und habe mit einem anderen Jungen kranke Wasservögel in der warmen Gärtnerei Weller in der Adolf-Pohlmann-Straße gepflegt.

Kappeln - Winter 1955/56 - Foto: Elfriede Weber

Winter 1955/56 – von Elfriede Weber „auf dem Eis stehend fotografiert“

Mai 01 2024

Bilderrätsel Nr. 759 – First Of May

In der Vergangenheit hatte ich einige Male zum „Tanz in den Mai“ gebeten. Inzwischen ist bei mir die politische Bedeutung dieses Datums wieder in den Vordergrund getreten, weil der internationale „Tag der Arbeit“ immer wieder von unterschiedlichsten politischen Mächten und Strömungen vereinnahmt wurde, um ihre perfiden Ideologien zu feiern, die mit den Ursprüngen nichts mehr zu tun haben.

Das war vor 90 Jahren auch in Kappeln nicht anders, wie ich kürzlich wieder anhand eines alten Fotos feststellen musste, auf welchem ein Umzug zum 1. Mai zu sehen ist, der am Café Matthiesen vorbei die Mühlenstraße hochmarschiert – angeführt von einem SA-Mann mit der Fahne der Deutschen Arbeitsfront.

Bilderrätsel Nr. 759

Seit diesem Bild geisterte mir der „1. Mai“ im Kopf herum. Auf der Suche nach einem angemessenen „positiven“ Rätselthema habe ich zunächst alle mir bekannten alten „Arbeiterlieder“ durchforstet. Hängengeblieben bin ich schließlich bei Franz Josef Degenhardt und „Wölfe mitten im Mai“:

„August der Schäfer hat Wölfe gehört…“ – doch statt den Anfängen zu wehren, wiegt sich das Dorf in dem bekannten Franz-Josef-Degenhardt-Chanson in trügerischer Sicherheit – bis es zu spät ist. 1965 galt dieses Lied der Gefahr erneuter faschistischer .Bedrohung, war doch die NPD gerade in sieben westdeutsche Landtage eingezogen.
(Kai Degenhardt)

Da die alte eigene Tonbandaufnahme von diesem Lied, das seit über 50 Jahren zu meinem persönlichen „Repertoire“ gehört, nicht mehr existiert, habe ich mich dann gemäß dem alten Monty Python-Motto „And now for something completely different“ am Ende für ein völlig anderes, schöneres und unpolitisches Rätselthema entschieden.

bebopalulaVor 55 Jahren

In Erinnerung an den 1. Mai 1969 – eine Woche vor unseren schriftichen Abi-Arbeiten – habe ich dieses besondere Kalenderblatt ausgewählt.

Frage: Was hat es damit auf sich?

Bee Gees – First Of May

Bilderrätsel Nr. 759

Das echte Bild erscheint beim Berühren oder Anklicken mit der Maus.

Das ist die Single-Hülle, in der von „First Of May“ von den Bee Gees Anfang 1969 erschien und sich im April für 14 Wochen in der deutschen Hitparade festsetzte, davon 8 Wochen unter den Top 10.

Während unserer Abi-Arbeiten war der Titel auf Platz 3. wink

Das alternative deutsche Polydor-Cover ist irreführend! „Lamplight“ war die B-Seite.

Bilderrätsel Nr. 759

Am 21. Februar 1969 traten die Bee Gees mit „First Of May“ in der „This Is Tom Jones“-TV-Show auf – anmoderiert von Lulu, die 3 Tage vor der TV-Ausstrahlung Maurice Gibb geheiratet hatte.

Gelöst wurde dieses etwas ungewöhnliche Spontan-Rätsel von Horst, Jürgen, Runa, Heino und Hans-Werner.

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