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Mai 02 2024

Winter in den Fünfzigern

Wintersport in Kappeln Anfang der 50er-Jahre 
von Bernd Koch

Geht es Euch auch so, dass Ihr meint, früher hätte es noch richtige Winter gegeben mit ordentlich Schnee und gefrorenen Gewässern rund um Kappeln. Ich will versuchen, etwas über Rodeln, Skilaufen und Eissport zu schreiben.

Wer weiß noch, dass es vor dem Bau der Umgehungsstraße eine sagenhaft tolle Rodelbahn gab. Sehr lang und auch steil. Die Abfahrt begann auf einer Wiese vor dem Grundstück des Tierarztes Brogmus an der Schleswiger Straße.

Kurze Abweichung:
Gegenüber von Brogmus befand sich ein Sportplatz. Hier fand nach dem Krieg im Rahmen des Austausches und der Wiederaufnahme des Sportverkehrs ein Spiel des TSV gegen eine schwedische Mannschaft statt. Schweden war das erste Land, welches auf Sportebene wieder Kontakte zu Deutschland aufnahm.
Später gab es noch ein Spiel gegen BK Kopenhagen, einem dänischen Meister. Dieses fand gegenüber statt auf dem Gelände des heutigen Autohauses Fabian. Der Platz an der Mittelschule war damals noch nicht fertig.

Jetzt wieder zum Wintersport:
Die besagte Rodelbahn war nach meiner Erinnerung über 100 Meter lang und auch ziemlich steil, man konnte ein ziemliches Tempo erreichen. Obwohl diese Bahn stark besucht war, gab es keine größeren Unfälle zu verzeichnen. Mit dem Bau der Umgehungsstraße war es leider mit dem Vergnügen vorbei.

Es gab aber noch andere Möglichkeiten der Zerstreuung. Am Fuße besagter Rodelbahn kam man zur Torfkuhle, heute vornehm und etwas bearbeitet „Hüholzteiche“ genannt.

Es wurde hier tatsächlich anfangs der 50er noch Torf gestochen. Männer aus Dothmark arbeiteten in ihrer Freizeit gegen Deputat und etwas Lohn für Fritz Willhöft, den Wirt der Waldwirtschaft Hüholz. Der Torf wurde mit einem besonderen Spaten ausgestochen, dann auf das Gras zum Vortrocknen gelegt und anschließend wurde er im Kreis gestapelt. Uns Jungs und Mädels hat es Spaß gemacht zu helfen. Wir waren ja auch genügend an der Zahl.

Besagte Torfkuhle war jeden Winter proppenvoll. Es fanden Eishockeyturniere statt und auch Schnellläufe. Mir ist auch eine besondere Art Eiskunstlauf in Erinnerung. Der damals schon fast 70-jährige Hans Schubert gab manchmal Proben seines Könnens. Wir unterbrachen dann auch mal unsere Spiele und wurden Zuschauer seiner Darbietungen. Er war immer dankbar. So war es jeden Winter. Hin und wieder sah man auf dem Rodelberg auch Exoten mit Ski!

Die nächste Rodelmöglichkeit befand sich ca. 200 Meter weiter am Waldrand, unser Rodelberg, vom Hüholzweg leicht zu erreichen. Dieser Berg bestand aus zwei Teilen, einen etwas längeren und kürzeren. War auch nicht so steil wie der bei Brogmus! Es reichte aber immerhin, um sich dort bis zur Dunkelheit aufzuhalten.

Wer noch ein besonderes Rodelerlebnis haben wollte, begab sich zur sogennnten S-Bahn im Hüholz unterhalb der Gaststätte. Es war ein Weg der etwas abseits von der Gaststätte nach unten ging und mit etwas Phantasie die Form eines S hatte, also schon etwas fahrerischen Könnens bedurfte, besonders wenn sich schon eine Eisschicht gebildet hatte. Wenn es schon mit dem Schlitten ziemlich schwer war, entpuppte sich das Experiment mit Ski doch als fast unmöglich.

In Anbetracht der Olympiasiege 1954 von Toni Sailer wollte es auch ein späterer Schulfreund ohne großes Training versuchen. Er endete im ersten Versuch kläglich nach der ersten Kurve am Baum. Er selbst, seine Ski und auch der Baum blieben heil.

Neben der Torfkuhle gab es auch noch andere Teiche in der Umgebung und als Highlight die überschwemmten Salzwiesen zwischen Angela und Königstein.

In besonderen Jahren war auch die Schlei zugefroren und wir konnten auch dort laufen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mit einigen anderen mal bei bestem Wetter bis Karschau gelaufen bin.

Eine andere Möglichkeit gab es auch noch auf den sogenannten Schlemmkuhlen von Ancker. Auf dem Lehm oder Ton hatte sich Wasser gespeichert und war dann gefroren. Auch darauf konnte man laufen. Es sollen auch welche eingebrochen sein, die man unter großen Schwierigkeiten rausziehen musste.

Ich erinnere mich, wie wohl auch andere hier, an diese Winter. Ich habe es erlebt, dass Schwäne bei zugefrorener Schlei bis zum Hüholzweg wegen Futter kamen, und habe mit einem anderen Jungen kranke Wasservögel in der warmen Gärtnerei Weller in der Adolf-Pohlmann-Straße gepflegt.

Kappeln - Winter 1955/56 - Foto: Elfriede Weber

Winter 1955/56 – von Elfriede Weber „auf dem Eis stehend fotografiert“

2 Kommentare

  1. Panthel, Hans-Werner

    Die besagte S-Bahn war auch im Sommer für mich Ziel zum "Crossbiken". Das für mich näher liegende Wassermühlenholz war dafür wegen ebener Wege nicht so anspruchsvoll. Es soll im Hüholz dann gefährliche Stürze gegeben haben und es wurde die S-Bahn durch quergelegte Bäume quasi gesperrt.

    1. Bernd Koch

      Prima, mußtest aber höllisch bei der letzten Kurve aufpassen, damals war dahinter ein kleiner Sumpf! Vielen Dank für die Rückmeldung!

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